Gesundheit-Beauty-Wellness, Kreis Bergstrasse

Die beiden Kreisvorsitzenden des Hebammenverbandes Bergstraße Anna Rechel (li.) und Laura Hübner.
13. Juli 2015 

Steht der Beruf der Hebamme vor dem Aus?

Steigende Versicherungsprämien belasten den ältesten Beruf der Welt

BERGSTRASSE, Juli 2015 (meli), Schon immer begleiteten Hebammen schwangere Frauen und deren Familien während der Schwangerschaft, Geburt und stehen ihnen auch in der ersten Zeit mit dem neuen Familienmitglied beratend zur Seite und überwachen dabei Heilungsprozesse und Rückbildungsvorgänge der Frau. Sie kontrollieren den Gewichtsverlauf des Kindes sowie die Abheilung des Nabels, sind Ansprechpartnerin in Sachen Stillen und geben den jungen Familien Sicherheit.Diese gesamte Versorgung ist nun in Gefahr.

Seit dem 1 Juli 2015 müssen alle freiberuflichen Hebammen 23% mehr Beitrag für ihre Berufshaftpflichtversicherung zahlen. Das bedeutet für eine Hebamme die freiberuflich in der Geburtshilfe tätig ist, eine Versicherungsprämie von 6274€ pro Jahr. Dieser Beitrag ist oft nicht mehr zu erwirtschaften und so haben schon viele Hebammen diesen wichtigen Zweig ihrer Tätigkeit bereits aufgegeben. Diese prekäre Lage wird sich in 2016 noch weiter verschärfen, da die Versicherungsgesellschaft, bei der die Hebammen momentan haftpflichtversichert sind, den bestehenden Vertrag gekündigt hat und es zur Zeit keinen akzeptablen Ersatzanbieter gibt. Das bedeutet, dass ab dem Zeitpunkt des Erlöschens der Versicherung, keine freiberufliche Hebamme mehr in ihrem Beruf tätig sein darf. Es wird also keine Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse, keine Schwangerenbegleitung und damit auch keine Betreuung der Mütter und Neugeborenen während dem Wochenbett mehr geben. Hausgeburten oder Geburten im Geburtshaus, sogenannte außerklinische Geburten, sind dann ebenfalls nicht mehr möglich. Es zeichnet sich ab, dass es auch wesentlich weniger Krankenhäuser geben wird, in denen die Frauen ihre Kinder zur Welt bringen können, da bereits jetzt schon einige Krankenhäuser nur noch freiberufliche Hebammen beschäftigen und bereits abzusehen ist, dass diese Kliniken dann ihre geburtshilfliche Abteilung schließen müssen. Die eingeschlagene Entwicklung bedeutet für viele Schwangere einen längeren und weiteren Weg in die Geburtsklinik, was in vielen Fällen durchaus auch eine Gefahr für Mutter und Kind sein kann.

Eine Hebamme ist nicht nur bei der Geburt eines Kindes unverzichtbar (ohne sie darf kein Arzt eine Geburt begleiten), sie ist auch Ansprechpartnerin und Vertraute der werdenden jungen Familien, die von morgens bis spät abends in dringenden Fällen erreichbar ist und an die man sich mit all seinen Sorgen und Ängsten vertrauensvoll wenden kann.