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Interessierte Gartenbesitzer konnten am Erdentag ihre Bodenproben von Dipl. Ing. Marion Bieker prüfen lassen. Foto: soe
31. Mai 2019 

Gute Erde: Alles im grünen Bereich

Kompostierungsanlage Alsbach-Hähnlein: Expertin Marion Bieker analysierte Bodenproben aus der Region

ALSBACH-HÄHNLEIN, Mai 2019 (tri), Der Regen hat Marion Bieker nichts ausgemacht. „Das brauchen die Pflanzen jetzt dringend“, so die Umwelt-Ingenieurin vom Humus- und Erdenkontor in Neu-Eichenberg. Was außer Wasser, Wärme und Licht sonst noch wichtig ist, damit sie gesund gedeihen können, weiß die Expertin aus Oberhessen aus fast 30-jähriger Erfahrung. Bei der Beratungsaktion auf der Kompostierungsanlage Alsbach-Hähnlein analysierte sie die Proben von Hobbygärtnern aus der Region auf ihre innere Zusammensetzung und gab wertvolle Tipps, wie man im heimischen Untergrund eine gesunde Balance herstellen kann.

Als Kooperationspartner des Da-Di-Werks war das Kontor auch in diesem Jahr wieder vor Ort, um einen schnellen, aber aufschlussreichen Blick unter die Oberfläche zu werfen. In vier Stunden hat Marion Bieker rund 20 Proben auf ihre Struktur und Qualität untersucht. Die meisten waren in Ordnung. pH-Wert, Nährstoffgehalt und Nitrat zeigten sich bei fast allen Testerden im grünen Bereich. Einige Gärten scheinen allerdings leicht überdüngt zu sein. „Viel hilft nicht immer viel“, so die Fachfrau über das Düngeverhalten der Leute. Sie betont: Kompost ist ein Langzeitdünger. Wenn man zusätzlich Stoffgemische in die Erde einbringt, kann die Balance schnell kippen. Zwar sind Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium, Kalzium und Schwefel die lebenswichtigen Hauptnährstoffe für Pflanzen, doch eine Überdosierung bringt das System durcheinander.

Zu viel stickstoffhaltiger Dünger kann zu einem hohen Nitratgehalt im Boden führen und sich in den Pflanzen anreichern. Nitrat wird in Nitrit umgewandelt – ein Problem für Menschen, Tiere und Pflanzen. Die Folge: Gartenpflanzen bekommen weicheres Pflanzengewebe, sind anfälliger für Pilze und saugende Schadinsekten. Zu viel Kalium und Kalzium verhindern die Aufnahme anderer Nährstoffe, ein Übermaß an Phosphor verhindert die Aufnahme von Stickstoff. Weniger ist also mehr, betont die Expertin. Ein grüner Daumen ist ein sensibler Daumen.

Kompost ist ein humusreiches Produkt aus organischen Abfällen. Die bei der Kompostierung ablaufenden Prozesse der Humifizierung und Mineralisierung gleichen der Humusbildung im Boden. Guter Kompost hat vergleichbare Eigenschaften wie Humus.

Als Dünger und Bodenhilfsstoff kommt ihm deshalb eine besondere Bedeutung zu. Er ist nicht nur eine nachhaltige Nährstoffquelle, sondern hat auch die Fähigkeit, den Boden zu verbessern und zu erhalten, so Marion Bieker in Alsbach. Zirka drei Liter Kompost pro Quadratmeter sind ein verlässlicher Mittelwert. Auf der Kompostierungsanlage hatte sie einen einfachen Schnelltest dabei, den sie selbst entwickelt hat. „Die Ergebnisse sind nicht exakt, aber doch sehr nah an den Laborwerten“, sagt sie. Die grundsätzliche Qualität eines Bodens werde gut erkennbar. Die beste Voraussetzung für eine aussagekräftige Analyse sei eine Probe aus zirka 30 Zentimetern Tiefe (Oberboden), die an verschiedenen Stellen der Gartenbeete gemixt wird. In einer Lösung aus Kaliumchlorid wird die Probe dann etwa drei Minuten lang bewegt. Ein schönes Bild: An der regnerischen Kompostierungsanlage stehen zwei Herren an einer Erden-Theke und rühren sich ihren ganz persönlichen Boden-Cocktail.

Danach kommt die Pampe in einen Filter, wo sich die Lösung von den Feststoffen trennt. Mit einem Messstäbchen lässt sich nun der Nitrat-Stickstoff bestimmen. „Kompost besitzt basisch-wirksame Stoffe, die ein Kalken des Bodens häufig ersparen oder nur selten notwendig machen“, so Marion Bieker. In der Region dominieren eher saure, fluffige Sandböden mit geringerem Kalkgehalt. „Deshalb gedeiht hier der Spargel so gut.“ Ihr Institut kooperiert seit Jahren eng mit der Anlage, vor allem im Bereich Qualitätskontrolle. In Alsbach-Hähnlein wird Kompost vor allem aus angeliefertem Grünschnitt und aus Bioabfällen produziert und auf Krankheiten, Schimmel und Keime geprüft. Vor Ort können Kunden unter anderem Rindenmulch, Blumenerde, Rhododendronerde und Kübelpflanzenerde mitnehmen. Und einmal im Jahr auch handfeste Informationen über den Zustand der eigenen Gartenerde. Gratis, flott und von hohem Nutzwert.

Marion Bieker freut sich schon aufs nächste Mal, wenn in Alsbach-Hähnlein wieder kollektiv gerührt wird. Dann hoffentlich bei trockenem Wetter.