Seeheim-Jugenheim

Seniorenheim LindeLeckeres und Handgearbeitetes hatten die Organisatoren des Adventsbasars im Innenhof des Seniorenheims Linde in Jugenheim für ihre Besucher vorbereitet.
22. Januar 2013 

Alle basteln für jeden

Selbstgemachtes aus Seniorenhänden stellte Besucher beim Adventsbasar im Jugenheimer Seniorenheim Linde vor die Qual der Wahl

JUGENHEIM (pem), Elf Monate Vorweihnachtszeit? Im Seniorenheim Linde ist die Zeit nicht stehen geblieben, im Gegenteil man lebt ganz bewusst mit der Natur im Jahreslauf.

Dass das Fest der Feste dabei kaum aus dem Blick gerät, liegt am Weihnachtsbasar. Ehrensache und Ansporn für die Senioren, den kleinen Markt nur mit Eigenproduktionen zu bestücken. Um den Besuchern ein möglichst vielfältiges und reichhaltiges Sortiment zum Kauf anbieten zu können, muss man schon Zeit und Fleiß aufwenden – doch niemand leistet hier „Frondienste“: Alle Basteleien entstehen in den üblichen hauseigenen Beschäftigungsprogrammen.

Gedrehte Kerzen, bunt bemalte Vogelhäuschen, Duftsäckchen mit Thymian aus dem eigenem Kräutergartenanbau und vieles mehr. Gelegentlich bilden sich auch Interessengruppen aufgrund bestimmter Kursinitiativen. Die hauchzarten, duftigen Seidenschals sind als kostbare individuell gestaltete Unikate pastellfarbige Früchte solcher künstlerischer Mußestunden.

Angehörige ließen sich inspirieren, selbst wieder einmal das Handarbeiten zu probieren: So bereichern diffizile Häkelarbeiten den Basar. Immer neue Ideen bezüglich seniorenfreundlicher Techniken und der Herstellung kleiner Dinge, bei denen es Spaß macht, sie unter den eigenen Händen entstehen zu sehen und fühlen, sind gefragt. Antworten findet die Sozialpädagogin der Einrichtung, Wiltrud Lukat.
Kreativität und langjährige Erfahrung im Umgang mit betagten Menschen vereinigen sich in ihrer Person und machen sensibel für die speziellen Bedürfnisse der Bewohner.

Es gelingt ihr deshalb die optimale Motivierung und Aktivierung der Bewohner – keine Selbstverständlichkeit bei Menschen, die ein langes Leben hinter sich haben und nun mit so manchen körperlichen Zipperlein ringen. Etwas zu produzieren, die eigenen Fähigkeiten sichtbar werden zu lassen, bedeutet viel in diesem Zusammenhang. Basteln ist mehr als nur Zeitvertreib, es hilft das Selbstwertgefühl zu stabilisieren, macht immer wieder den Wert und die Würde jedes Menschen fühlbar.

„Alle machen mit, natürlich gibt es Unterschiede darin, was dem einen und anderen noch möglich ist, aber wenn man das berücksichtigt, sind alle zufrieden,“ darin sind sich Wiltrud Lukat und Ingrid Grimmelbein, die ihr in der Betreuung tatkräftig zur Seite steht, einig. Ganz besonders liegt ihnen – wie dem kompletten „Linde“-Team, die bestmögliche Einbindung von Menschen mit demenzieller Erkrankung am Herzen.

Das Haus möchte sich in dieser Richtung weiter spezialisieren. Ein Anfang ist gemacht mit der Einrichtung von drei Wohnküchen. Das Modell einer gemeinschaftlichen Ganztagsbetreuung, die Präsenzkräfte gewährleisten, schafft eine großfamiliäre Atmosphäre. Das Zusammenleben aktiviert im natürlichen Tagesablauf zusätzlich durch die normalen täglich anfallenden hauswirtschaftlichen Aufgaben. „Hier wurde mit Begeisterung für unsere Marmeladen und Plätzchenkreationen gesorgt“, erklärt Wiltrud Luckat.
Stimmungsvoller hätte der Markt im Innenhof des Seniorenheims kaum sein können, Auslagen der Buden zu betrachten – abgesehen von der Qual der Wahl beim Kauf – bereitet Bewohnern wie Besuchern und Angehörigen viel Vorweihnachtsspaß. Zünftig runden Waffeln und Schmalzbrote mit einem würzigen Glühwein den Adventsbummel kulinarisch ab. Oh, du fröhliche…. für jeden!

Alle Fotos von Stefan Oelsner.
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