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Rund 74 verschiedene Arten von Blühpflanzen, Bäumen und Sträuchern haben „Die Krassen Krähen“ in der Kurve an der Straße zur Burg Frankenstein gepflanzt. Foto: soe
08. Juli 2019 

„Eckis Hecki“ – Krasse Krähen bepflanzen krasse Kurve

NABU Seeheim-Jugenheim schaftt Biotop an der Straße zur Burg Frankenstein

SEEHEIM-JUGENHEIM, Juli 2019 (erh), Die Treppe nach oben ist ziemlich steil, die Sitzbank am Aussichtspunkt wirkt leicht wacklig. „Keine Angst, die ist stabil“, sagt Eckhard „Ecki“ Woite mit Hinweis auf die Stützhölzer an beiden Seiten. Die in den Waldhügel gebauten Naturstufen sind ebenso wie die Holzbank Marke Eigenbau. Ecki und seine „Krassen Krähen“, eine Untergruppe der Wühlmäuse-Kinder- und Jugendabteilung des Naturschutzbund (NABU) Seeheim-Jugenheim, haben im Wald an der Zufahrtsstraße zur Burg Frankenstein mächtig geschuftet in den vergangenen drei Jahren.

Kein Ding für die Krassen Krähen Hanna, Falk und Wanja. An der frischen Lust bei jedem Wetter etwas für die Umwelt zu tun, findet das Trio Klasse. „Es macht einfach Spaß“, sagt Hanna. Wanja und Falk nicken zustimmend mit dem Kopf.

Von oben hat man einen prima Blick auf das Projekt der NABU-Kids, das in der Haarnadelkurve zur Burgauffahrt liegt. Die Grünfläche innerhalb der Spitzkehre ist Krasse-Krähen-Land. Auf dem Areal haben die Jugendlichen in vielen Arbeitsstunden ein vielfältiges Biotop angelegt. Im Zuge der Fahrbahnerneuerung waren vor drei Jahren aus Wegsicherungsgründen alle Bäume auf dieser Fläche gefällt worden. Die Wühlmäuse boten sich seinerzeit an, diesen Bereich neu zu bepflanzen, erhielten von Hessenforst die Erlaubnis dazu und setzen mit 74 Pflanzenarten (Blühpflanzen, Sträucher, Bäume) ein sichtbares Statement gegen das Artensterben. „Wir freuen uns natürlich über dieses tolle ehrenamtliche Engagement“, lobt Torsten Leveringhaus, der Vorsitzende der Gemeindevertretung Seeheim-Jugenheim den Eifer der Wühlmäuse. Die Anstrengungen der Natürschützer hält der Grünen-Landtagsabgeordnete für „absolut unterstützenswert“.

In einem kleinen Festakt wurden die bepflanzte Kurve sowie die Aussichtsplattform Ende Mai eingeweiht. Rund 40 Interessierte haben sich rund um die Kurve eingefunden und dürfen über den künftigen Namen der Blühwiese abstimmen. Nach mehreren Wahlgängen entscheiden sich die Anwesenden für: Krasse Krähen Kurve. Die Gestaltung der Grünanlage orientiert sich an folgenden Maßgaben: Die Pflanzen sollen zusammen passen, sich nicht gegenseitig im Wachstum behindern und zu unterschiedlichen Zeiten ihre Blütenpracht entfalten. Von Februar bis November soll es in der Kurve blühen, um Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten ein beinahe durchgängiges Angebot an Nektar und Pollen servieren zu können, wie Eckard Woite erklärt.

Die Krassen Krähen haben in ihrem Blühparadies mit hartnäckigen wilden Gräsern, wuchernden Brombeeren sowie mit Wildverbiss zu kämpfen. Dass Rehe als Feinschmecker eher seltene Arten wie Elsbeere oder die Süße Bärenschote bevorzugen, erfordert Gegenmaßnahmen. Alte Schafswolle, wie Weihnachtskugeln drapiert an den jungen Pflanzen, hält das Wild fern. „Die reicht streng und das mögen Rehe nicht“, erläutert Woite. Zudem sind viele junge Bäume mit Schichten aus Reisig umgeben, das schützt gegen Sonne und Wind und in der kalten Jahreszeit vor Frost. Die Krasse Krähen Kurve benötigt in den nächsten Monaten weiterhin intensive Pflege.

Ecki und sein Team haben weitere Ideen, wie der ökologische Wert des Areals durch weitere gezielte Anpflanzung gesteigert werden kann. In fünf bis zehn Jahren, soll die Blühwiese laut Planungen ihre volle natürliche Schönheit entwickelt haben. Zudem sollen sich die Pflanzen in der Umgebung ausbreiten, um die Artenvielfalt des Waldstücks insgesamt zu fördern.