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Gebannt verfolgten die Schüler, ausgerüstet mit Schutzbrillen, wie sich der Mond langsam vor die Sonne schob. Foto: soe
17. April 2015 

Große Schatten setzten viele Aktivitäten in Gang

Das Schuldorf Bergstraße nutzte die Sonnenfinsternis als fachübergreifende live-learning Unterrichtseinheit

SEEHEIM-JUGENHEIM, April 2015 (pem), Am Schuldorf Bergstraße greift man oft nach den Sternen. Die dort ausgerichteten Weltraumtage haben nicht nur Tradition, sondern auch überregionale Beachtung erlangt. Sie gehören regelmäßig zu den Sternstunden der Astronomie AG. Unter Leitung von Christian Wolf haben sich in dieser Gruppe Nachwuchsforscher, Hobby-Sterngucker und Physikinteressierte verschiedener Jahrgangsstufen zusammengefunden. Außerhalb des Stundenplans widmen sie sich vielfältigen Untersuchungs- und Beobachtungsaufgaben.

Doch nicht nur die jungen Fachleute fieberten schon lange dem Tag des großen Himmelsschauspiels entgegen. Für ihre Mitschüler bereitete die AG ihr profundes Expertenwissen in rund zehnminütigen Vorträgen auf, die in das das Phänomen SoFi einführten. Die Theorie sollte noch besser erschließen, was jeder dann selber beobachten konnte. Am Christian Stock Stadium waren mehrere Beobachtungsteleskope installiert worden. Der Handel mit Schutzbrillen war schon Tage zuvor in Schwung gekommen. Die Schüler fieberten dem spannenden Augenblick entgegen.

Doch so ein außergewöhnliches Ereignis ruft die Kreativität auf den Plan. Eine Schülergruppe hatte sich auf alte Techniken besonnen und behalf sich mit selbstkonstruierten Lochkameras. Christian Wolf freut sich über die unglaubliche Resonanz auf die Einladung zu dieser naturwissenschaftlichen Unterrichtseinheit der besonderen Art. „Von der Grundschule über die sehr stark vertreten Haupt- und Realschule bis zum gymnasialen Zweig und der internationalen Schule war das Interesse riesig groß. Nicht nur die Kinder hatten sich dafür begeistert, sondern die Kollegen fanden die unterschiedlichsten Ansätze, in ihrem Unterricht auf das Geschehen einzugehen und das Ereignis vorzubereiten. Natürlich wollte man dem staunenswerten Phänomen noch mit Eigeninitiative angenehm aufwerten. Ein reichhaltiges SoFi-Frühstück wurde äußerst appetitlich zusammengestellt und fand quer durch alle Jahrgangsstufen großen Anklang. Elke Holzapfel ergänzt aus Sicht der Lehrer den pädagogischen Wert: „Ich habe das Glück, neben Physik auch Deutsch zu unterrichten. Durch die Beschäftigung mit dem Naturereignis als literarisches Motiv, konnte ich auch solche Schülerkreise erreichen, die der Naturwissenschaft sonst eher kritisch bis ablehnend gegenüber stehen. Zum Beispiel beschreibt in einem wunderbaren Gedicht Adalbert Stifter die ganze einzigartige Atmosphäre. Neben allen wissenschaftlichen Kontrollblicken in den Himmel, gehörte diese gefühlsmäßige, sinnliche Erfahrung der Situation mit zur „Live-learning“-Einheit.“

„Es war ganz komisch“, fasst ein kleiner SoFi-Fan sein Empfinden zusammen. „Als die Sonne weg war, wurde es immer kühler, das macht einem irgendwie schon so´n bisschen Angst.“ So erlebte man auch, was Menschen früherer Epochen und anderer Kulturen so beunruhigt und erschreckt hatte, sie den Zorn der Götter und die bevorstehende Vernichtung allen Lebens fürchten ließ. An Unheilsbotschaft und Schicksalsverkündung zu glauben, verliert die Dimension des Irrationalen, wenn man dem Phänomen der schwarzen Sonne selber beiwohnt. „Es hat sich so angefühlt als würde man durch eine Sonnenbrille schauen, obwohl man gar keine auf der Nase hatte“, bestätigt ein Mädchen. Der Eindruck war nachhaltig, ganz zu schweigen von den unvergesslichen Bildern, die sich den Kindern an den Teleskopen vermittelten. Neben den fortschreitenden Schattenphasen konnte man auch die einzigartigen Sonnenprotuberanzen bewundern. Durchaus möglich, dass die Astronomie AG künftig noch mehr Zulauf haben wird. „Da mit Nachthimmel-Beobachtungen der Unterricht schwer zu gestalten ist, verlegen wir uns schon seit einiger Zeit mit dem entsprechenden Gerät auf die Tagesastronomie“, Christian Wolf spricht vielen begeisterten Schüler aus dem Jungwissenschaftler-Herz. „Und die ist nicht minder interessant!“

Fotos: Stefan Oelsner