Kreis Bergstrasse

Lassen die Steine lebendig werden: Klostergeschichten von Elmar Ullrich. Foto: Stadt Lorsch
23. November 2015 

Klostergeschichten am Lorscher Weihnachtsmarkt

Elmar Ullrich stellt sein Buch am Weihnachtsmarkt vor

LORSCH, November 2015 (meli), Er erzählt gerne. Wer ihn kennt, weiß das. Und auch Menschen, die Elmar Ullrich etwas ferner stehen, haben sein Talent inzwischen erkannt. Doch nun hat der pensionierte Oberstudiendirektor zum Mittel der schriftlichen Erzählung gegriffen und ein kleines Büchlein mit zwölf unterschiedlichen, selbst geschriebenen Geschichten herausgebracht. „Geschichten rund ums Kloster Lorsch“ ist diese Zusammenfassung betitelt und damit ist die große inhaltliche Überschrift genannt. Er stellt sie vor am ersten Abend des Weihnachtsmarktes, Freitag, der 27.11. um 19 Uhr, im Paul Schnitzer-Saal. Dr. Hermann Schefers führt in das Büchlein ein.

Die Geschichten beginnen „an einem lauen Frühlingstag, aus Richtung Schwanheim kommend“, mit der Ansicht einer blutrot aufgehenden Sonne über der Starkenburg oder im Kloster Altenmünster zur Zeit des fränkischen Königs Pippin. Sie spielen in er Gegenwart und in der jüngeren Vergangenheit, zur Zeit Karls des Großen oder etwa im Barock. Ihre Helden sind Äbte, Mönche und Herzöge, Freifrauen und –herren, aber auch ein sehr selbstbewusster Kater oder der Autor selbst.

Der Leser, vor allem der hier beheimatete, erkennt vieles wieder, erfährt jedoch auch manch Neues. Wo Ullrich geschichtliche Fakten einflicht, ist der Band sauber recherchiert und ergänzt in manchem historischen Detail vielleicht das eigene Wissen. Und was viele am Kloster Lorsch vermissen, gelingt mit diesen Erzählungen: Die verbliebenen Mauern werden lebendig, es entsteht vor dem geistigen Auge eine farbige, atmende Vorstellung von der Abtei, aber auch vom alten Lorsch, wie es gewesen sein mag. Die eigene Heimat begegnet einem auf Schritt und Tritt. Im Geiste kniet man mit dem altersweisen Abt Udalrich im Chor der mächtigen Klosterkirche, geht mit dem Freiherrn von Hausen am Morgen seines Todestages auf dem betauten Klosterhügel spazieren, sitzt mit dem gefangenen Herzog Tassilo in einer unwirtlichen Zelle des Klosters Altenmünster oder streift mit dem vierbeinigen Nachfahr des verehrenswürdigen Kater Murr durch die Zehntscheune.

Um den Kern der geschichtlichen Fakten winden sich stets Fiktionen und Ausschmückungen, die vorzustellen versuchen, wie das konkrete Alltagsleben der Protagonisten jeweils ausgesehen haben mag. Dadurch kommt der zweite Erzählstrang zustande, der die Geschichten durchzieht, wie ein roter Faden. Es ist die Ebene der Selbstreflektion der Figuren, ihrer manchmal geheimen Sorgen, Sehnsüchte, Ängste und Erkenntnisse. Wodurch das Buch über die Ebene der unterhaltsamen Wissensvermittlung hinausgeht und die der Lebensphilosophie und inneren Daseinsbetrachtung einfügt. Und auch die autobiografischen Aspekte kommen nicht zu kurz.

Wer das Buch gelesen hat, geht sicherlich mit kundigeren, vor allem aber wacheren Augen durch die Stadt mit dem UNESCO Weltkulturerbe. Und wird sich vielleicht auch manche neue Frage stellen. Am Abend der Buchvorstellung gibt es übrigens die “Geschichten rund ums Kloster Lorsch“ im Taschenbuchformat zu 8 €, als Hardcover für 10 €.