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Um die Mittagszeit trifft man die Weißstörche meist auf ihren Nestern. Entweder auf dem Mast an der Gänsweide oder auf den abgebrochenen Schwarzerlen auf dem Betonweg durch die Fasanenlache in Hähnlein. Foto: soe
16. April 2018 

Hähnlein und die Störche

Eine Erfolgsgeschichte – Zur Zeit brüten sechs Storchenpaare in Hähnlein

ALSBACH-HÄHNLEIN, April 2018 (raha) Wenn die Hähnleiner Kinder früher in den alten Kindergarten in der Georg- Fröba-Straße gingen, wurden sie immer mit freudigem Klappern von den dort wohnenden Störchen begrüßt. Mitten auf dem Dach der alten Hofreite, die das Vorderhaus des Kindergartens bildet (heute Kinderhort Pinocchio), befand sich ein riesiges Nest aus Reisig. Bis 1973 kamen die Störche regelmäßig nach Hähnlein auf ihren angestammten Platz über dem Kindergarten. Es war aber ein Niedergang auf Zeit. Gab es vor dem zweiten Weltkrieg noch etwa 30 bis 50 Storchenpaare in Hähnlein und Umgebung, waren in den 50er Jahren nur noch etwa 20 bis 30 Paare hier ansässig.

Durch die fortschreitende Umweltverschmutzung, austrocknende Wiesen und der Anlage von landwirtschaftlichen Monokulturen blieben die weißen Schreitvögel weitgehend aus. Immer weniger Paare kamen im Frühjahr. Der Einhäuser Vogelschützer Willi Eckert hatte 1972 die letzten Jungstörche auf dem Kindergartendach beringt. Im folgenden Jahr gab es nur noch eine Brut mit zwei toten Jungstörchen. Danach blieb das Nest leer. Am Hartenauer Hof gab es 1974 die letzte Brut im ganzen Umkreis. Die dortigen Jungstörche kamen aber in einer naheliegenden Hochspannungsleitung ums Leben. Der Storch war nun im Ried für lange Jahre „ausgestorben“.

Erst im Sommer 1999 wurde wieder ein Storch in den Holzlachgrabenwiesen gesichtet und am 18. Mai 2000 besuchte zum ersten Mal ein Storch die Kompostierungsanlage, wahrscheinlich auf der Durchreise. Der örtliche Vogelschutz- und Zuchtverein zeigte nach diesen ersten Beobachtungen sofort Initiative, man beantragte schon 1999 eine Genehmigung zum Bau von Storchennestern und im Januar 2001 wurden von den Mitgliedern zwei Stahlgittermasten mit Korb im Hähnleiner Feld aufgestellt. Der damalige Kreisnaturschutzbeauftragte Dr. Heimer war zugegen und hatte die Standorte für die neuen Nester höchstper
sönlich ausgesucht. Der eine Mast befindet sich heute noch am Betonweg zwischen Grillplatz Gänsweide und Beregnungshalle und der andere in der Nähe der steinernen Brücke an der Quelllache.
Nun mussten die Vogelschützer bis 2004 warten, dann kam das erste Storchenpaar an die Gänsweide. Das Männchen stammte vom Auerbacher Vogelpark und wurde 1997 geboren, beringt wiederum von Willi Eckert, der mittlerweile aber leider verstorben ist. Das Weibchen trug kein Ring und war vermutlich noch sehr jung, denn es gab nur zwei tote Junge im Nest. Bei jungen, zweijährigen Störchen ist ein Bruterfolg äußerst selten zu beobachten.

Im folgenden Jahr kam das Männchen wieder, allerdings mit neuer Gattin aus der Nähe von Lörrach. Man taufte den Storchenpapa auf den Namen Paul, obwohl man später erfuhr, dass er in Auerbach „Fritz“ genannt wurde. Auch in diesem Jahr gab es nur tote Jungstörche im Nest. Danach begann aber eine ausgesprochene Erfolgsgeschichte: Bis 2014 war dieses Pärchen sehr fleißig auf seinem Nest an der Gänsweide. Viele Nachkommen der beiden sind zum Teil in ganz Deutschland aktiv, wie die alljährlichen Beringungsaktionen der Jungstörche zeigen. Besonders in der Wesergegend bei Minden haben sich viele Jungstörche niedergelassen. Auch in der näheren Umgebung hat sich der Nachwuchs von Paul und Gattin breitgemacht.

Paul alias „Fritz“ ist 2015 nicht mehr gekommen, was mit ihm passiert ist, weiß man nicht. Seine langjährige Lebensgefährtin ist in die Fasanenlache auf den Stumpf einer alten Pappel umgezogen und hat sich einen neuen, jüngeren Partner geangelt. Das Nest an der Gänsweide wurde von einem neuen Paar in Besitz genommen.

Wie der örtliche Vogelschutzwart Rudolf Boehm mitteilt, befinden sich in der Fasanenlache mittlerweile sechs bewohnte Nester auf alten Bäumen und ein weiteres in der Hainlache beim Gestüt Wolf. Der neue Gittermast auf der Weide am Hähnleiner Sportplatz und der schon vorhandene an der steinernen Brücke wurden bisher noch nicht angenommen. Doch Rudolf Boehm ist optimistisch, dass noch viele Störche demnächst die heimische Natur zurück erobern werden! Ein „Storchen- Hotspot“ ist sicherlich auch die Kompostierungsanlage in Hähnlein. Es wurden schon „Treffen“ von mehr als dreißig Störchen beobachtet. Man muss dort halt nicht mühselig nach Mäusen oder Fröschen jagen, sondern sucht sich seinen Festschmaus am frisch angelieferten Bioabfall heraus!

Interessierten Storchenbeobachtern sei der Hähnleiner Rund- Wanderweg „H 1“ nahegelegt, der am Parkplatz des Sportplatzes Gänsweide beginnt und alle örtlichen Storchennester auf seiner etwa 4 km langen Strecke in Sichtnähe hat.