Klingende Gastgeschenke
Der Zwingenberger Gesangverein „Sängerkranz 1832“ veranstaltete mit fünf Gastchören einen musikalischen „Abend mit Freunden“ im Adlersaal
ZWINGENBERG, Oktober 2012 (pem), „Sind wir von der Arbeit müd´, ist noch Kraft da für ein Lied“, so steht es in Goldfäden gestickt auf dem samtenen Vereinsbanner. Es ziert in seiner Glasvitrine den Eingang zum Adlersaal, dem Probenort des Gesangvereins „Sängerkranz“ 1832. In das Geheimnis der Musik als Energiequelle sind viele Menschen eingeweiht, die sie zu ihrem Hobby gemacht haben, dem sie mit Leidenschaft nachgehen. Diese Passion verbindet über viele Grenzen hinweg. Auch Nachbarn lässt sie noch näher zusammen rücken.
Deshalb hat sich der „Abend mit Freunden“ in Zwingenberg schon zu einer kleinen Tradition entwickelt. „Wenn wir Chöre aus der näheren Umgebung einladen, können wir in jedem Jahr ein so umfangreiches und vielfältiges Programm gestalten, wie wir es alleine nicht auf die Beine stellen können“, betonte der erste Vorsitzende Andreas Mayer. So folgten in diesem Jahr wieder fünf Chöre dem Ruf in die Bergstraßenstadt.
Über 200 Aktive schnürten gerne das Notenbündel und reisten aus dem Umland an. Ihre klingenden Gastgeschenke ergaben ein Programm, das das Publikum des voll ausgelasteten Adlersaals mit vierzig Liedern bestens unterhielt. „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“, das Dichterwort bewahrheitete sich in der Zusammenstellung der Stücke aus der Bandbreite der Chorliteratur und der Variationen der Interpretationen. Die Gastgeber selber überließen in Würdigung der Gäste gerne ihnen die Bühne und beschränkten sich auf einen Begrüßungs- und einen Abschiedsauftritt.
Obgleich schon einige Zeit tatkräftig im Amt, war dies der erste Auftritt des neuen Leiters Hans-Georg Reinhard mit dem „Sängerkranz“. „Dies ist ein großer Tag“ und „Neigen sich die Stunden“- so warmherzig und enthusiastisch wie die Darbietung, konnte man die Stimmung der Konzertstunden empfinden, die zwischen beiden Liedern verflogen.
Klein, aber fein ließen sich die „Getwinc-Singers“ hören. In seiner Funktion als Dirigent beorderte Andreas Mayer seinen Chor zwar „zum Einsingen in den Keller“, aber zu verstecken brauchen sich die Damen und Herren wirklich nicht. Drei Lieder im Gute-Laune-Sound zum Mitklatschen und -schnipsen lockerten das Gemüt auf. Andere Chöre bewiesen auf ihre Weise, kein Kind von Traurigkeit zu sein: Das „Sängerquartett Liederkranz Hofheim“ trieb tierischen Schabernack nach Noten mit dem „Konzert der Frösche“ und dem „Hahn von Onkel Giacometo“. Hinter scheinbar leichten Couplets steckt sängerisches Können.
In der geschmeidigen, von Dirigent Manfred Boxheimer unterstützten Stimmführung bei dem getrageneren „Tal in den Bergen“ trat dies deutlich zu Tage. Mediterranes Flair der Heiterkeit italienischer Momente lebte auf im Gesang des „MGV Eintracht Gronau 1901“. Nach „Arcobaleno“ und „La Morrettina“ sind Herbert Weil und seinen volltönenden Männern stets die herzlichsten Ovationen sicher. Einen ganz anderen „Klangkörper“ hat Cornelia Jaronicki mit dem „GV1843/1922 Alsbach e.V.“ zur Verfügung. Einige sehr markante Stimmen werden umspielt von der übrigen Sängerschar, so dass man auch oft Gehörtes wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Sah ein Knab“ wieder aufmerksam als neues Erlebnis wahrnimmt. Die ruhige, innige und anrührende Seite des Chorgesangs wählte der „MGV Liederzweig 1859 Bickenbach e.V.“ und der „GV Liederkranz Langwaden 1970“ zu ihrer Präsentation.
Leiter Gerhard Knapp hatte eine überwiegend besinnliche Auswahl getroffen, „Vater unser“ von Hanne Haller, „Über sieben Brücken“ und „My heart will go on“ berührten das Publikum. Gänsehautverdächtig auch das „Amazing Grace“ und „Leuchtet der Morgen“ aus Bickenbach, geleitet von Georg Kardos. Der zweite, von Herbert Weil geleitete, Bickenbacher Chor erfreute die Hörerschaft mit Klassischem wie „Gürtel und Tüchlein“ und dem „Türmerlied“. Eine gelungene Mischung aus traditionellem Sangesrepertoire und modernem Schmiss brachte der „GV Liederkranz 1864 e.V Groß-Rohreim“ zu Gehör: „Scat Calypso“ oder „Ein Mädchen vom Lande“, Herbert Ritzert hat für alles den richtigen Taktschwung und einfühlsame Sänger.
Das Publikum fühlte sich von allen Freunden überreich beschenkt. Besonders genoss man die gemütliche Atmosphäre entspannter Harmonie. Die Chöre widmeten den Auftritten anderer nicht nur interessierte Aufmerksamkeit, sondern zollten den Leistungen ihre ehrliche Anerkennung. Der Adlersaal erlebte einen gelungenen Abend, der bezeugte, was der Volksmund längst weiß: „Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder…“
Fotos von Stefan Oelsner.
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Dieser Artikel erschien in der Novemberausgabe 2012 des Melibokus Rundblick.

