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Flüchtlingsschüler bauten Cajons bei dem Projekt „Cajon-Bau“.
17. Juni 2017 

Eine Kiste zum Trommeln

Cajon, wie ursprünglich aus einer Transportkiste ein Rhythmusinstrument wurde

BENSHEIM, Juni 2017 (meli), Musik verbindet Menschen miteinander, lässt sie miteinander kommunizieren und etwas zum Ausdruck bringen, für das ihnen ansonsten manchmal die Worte fehlen. Dazu macht sie einfach Spaß, man kann aus sich herausgehen und sich entspannt ausleben. Wenn das Ganze dann noch mit einem handwerklichen Projekt verbunden ist, in dem sich Schülerinnen und Schüler ihre Musikinstrumente selbst bauen, so ist das eine ideale Kombination für eine Sprachlernklassen der Heinrich Metzendorf Schule: Musik und Handwerk miteinander zu verbinden, diese Idee hatte der Sozialpädagoge Thorsten Mäncher im zweiten Schulhalbjahr mit dem Projekt „Cajon-Bau“.

Schüler einer Sprachintensivklasse InteA (Integration und Anschluss) der Bensheimer beruflichen Schule erhielten die Möglichkeit in der Schreinerei-Werkstatt diese Cajons zu bauen. Es handelt sich dabei um ein Rhythmusinstrument, das sich in Lateinamerika aus dem Trommeln auf Transportkisten entwickelt hat.

Unter Anleitung des Schreinermeisters Hubertus Gärtner wurden in der schuleigenen Werkstatt von den Schülern alle Holzteile selbst angefertigt. Dabei kamen die Sprachschüler im Alter zwischen 17 und 19 Jahren erstmals in Kontakt mit modernster CNC-Technik: Vollautomatisch nach dem voreingestellten Programm bohrte und fräste die CNC-Maschine die einzelnen Teile. Danach war allerdings Handarbeit gefragt: Jeder musste die Füße der Cajons selbst ausbohren und schleifen. Nachdem alle Teile angefertigt waren, baute sich jeder seine eigene „Rhythmus-Kiste“ zusammen. Sorgfältig wurden die verschiedenen Seitenteile aneinander geleimt und fachmännisch rechtwinklig eingespannt. Ins Innere der Cajons wurde noch ein Metallteil montiert, das bei bestimmten Schlägen ein Rasseln erzeugt. Nach dem Verschrauben der Deck- und Schlagplatte mussten die Kisten nur noch geölt werden.

Bereits beim Bauen, das von dem Sozialpädagogen Thorsten Mäncher begleitet wurde, hatten die Schüler sehr viel Spaß und probierten eifrig die Trommeln aus. Besonders die Jungen zeigten große Rhythmus-Begeisterung. Sie sangen und tanzten spontan dazu. Für das einzige Mädchen in der Gruppe war es eine ganz neue Erfahrung selbst Holzteile zusammen zu bauen, da sie bislang in ihrer Heimat Syrien nie handwerklich tätig sein konnte. Es begeisterte sie „das erste Mal richtig zu arbeiten“, so ihre Einschätzung. Besonders schön war es bei der Projektarbeit mitzuerleben, wie die verschiedenen Nationen (Afghanen, Eritreer, Syrer) sich untereinander verständigten und sich gegenseitig halfen.

Dank des Fördervereins der Heinrich Metzendorf Schule, der einen Teil des Materials finanzierte, konnte der Kostenbeitrag für die Schüler gering gehalten werden. Dem Schreinermeister Hubertus Gärtner begeisterte nicht nur das handwerkliche Engagement der Schüler, sondern auch deren musikalische Ader, da er selbst ein aktiver Musiker ist.