Magisches Baumleben
Die Ausstellung „Nur Natur“ in der Seeheimer Treppenhaus-Galerie zeigt Baumbilder von Conny Abramzik bis 31. Januar 2013
SEEHEIM, 20.Oktober 2012 (pem), Erdverbunden und himmelsnah: ein solches „Zwischen-Wesen“ muss sensiblen Menschen als Inspirationsquelle dienen? „Für mich ist es eine Art Meditation, wenn ich vor einem Baum sitze und ihn eingehend betrachte. Ich habe dann das Gefühl, er spricht zu mir. Irgendwie bleibt dann die Zeit stehen.
Diese intensiven Erfahrungen verändern mich auch, “bekennt Cornelia Abramzik. Tief ist daher ihr Entsetzen über Missachtung und Misshandlung der Vegetation. So sollte man den Titel der Ausstellung zweideutig auffassen. „Nur Natur“ positiv, heißt: nichts ist größer ist als Natur. Andererseits spricht „bloß Natur“ allem Pflanzlichen den Wert ab. Thematische Ambiguität spiegelt sich in den Werken von Conny Abramzik. Bäume erscheinen als Klageführer, Schmerzgestalten, Mahner, Lehrer, Weise oder Symbole des Lebensprinzips.
Die Künstlerin gestaltet „Persönlichkeit“ und Charakter des Baumes. Die Wahl der Mittel zur Ausführung muss angemessen zu sein: Rötel, Aquarell wie Acryl, Collagetechniken. „Ich freue mich, dass der „Wald“, der inzwischen entstanden ist, die Schubladen mal verlassen kann“, betonte die Baumbegeisterte anlässlich der Vernissage. „Das Arbeiten in und mit der Natur weckt immer auch die Erinnerung an die Malwochenenden mit Armida Voss.“ Die inzwischen verstorbene Künstlerin schuf die Verbindung zwischen Sehheim-Jugenheim und der in Biebesheim lebenden Conny Abramzik.
Die Gedanken, die in Conny Abramzik aufsteigen, während sie schauend und malend sich ganz der imposanten, stärkestrotzenden Vegetation hingibt, lässt sie gerne von Hermann Hesse in Dichterworte fassen. Tafeln mit Textzitaten verstärken die Wirkung der aussagekräftigen Bilder. Auch Büchereileiterin Friederike Mertens – als Gastgeberin der Ausstellung – stimmte zur Begrüßung die Besucher mit einem Hesse-Text ein: Im Ton bewundernder Demut spricht er von den Bäumen als „eindringlichsten Predigern“, nur „ihr eigenes Gesetz erfüllend“: „Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören vermag, erfährt die Wahrheit!“ In solchen Zeilen findet Conny Abramzik ihre empfindsame Haltung und ihr künstlerisches Credo ausgedrückt.
In einem weiteren Eröffnungsgrußwort wies der Leiter des Heimat- und Historischen Vereins Biebesheim, Norbert Hefermehl, auf die lokalen Bezüge hin. Der Kopfweide widmet sich eine beträchtliche Anzahl von Arbeiten. Sie prägt die Riedlandschaft, die den Wohnort von Conny Abramzik umgibt. Reminiszenzen an Urlaubstage stellen die Olivenhölzer dar. Mediterranes Flair und entspannte Stimmung teilen sich dem Betrachter mit.
Der Besucher ist eingeladen, sich einzulassen. Was die Bäume Conny Abramzik erzählt haben, wird man schauend aus ihren Werken erlauschen.
Die Treppenhausgalerie im Historischen Rathaus Seeheim, Ober-Beerbacher-Straße 1 zeigt diese Ausstellung noch bis zum 31. Januar 2013. Geöffnet ist sie mittwochs von 9 bis 11 Uhr und von 16 bis 19. Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Zeitgleich ist die Gemeindebücherei im Haus geöffnet. Der Eintritt ist frei.
