Bensheim, Bickenbach, Fotogalerien

Die Iserlohner Stadtmusikanten begeisterten das Publikum. Foto: soe
23. September 2019 

Tattoo der Extraklasse

Musikcorps Bickenbach feierte sein 100-jähriges Jubiläum mit einem grandiosen Musikfest

BENSHEIM/BICKENBACH, September 2019 (erh) Was für eine Show in der Bensheimer Weststadthalle! Das Musikcorps Bickenbach lieferte mit dem Tattoo zu seinem 100. Geburtstag ein stimmungsvolles musikalisches Event ab. Angefangen von klassischer Marschmusik über melancholische schottische Hochlandklänge, traurig-besinnliche irische Weisen bis hin zu Perlen aus der Pop- und Rockgeschichte bot das kurzweilige Festival mit internationalen Marching- und Show-Bands eine höchst abwechslungsreiche musikalische Reise.

Und natürlich wurde beim Bickenbach Tattoo in Bensheim während des Musizierens auch ordentlich marschiert: Korrekt in Reih und Glied ebenso wie in ausgefallener, spaßiger, ein wenig verrückter Choreographie – einige der Formations-Märsche waren ohne Frage heiße Kandidaten für das legendäre „Ministry of Silly Walks“, das die Comedy-Truppe Monthy Pyhton einst für einen Sketch erschaffen hatte.

Zweimal ging die knapp dreistündige Show an den Start. Insgesamt rund 2000 Zuschauer verfolgten an einem ziemlich heißen Samstag Ende August das Spektakel in der Weststadthalle. Für das Auswärtsspiel in Bensheim hatten sich die MCB-Verantwortlichen entschieden, um wettertechnisch auf der sicheren Seiten zu sein.

Dass in- und outdoor an diesem heißen Sommertag in etwa die gleichen Temperaturen, gefühlt mindestens 38 Grad Celsius, herrschten, brachte nicht nur die Unterwäsche von Moderator Helmut Jäger („Ist einmal komplett durchgeschwitzt.“) an die Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit, sondern machte auch den uniformierten und behelmten Musiker bisweilen zu schaffen.

Die musikalische Einstimmung vor und in der Halle übernahm die Blaskappelle Hemslingen, zu der der MCB eine lange Freundschaft pflegt, mit eingängigen Melodien. Den Auftakt des Tattoo bestritt die „Massed Band Pipes and Drums“, ein Zusammenschluss der „Odenwald Pipes and Drums“ und der „Clan Pipers Frankfurt“. Mit Dudelsack und Drums erzeugte die Formation eine fast kathedralische Atmosphäre, die durch die dezente Ausleuchtung der Weststadthalle verstärkt wurde. Später im Programm waren die Odenwälder wie Frankfurter noch solo unterwegs und entführten das begeisterte Publikum mit ihren ruhigen, intensiven Klängen in die schottischen Highlands.

Den überraschendsten Auftritt legte die „La Vaillante Show&Marchching Band“ aufs Parkett. In strenger Anordnung lief die Crew gewandet in gestärkte und gebügelte Uniformen sowie Grenadiermützen tragend zu flotter Marschmusik ein. Aber bei den Franzosen ging viel mehr. Nach ein paar Umdrehungen entpuppten sich die Männer und Frauen aus Saint Quentin als frecher, hüftschwingender, humorvoller, moderner Show-Act, der von den Besuchern für seine spritzige Performance gefeiert wurde. Das Ensemble aus Frankreich, das eine eigene Musikschule betreibt, gilt laut Helmut Jäger als eine der angesagtesten Showbands Frankreichs. Völlig zu Recht!

Mit viel Esprit waren anschließend die Iserlohner Stadtmusikanten am Start. Die Band widmete ihre Vorstellung komplett den britischen Rockgiganten „Queen“. Stücke wie „We Will Rock You“ und „Bohemian Rhapsody“ kamen prächtig an auf den swingenden Rängen.

Das „Romford Drum and Trumpet Corps“ präsentierte Marschmusik sowie populäre Stücke umrahmt von klassischen Marschfiguren. Mitglied in der Kapelle aus dem Großraum London ist die Bickenbacherin Anna Hofmann. Die Tochter von MCB-Stabführer Manfred Hofmann absolviert derzeit ein Musikstudium in London und verzauberte die Weststadthalle bei einem irischen Folksong mit einem sanften Flötensolo.

Das Finale leitet der Jubilar ein. Der Musikcorps Bickenbach stieg mit dem Thema der Rocky-Filmreihe ein und musizierte sich mit spürbar großer Spielfreude und flotten Choreografien durch sein vielfältiges Set. Die Vorführung der Gastgeber wurde von den Besuchern mit viel Applaus gewürdigt.

Den Schlusspunkt der prickelnden Geburtstagsparty bildete eine gemeinsame Darbietung aller Bands, unter anderem mit dem Song „YMCA“, die von verschiedenen Dirigenten gesteuert wurde.

Fotos: Stefan Oelsner