Prostata-Erkrankungen treffen immer mehr Männer
Neue Lebensqualität durch schonende Therapien
HEIDELBERG, Oktober 2014 (meli), Das Risiko, an der Prostata zu erkranken, steigt mit dem Alter. Mit jedem Jahr wird es wahrscheinlicher, einen gut- oder bösartigen Tumor in einem Organ zu entdecken, das „Mann“ nur allzu gerne ignoriert und über das „Mann“ nicht gerne spricht. Doch vieles hat sich in den letzten Jahren geändert. Vor allem die Methoden. Schonende Verfahren belasten den Patienten kaum noch – ohne Kompromisse bei der Wirksamkeit.
Der Leidensdruck baut sich langsam auf. Es ist kein plötzliches „Nicht mehr Können“, sondern eine langsame Zunahme der nächtlichen Toilettenbesuche. Erst schiebt man es auf den abendlichen Weizenbiergenuss, dann auf den altersbedingten flacheren Schlaf bis man sich letztlich gar nicht mehr traut, ins Kino oder Theater zu gehen, weil der häufige Drang zur Toilette überhand nimmt, während der dortige „Erfolg“ immer bescheidener wird. Findet sich Blut im Urin oder tritt gar eine schmerzhafte Infektion auf, merkt auch der Totalverweigerer, der sich bis dahin der jährlichen Vorsorgeuntersuchung beim Urologen oder Männerarzt entzogen hat, dass nun Gefahr im Verzug ist. Die Diagnose beim Urologen lautet dann oft Prostatitis, also eine Entzündung der Prostata, ein Blasenstein, eine gutartige Vergrößerung oder gar Prostata-Krebs. In Deutschland sterben knapp drei von 100 Männern an Prostatakrebs. Über 80 Prozent aller Männer, bei denen ein Prostatakarzinom diagnostiziert wird, sind älter als 60 Jahre. Mediziner schätzen außerdem, dass gut die Hälfte aller 60-Jährigen Männer ein Prostatakarzinom haben. Gleichzeitig haben 50 Prozent aller Männer über 50 eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Ab 80 sind es bereits über 90 Prozent.
Ursachen gibt es viele. Und auch das Spektrum der Therapieformen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Doch die Zeiten, in denen die Männer geduldig stundenlange Operationen, tagelange Krankenhausaufenthalte und hinterher massive Einschränkungen der Lebensqualität aufgrund von Inkontinenz und Impotenz ertragen haben, sind vorbei. „Das hängt einerseits mit dem gewachsenen Gesundheitsbewusstsein zusammen, andererseits auch mit der Tatsache, dass die Generation 50 oder 60 plus heute aktiv sein möchte in Freizeit und Beruf und daher nach schonenden Behandlungen und möglichst kurzzeitigen Klinikaufenthalten verlangt“, erklärt der Urologe Dr. Thomas Dill von der Heidelberger Klinik für Prostata-Therapie. Zusammen mit seinem Kollegen Dr. Martin Löhr leitet er die Heidelberger Privatklinik, die sich seit vielen Jahren auf schonende Diagnose- und Therapieformen spezialisiert hat. Hat ein Urologe eine gutartige Prostata-Vergrößerung festgestellt, droht den meisten Patienten eine so genannte Abhobelung, ein aufwändiger operativer Eingriff, der nicht selten einen zweiwöchigen Klinikaufenthalt nach sich zieht und den Organismus massiv beeinträchtigt. Seit einigen Jahren setzen dagegen Urologen verstärkt auf die Kraft des Laserstrahls. Verschiedene Typen mit unterschiedlichen Lichtwellenlängen erobern inzwischen den Markt. Am häufigsten findet sich inzwischen der 180-Watt-Greenlightlaser. Er wird nach kurzer Betäubung und ohne operativen Schnitt über die Harnröhre eingeführt. Das Licht ist optimal auf die Absorptionsfähigkeit des blutreichen Gewebes abgestimmt, sodass das gewucherte Gewebe, das den Harnfluss behindert, durch den Laserstrahl effektiv beseitigt wird. „Das ist kein mechanisches Abtragen sondern ein Verdampfen, ohne dass dabei Blut austritt“, erklärt Löhr, der wie sein Kollege Dill jährlich über Hundert solcher Eingriffe durchführt. Der große Vorteil: Sofort nach der Laserbehandlung ist der Urinabfluss ungehindert frei und Patienten können in der Regel am Folgetag die Klinik wieder verlassen.
