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Jan Zeissler, Timo Westphal und Silas Koch stellten auf der Malcher Naturmesse die mit Infrarot ausgestattete und Restlicht verstärkende 3000.- Euro teure Drohne vor. Foto: ewi
16. April 2018 

Drohnen gegen den Mähtod von Rehkitzen

Auf der Naturmesse in Malchen stellte der NAJU Seeheim-Jugenheim sein neustes Projekt vor

SEEHEIM-JUGENHEIM/MALCHEN, April 2018 (erh), Annähernd zeitgleich mit der bevorstehenden Setzzeit, die etwa von April bis Juni dauert, beginnt im Mai in der Landwirtschaft die Mähsaison. Für viele Jungtiere bringt das Abmähen der Wiesen den Tod. Vor allem Rehkitze sind vom sogenannten Mähtod betroffen. Nach allgemeinen Schätzungen fallen pro Jahr circa 20 bis 25 Prozent der neugeborenen Tiere in Deutschland den Mähwerken zum Opfer. Die Kitze werden von den Ricken in den Wiesen abgelegt und verbringen dort ihre erste Lebensphase. Die Muttertiere kommen zum Säugen, halten sich aber meist am Rand des Ablageareals auf, um auftauchende Feinde auf sich zu ziehen. Wenn die Mähmaschinen anrücken, bleiben die Kitze, die in diesem Entwicklungsstadium noch keinen Fluchtreflex entwickelt haben, im hohen Gras liegen und ducken sich ab. Ein Schutzinstinkt mit oft fatalen Folgen. Seit einiger Zeit werden bundesweit mit spezieller Technik ausgestattete Drohnen zur Rettung von Kitzen vor dem Mähtod eingesetzt.

Die Naturschutzjugend (NAJU) Seeheim-Jugenheim möchte diese Methode nun in Kooperation mit der Jägerschaft für Landwirte in der Region anbieten. Vor kurzem stand der NABU-Jugendorganisation eine solche Drohne, die neben einer hochauflösenden Steuerungskamera zusätzlich mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, zu Testzwecken zur Verfügung. Auf der NABU-Naturmesse in Malchen Anfang März stellten drei Mitglieder der Gruppe (Jan, Silas, Jonas) die Drohnentechnik der interessierten Öffentlichkeit vor.

Der Einsatz der Drohne muss aus technischen Gründen in den frühen Morgenstunden erfolgen. Mit der Maschine, die weniger als drei Kilogramm wiegt, werden die zu mähenden Wiesen in einer Höhe von etwa 30 Metern überflogen. Die Wärmebildkamera erkennt mittels eines Wärmesensors besondere Wärmequellen in der Wiese und stellt sie auf einem Monitor dar. Ist eine Wärmesignatur ermittelt, die auf ein Lebewesen hindeutet, machen sich Helfer angeleitet vom Drohnenpilot per Fuß auf den Weg zur definierten Stelle. Ein aufgespürtes Kitz sollte anschließend unter Beachtung spezieller Vorsichtsmaßnahmen (nicht mit bloßen Händen berühren, sondern beispielsweise mit einer Decke umfassen) an den Rand des Feldes gebracht werden. Eine Rettungsmannschaft besteht aus mehreren Personen, einem Piloten und zwei bis drei Helfern. Die NAJU hat bereits einen Pool an Rettern aufgebaut. Technische Unterstützung und rechtliche Beratung erhält das Team u.a. von Eric Westphal und seinem Team.

Die NAJU-Crew will den Landwirten die Kitzrettung per Drohne ehrenamtlich und, abgesehen von einem Versicherungsbetrag für das Fluggerät, kostenlos offerieren.

Weitere Informationen unter www.naju-hessen.de/2018/naju-drohne-fuer-die-kitzrettung oder www.nabu-seeheim.de.