Ober-Beerbachs „starkes Stück“ zwischen Ehrungen und Feierglück
Freiwillige Feuerwehr feierte ihr 75-jähriges Jubiläum
OBER-BEERBACH, Juni 2012 (pem), „Das starke Stück der Gemeinde“ – Kein Geringerer als Landrat Klaus-Peter Schellhaas prägte das markige Schlagwort für die Ober-Beerbacher Feuerwehr. Als Schirmherr der 75-Jahr-Feierlichkeiten verlieh er der Hochachtung vor dem „Jubilaren“ damit persönlichen Nachdruck. Fest verwurzelt in der Kommune durch die Vielfalt ihrer Leistungen und Dienste nimmt die Feuerwehr ebenso im Vereinsleben einen speziellen Rang ein.
Bürgernähe ist Selbstverständlichkeit und Herzenssache. Viel Enthusiasmus setzten die Floriansjünger daran, den Mitbürgern etwas zu bieten: Amüsement für Jung und Alt von Schiffsschaukel bis Schlagerkonzert, von Kommersabend bis Korso. Beim „Feierwehreinsatz“ schont sich niemand, doch der erste Vorsitzende klagt über aberwitzige Reglementierungen, rigide Verordnungen und Auflagen durch Behörden, ganz zu schweigen von den zu entrichtenden Gebühren. Gerade kleineren Orten wird die Pflege der „Fröhlichkeitskultur“ auf diese Weise nicht erleichtert, doch als „starkes Stück“ lässt man sich nicht ohne weiteres unterkriegen und erst recht nicht die Festfreude verderben.
„Den Bürgern zur Wehr, Gott zur Ehr´“ lautet das Motto der Feuerwehren von alters her. Wer 365 Tage im Jahr bereit ist, für Andere durchs Feuer zu gehen, weiß, dass auch der tüchtigste Helfer oft höhere Hilfe braucht und hat. Deshalb war dem ausgelassenen Festbetrieb auch ein stimmungsvoller Gottesdienst voran gestellt, den Pfarrerin Angelika Giesecke unter Mitwirkung des Posaunenchors gestaltete.
Die zentrale Veranstaltung bildete der Kommersabend. Mit Pauke und Trompete bereitete die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Balkausen schmetternd dem Defilee der Gratulationen, Grußworte und Ehrungen das Entree. Obgleich selber Jubilar in seiner dreißigjährigen Tätigkeit als Wehrführer, konzentrierte sich Hans Brunner in seiner Rede auf die augenblickliche Situation des Vereins, der 271 Mitglieder zählt. Der Vorsitzende zeigte sich äußerst zufrieden mit dem hohen Ausbildungsstand der Einsatzabteilungen. Außenstehenden ist meist nicht bewusst, dass die Brandbekämpfung den geringsten Teil der Aufgaben ausmacht. Die Bereiche Bergung und technische Hilfeleistung überwiegen. Folglich sind kontinuierliche Fortbildungsmaßnahmen und Schulungen für die Mitglieder unumgänglich, um auf dem erforderlichen Wissensstand zu bleiben. Eigeninitiative ist gefragt, ein zusätzlicher Zeitaufwand. Ein Stück Privatleben mehr, das dem Dienst an der Allgemeinheit geopfert wird, obwohl Freizeit in der Alltagshektik für jeden eine Kostbarkeit darstellt. Für diese Bereitschaft sprach Brunner den Aktiven seine dankende Anerkennung aus. Nur so könne die professionelle Einsatzqualität gewährleistet bleiben. Ohne finanzielle Unterstützung sind Standards nicht zu sichern. Doch durch Spenden erfüllt sich nun der lang gehegte Wunsch nach einem neuen Löschfahrzeug, in diesem Sommer wird der LF10/6 im Gerätehaus einfahren. Gemeinde Brandinspektor Rainer Anders erfüllt das mit Freude, denn dadurch gewinnt Ober-Beerbach im Verbund der 6 Wehren der Gesamtgemeinde an Stärke.
Den Rückblick in Bild und Vortrag leisteten Georg und Kai Katzenmaier mit der Chronik der Wehr. Zwei Handspritzen, ein Schlauchwagen, das Trompetensignal zum Alarm: so waren die 21 tapferen Männer gerüstet, die anno 1937 freiwillig den Feuerdienst übernahmen, zu dem vorher alle zwischen 18 und 65 verpflichtet waren. Rasch schritt in den folgenden Jahrzehnten die Entwicklung voran. Der Bau des Gerätehauses 1950 ist noch einigen Bürgern als bedeutendes Ortsereignis in Erinnerung. Eine wichtige Wende bekam der Verein mit der Gründung der Jugendfeuerwehr 1976. Die Qualifizierung junger Menschen mit technischem Knowhow und die Förderung sozialen Engagements gehen mit der Nachwuchssicherung einher. Erfolge bei den Leistungsprüfungen und Wettbewerben sprechen für sich. Freizeiten und Veranstaltungen außerhalb der Übungsstunden machen die Feuerwehr für jede Altersstufe zusätzlich attraktiv. Nachdem eine Schülerwehr 1990 und schließlich 2005 die Wichtel-Wehr ins Leben gerufen wurden, haben Kinder bereits ab dem sechsten Lebensjahr Zugang. So sieht auch der Schirmherr eine „gute Zukunft“ für das „starke Stück“. Landrat Schellhaas verband mit dem Lob der Arbeit ein flammendes Plädoyer für den enormen Wert des Ehrenamtes, „ohne das die Gesellschaft nicht lebensfähig wäre“. In Vertretung des Bürgermeisters sprach auch Karin Neipp Respekt und Dank für den Einsatz zum Wohle der Bürger aus. Ortsvorsteher Roland Opper und Kreis Brandinspektor Ralph Stühling schlossen mit ihren Grußbotschaften an bevor die ortsansässigen Vereine den Gratulantenreigen abrundeten. Etliche Mitglieder wurden für ihre langjährige aktive Zugehörigkeit ausgezeichnet, als Mitgründer ehrte man Hans Schneider. Die Tanzdarbietungen der Kadettengarde mit einer frühlingshaften Schmetterlingschoreographie und der Nieder Beerbacher „Linedancer“ mit glamouröser Performance umrahmten den Abend.
Die stärksten Stücke für das Samstag-Partyfeeling lieferten die „Thannhauser“. Melodien zum Abheben oder Einkuscheln, alpenländischer Dickebackensound, Chartsong oder Evergreen – die Mischung begeistert das Publikum. In dem kleinen Ort nahm das ehrwürdige Fest seinen großartigen Lauf – mit freudigem Zukunftsblick heißt es nun: Ober Beerbacher Feuerwehr – allzeit Glück auf!
Fotogalerie:
Alle Fotos von Stefan Oelsner.
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Dieser Artikel erschien in der Juni-Ausgabe des Melibokus-Rundblick (Nr.156).