Die Greenlightlaser-Therapie wird auch bei der Behandlung von schmerzhaften Blasensteinen eingesetzt – nicht zur Entfernung der Steine selbst, sondern zur Beseitigung der Ursachen. Doch zunächst behandeln Urologen die Steine – ebenfalls über die Harnröhre – nach einem anderen Laserprinzip. Ein so genannter Holmium-YAG-Laser sendet mit hoher, veränderbarer Frequenz Lichtimpulse aus, die die Blasensteine zerplatzen lassen. Nach dieser Laser-Lithotripsie werden die Stein-Überreste abgesaugt oder fließen mit dem Harn ab. Wenige Wochen später kommt dann der Greenlightlaser zum Einsatz, um das gewucherte Gewebe, oft die eigentliche Ursache der Blasensteine, zu entfernen.
Bei der ärztlichen Vorsorgeuntersuchung wird ab einem gewissen Alter auch routinemäßig der so genannte PSA-Wert ermittelt, bisher ein recht verlässlicher Indikator für eine ernsthafte Krebserkrankung der Prostata. Doch in letzter Zeit kommen zunehmend Zweifel auf. Immer wieder ist trotz gestiegenem PSA-Wert kein Tumor gefunden worden und die aufwändige und nicht risikofreie Gewebeentnahme (Biopsie) war umsonst; aber auch das Umgekehrte ist immer wieder der Fall: Der PSA-Wert ist gar nicht erhöht und dennoch liegt ein Tumor vor. Urologen, die auf dem neuesten Stand der Technik sind, vertrauen hier nur noch dem medizinischen Gesamtbild: Die Lebensumstände, die erbliche Vorbelastung, Laboranalysen mit anderen Indikatoren, aber auch modernen bildgebenden Verfahren, die eine Biopsie, wenn sie denn schon angeraten ist, wesentlich genauer macht als bisher. Dabei wird eine sehr präzise Ultraschallaufnahme erstellt und sie mit einer Magnetresonanz-Tomographie (MRT) kombiniert. „Damit können wir verdächtige Tumorareale sehr genau lokalisieren und auch genau dort die Biopsienadel setzen“, erklärt Löhr. Zufallsbasierte Biopsien, die zudem noch über den Enddarm erfolgen und ein hohes Infektionsrisiko bergen, lehnen die Heidelberger Urologen ab. Sie biopsieren durch den Damm über ein Hautareal, das sich gut desinfizieren lässt.
Hat sich dann der Verdacht eines Prostata-Karzinoms bestätigt, muss nicht mehr, wie in früheren Jahren, die Prostata radikal entfernt werden. Heute steht mit der hochintensiv-fokussierten Ultraschallmethode (HIFU) ein Verfahren zur Verfügung, das ebenfalls ohne Schnitt und ohne „Blutvergießen“ auskommt. Bei der „Sonablate 500“-Methode wird über den Enddarm eine Sonde eingeführt, die Ultraschall aussendet, der erst im Tumorareal gebündelt wird und dort die Zellen nachhaltig zerstört. Das umliegende Gewebe wird dabei nicht beeinträchtigt. Ein weiterer Meilenstein in der Krebsbehandlung ist das Verfahren der so genannten Irreversiblen Elektroporation (IRE) mit dem NanoKnife. Urologen der Heidelberger Klinik für Prostata-Therapie sind auch hier Vorreiter und setzen das Verfahren erstmals in Deutschland zur wirksamen Behandlung von Prostata-Krebs ein. Diese fokale Therapie gilt als wichtiges Element einer hochmodernen, schonenden Behandlungsstrategie.
Die Urologen platzieren dazu rings um das Behandlungsareal zwei bis sechs Elektroden, zwischen denen ein gepulstes elektrische Feld aufgebaut wird. Dadurch werden die Zellmembranen durchlässig, und die Zellen sterben ab. Da es bei der Behandlung mit dem so genannten NanoKnife zu keiner Erhitzung kommt, bleibt das äußere Gerüst der Zellen erhalten. Die gesunden Zellen können nachwachsen, und die Organfunktionen bleiben erhalten. Die elektrischen Felder werden lokal eng begrenzt und zielgerichtet („fokal“) auf den Tumor gerichtet. Schonende Verfahren machen in jedem Fall den radikalen Operationsmethoden früherer Tage immer mehr den Rang streitig.
