Seeheim-Jugenheim, Sport

Über großes Interesse an ihrem Betzelbeerturnier anlässlich des 30jährigen Vereinsjubiläums freuten sich die Vereinsmitglieder. Foto: soe
04. September 2016 

Gunst und Kunst der ruhigen Kugel

Im Jahr seines 30-jährigen Jubiläums begrüßte der Seeheimer Boule Club besonders viele Gäste zum traditionellen „Betzelbeer-Turnier“

SEEHEIM-JUGENHEIM, September 2016 (pem), „Betzelbeer“ kann man nur durch die Geburt als Ur-Seejmer werden. Der Neckname für die Bewohner des Ortes datiert aus den Hochzeiten des Bergsträßer Obstanbaus, da Seheim bekannt war für die Bergamotten verwandte Birnensorte. Keinesfalls exklusiv geht es dagegen beim „Betzelbeer-Turnier“ zu. Alle, die als eine „Doublette“ (Zweier-Mannschaft) antreten, sind willkommen. Der Dachverband des „Boule de Petanque“ registriert rund 3000 in Vereinen organisierte Spieler bundesweit und stellt fest: „Das Petanque-Fieber breitet sich aus“. Die hohe Zahl der Anmeldungen spiegelt das wieder.

In der 29. Auflage des jährlich stattfinden Wettbewerbs drängten 69 Mannschaften an den Start, denen die Teilnahme oft weite Anreisen, wie aus Nürnberg, Saarbrücken und Kassel, wert waren. „Es gibt zwar viele Clubs, doch immer weniger nehmen die Ausrichtung von Wettbewerben auf sich, das macht unser Turnier noch attraktiver,“ erklärt Leiter und Vereinssportwart Dirk Hillmann. Da die derzeit 32 Mitglieder des Seeheimer Boule Clubs nicht nur als Sportler aktiv sind, sondern generell als verlässliche Anpacker fungieren, ist die Organisation alle Jahre wieder eine Herausforderung, die man letztlich bestens bewältigt. Als Club, der auf die 30-jährige Geschichte seines Bestehens zurückblicken kann, fühlt man sich auch ein wenig dazu verpflichtet. „Wir zählen zu den Traditionsvereinen und gehören zu den fünf ältesten in Hessen“, bestätigt Dirk Hillmann. 1986 kam Mitgliedern des Tischtennisvereins der Gedanke, das Ballgefühl auf die Kugel auszudehnen und die Platte mit dem Boden zu tauschen. Vielleicht hat ein wenig die francophile Atmosphäre in der Gemeinde durch die lebendige Verschwisterung mit Villenave d´Ornon dazu inspiriert, dass die sieben Sportler einen Bouleclub ins Leben riefen.

Das einfache Regelwerk gewinnt gleich an Charme und Verve, wenn man sich die französischen Bezeichnungen aneignet: Das Spielinteresse rankt sich um das „Cochonet“, die „Betzelbern“-Übersetzung würde lauten: „Es geht um die Wutz!“ Gemeint ist die kleine, „Schweinchen“ genannte, Holzkugel, die vom Spieler einer Mannschaft geworfen das Ziel markiert. Als „Tireur“ oder „Pointeur“, je nach Technik und Taktik, strebt jeder danach für seine Mannschaft einen Punkt einzustreichen, in dem er die Kugel dem „Cochonet“ am nächsten zu platzieren versucht.

Dabei eröffnet sich eine Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten, Geschicklichkeit, Kraftdosierung, Fingerspitzen-Feinstmotorik für Schub- und Wurfnuancen den Erfordernissen der Situation angepasst. Mit Sicherheit tritt keine Mannschaft der gegnerischen planlos gegenüber, so dass jeder Wurf zugleich einem strategischen Zug entsprechen kann.

Boule fasziniert besonders durch die Möglichkeit, es auf jedem Niveau zu betreiben. Vom fröhlichen Freizeit-Kugelschubsen über regelmäßiges geselliges Trainieren, wie der Club es mittwochs ab 18.00 Uhr auf dem Waldstadiongelände an der Sandstraße auch Gästen zum Hineinschnuppern anbietet. Boule ist ebenso eine im Ligensystem organisierte Wettkampfsportart. Auch ohne diesen Grad der Fingerfertigkeit erlebten die Spieler beim Versuch möglichst viele KO-Runden zu überstehen, interessante Begegnungen und spannende Spiele. Die Seeheimer Mannschaften konnten an den Erfolg des Vorjahres mit dem Turniersieg von Wolfgang Hoffmann und Bernd Pawelczyk nicht anknüpfen, was der Feierfreude unter Sportfreunden keinen Abbruch tat. Den vom Landrat gestifteten Pokal trugen Gabriele Kurtz und Wolfgang Kraft in das Vereinsheim des PSG Rüsselsheim. Ob „Betzelbeer“ oder Neubürger: wer jetzt anfängt zu trainieren; jede Woche ein wenig sportliches „Frankreich Urlaubsflair genießt“, ist bis zum nächsten Turnier schon „Connaisseur“, „Passioné“ und „Routinier“ mit „bonne Chance“. Also auf geht’s, allez les boules!