Zwingenberg und Rodau

Mit ihren Kameras und alten Fotografien wurde begeistert die Fotosafari gestartet. Foto: soe
01. Juni 2015 

Digitaler Klick für den historischen Blick

Die dritte Geschichtswerkstatt des Zwingenberger Geschichtsvereins führte mit einer Fotosafari Kinder und Jugendliche an bedeutende Orte der Stadt

ZWINGENBERG, Juni 2015 (pem), Sie kannten sich recht gut aus, denn bis auf zwei Gäste aus Nachbarorten ist Zwingenberg die Heimatstadt der Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, die auf Fotosafari gingen. Das Thema lautete „Stadt Zwingenberg – früher und heute“. Kostenfrei bietet der Zwingenberger Geschichtsverein mit seiner Geschichtswerkstatt verschiedene Angebote für kleine Nachwuchsforscher. „Es liegt uns am Herzen, dass jeder bei diesen Aktivitäten dabei sein kann,“ betont die erste Vorsitzende Berenike Neumeister. Geschichte interessant aufzubereiten, den Zugang zu historischem Wissen leicht und spannend zu gestalten, in spielerisch unterhaltsamer Beschäftigung mit der Materie Eigeninteresse zu wecken, ist erklärtes Ziel der museumspädagogischen Arbeit der Zwingenberger Geschichtswerkstatt.

Der Zwingenberger Geschichtsverein nimmt die Nachwuchspflege sehr ernst und bemüht sich ideenreich um bestmögliche Konzepte. Zusammen mit Monika Schweigert und Christel Scheibler hatte Berenike Neumeister bereits zweimal eine „Geschichtswerkstatt“ organisiert. Praxisorientierung kennzeichnen diese Veranstaltungen. Der Hintergrund für die dritte Auflage ist der Plan, eine neue Broschüre zu erstellen, in der der baugeschichtliche Wandel der Stadt dokumentiert wird. Historische Darstellungen von Gebäuden und Plätzen sollen mit aktuellen Aufnahmen derselben Lokalität konfrontiert werden.

Bildung in Bildern – aus dieser Idee entstand der Plan zur Praxisumsetzung in Form einer Fotosafai in der Geschichtswerkstatt. Zum Start sammelte sich das Grüppchen im Museum in der Scheuergasse. Hier warteten zahlreiche Kopien alter Stadtansichten darauf wiedererkannt zu werden. Die Zwingenberger Bergkirche z.B. ist immer ein markanter Punkt. „Ist das nicht am Marktplatz und das könnte die Obergasse sein“, „ja und hier ist jetzt ein anderes Geschäft.“ Angeregt diskutierten die Kinder, trugen ihr Wissen zusammen und ergänzten ihre Kenntnisse.

Die Aufgabe der Junghistoriker bestand darin, beim anschließenden Rundgang möglichst genau diese Perspektiven mit der eigenen Kamera festzuhalten. Zur Orientierung erhielt jeder einen Stadtplan, um die Route einzuzeichnen. Da man an einem Vormittag nicht alle Ziele bewältigen konnte, beschloss man, der Chronologie der Stadtentwicklung und -ausdehnung folgend, mit dem oberen Teil zu beginnen. Wenn sich Kinder auf die Spur der Geschichte begeben, darf einer nicht fehlen: Philipp! Seines Zeichens eine lustige Mischung aus Kater und Löwe und Pate der Museumspädagogik.

Den Namen wählte man, da er in dem Geschlecht derer von Katzen-ellenbogen häufig vertreten war. Philipp als „Outdoorbegleiter“ hat noch eine häusliche Gefährtin: die Museumsmaus bleibt gerne zu Haus und heißt Anna. Beide unter den Adeligen sehr verbreiteten Namen sind zeitlos, wie viele kleine Namensvetter unter den Kids immer begeistert feststellen. Was sollte da noch schief gehen mit Philipp als Begleiter. Bei strahlendem Sonnenschein zog der Fotografentrupp über den kleinen Berg zu Kirche, zur Jugendherberge, zur Auel, dem oberen Dorfplatz, dann die Serpentinen wieder hinab, vorbei an der alten Kaserne und wieder um viele Bilder, viele Eindrücke und einige neue Informationen reicher. Zusätzlich zur Motivjagd hatte Berenike Neumeister die Gelegenheit genutzt, um an bestimmten Stellen den Kindern aus der Geschichte einzelner Häuser zu erzählen.

Sie lernten die Seilerei kennen, erfuhren, dass der „Keller“ keinesfalls nur ein Teil eines Hauses ist, sondern früher eine Berufsbezeichnung für einen Verwaltungsbeamten war. Bei der „Kellerei“ handelt es sich deshalb um einen Amtssitz. Dass das Schulhaus sogar den großen Brand überstand, beeindruckte sehr. Nachdem in einem zweiten Rundgang die übrigen Motive neu abgelichtet wurden, werden die Fotos gesichtet und schließlich in einer Ausstellung zusammengefasst.

Der junge Blick auf altes Gemäuer wurde mit viel Enthusiasmus und Hingabe geworfen, dass mit Sicherheit der ein oder andere Meisterschnappschuss sogar in dem geplanten Buch Verwendung finden wird. Das ist ein Geschichtserlebnis; so macht Historienforschung Spaß!