29. August 2019 

“Lorsch und das Wasser”

Prof. Dr. G.J. Schenk referiert am 3. September im Paul-Schnitzer-Saal

LORSCH, August 2019 (meli), Am kommenden Dienstag, dem 3. September 2019, trägt Prof. Dr. Gerrit Jasper Schenk um 19.00 Uhr im Paul-Schnitzer-Saal über “Lorsch und das Wasser” vor. Anlässlich einer internationalen Tagung, die sich mit Konflikten um Wasserwirtschaft und Wasserrechte von der Antike bis zur Industrialisierung beschäftigt, hat die Technische Universität Darmstadt rund zwanzig Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Lorsch eingeladen. Während die Tagung selbst ohne Publikum stattfindet, wird einer der beiden Organisatoren der Konferenz, Prof. Dr. Gerrit Jasper Schenk, am Abend des kommenden Dienstag einen öffentlichen Abendvortrag halten.

„Es ist,“ so Schenk, „keine Übertreibung zu behaupten, dass Lage und Gestalt von Kloster und Ort Lorsch durch die Wasserläufe der Region tiefgreifend mitgeformt wurden.“ Lorsch liegt in einer Auenlandschaft, die durch den alten, heute verlandeten Lauf des Odenwald-Neckars, die früher streckenweise darin mäandrierende Weschnitz und eine mächtige Flugsanddünenkette zwischen Gernsheim und Viernheim geprägt wurde.

Schon der Standort des ‚Altenmünsters‘ auf einer Weschnitzinsel, wenig später auch der des heutigen Klosters, nahm Rücksicht auf die natürlichen Gegebenheiten der Umgebung. Im Vortrag soll versucht werden, einen Einblick in die spannende Geschichte des Miteinanders von Mensch und Wasser vor der tiefgreifenden Umgestaltung der Auenlandschaft im 19. Jahrhundert zu geben. Zum einen wird die Bedeutung des Wassers für die klösterliche Gemeinschaft aus den schriftlichen Zeugnissen und einigen wenigen archäologischen Funden rekonstruiert: Wofür wurde das Wasser gebraucht? Zum anderen wird die Rolle der Weschnitz, des Lorscher Sees und des möglichen Hafens von Lorsch, Zullenstein am Rhein, für die Geschichte von Kloster und Ort diskutiert. Wie ging man seit der Antike bis ins 18. Jahrhundert mit den Chancen und Gefahren durch die Wasserläufe um? Diente die Weschnitz als Transportweg, trieb sie Mühlen an, wurde sie für die Bewässerung von Wiesen und den Fischfang genutzt? Wer sorgte für den Unterhalt der Wasserläufe, wer profitierte von ihnen und was geschah im Konfliktfall? Durch den langen Blick zurück wird deutlich, wie stark die Landschaft um Lorsch von den Eingriffen in den Wasserhaushalt und die Meliorationsbemühungen seit der Karolingerzeit geprägt ist. Es lohnt sich daher, heutzutage bei Renaturierungs- und Baumaßnahmen mehr Rücksicht auf die Erforschung von Bodendenkmälern zu nehmen, um die Rolle des Menschen und das Wechselspiel von Natur und Kultur bei der Gestaltung der fluvialen Anthroposphäre noch besser zu verstehen.

Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.