Auerbach, Gesundheit-Beauty-Wellness, Kreis Bergstrasse

Manfred Bartmann feierte vor kurzem seinen 70. Geburtstag.
18. März 2013 

Beitrag zum Welt-Down-Syndrom-Tag der Behindertenhilfe Bergstrasse

BERGSTRASSE/AUERBACH, März 2013 (meli), „Ich kann mehr als du denkst!“ – unter diesem Motto feiern wir heute den Welt-Down-Syndrom-Tag. Ein Tag, an dem die Öffentlichkeit aufmerksam auf Diejenigen gemacht werden soll, die mit Trisomie 21 leben und trotzdem viele Fähigkeiten besitzen, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht immer direkt erkennt. Was man hingegen sofort erkennt, ist das warmherzige Wesen, welches einen oft tief berührt. Eine Eigenschaft, die so viel aussagt über die Persönlichkeit dieser Menschen, die trotz ihrer Beeinträchtigung so viel zu geben haben. Mit ihrer mittlerweile enorm gestiegenen Lebenserwartung sind sie ein stetig größer werdender Teil unserer Gesellschaft, in welcher sie leider oft keine angemessene Beachtung finden.

Manfred Bartmann, Bewohner der Wohnstätte der Behindertenhilfe Bergstrasse in Bensheim-Auerbach, hat beispielsweise gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert. Mit seinen Freunden in der Rentnertagesstruktur – ein Angebot für Menschen mit Behinderung, die das Rentenalter erreicht haben – hat er diesen ganz besonderen Anlass gebührend mit Kuchen, Sekt und Häppchen genossen. Für sein Alter ist er besonders mobil und zählt zu den selbstständigeren Rentnern seiner Gruppe. Vor allem wenn es ums Thema Fußball geht, fiebert der jahrelange HSV- und Nationalmannschaftsfan mit großer Leidenschaft mit. Auch seine geliebte Feuer-wehr begleitet ihn bereits durch sein ganzes Leben. Da ist es nicht unüblich, dass er sich auf diversen Veranstaltungen gerne mal in seiner alten Uniform präsentiert. Besucht man ihn in seinem gemütlichen Zimmer, kommt man nicht umhin die aufwendig gestaltete Dekoration des Raumes zu bestaunen: Soweit das Auge reicht Wimpel und Fahnen aus dem Fußball- oder Feuerwehrbereich sowie zahlreiche Fotos und bunten Blumen, die er stets mit viel Liebe pflückt um sein eigenes Reich zu verschönern. Für eben diesen so ausgeprägten und liebevollen Blick fürs Detail sind Menschen mit Down-Syndrom bekannt und fordern die Gesell-schaft durch ihre Fähigkeit gänzlich im Moment zu leben immer wieder auf, sich auf das Wesentliche im Leben zurückzubesinnen.

Das Manfred Bartmann so rüstig ist, kommt natürlich nicht von irgendwo. Eine entsprechende Frühförderung ist für Menschen mit Down-Syndrom besonders entscheidend. In seinem Fall hatte er beispielsweise das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, die ihn schon von klein auf völlig selbstverständlich in die Gemeinde integrierte. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in seinem Geburtsort Mörlenbach, wo er fester Bestandteil des örtlichen Gemeindelebens war. Ob bei der Feuerwehr, diversen Feste oder dem alltägliche Dorfleben – Manfred Bartmann war immer „mittendrin“. Er ging bis zum 13. Lebensjahr gemeinsam mit seinen Brüdern in die Schule und hatte dort durch seine Lehrerin, die stets auf seine Beeinträchtigung einging, die nötige Unterstützung seitens der Schule. In den Jahren von 1968 bis 1977 war er Hilfsarbeiter bei Opel und kam erst 1977 in die Werkstatt für Menschen mit Behinderung nach Bensheim, wo er sich in der Montagegruppe direkt wohl fühlte. Nach dem Tod seiner Eltern, zog er schließlich 1988 in die Wohnstätte in Auerbach und richtete sich dort sein gemütliches und ganz individuelles Zuhause ein. Seit 2003 ist er in der Rentnertagesstruktur, da er altersbedingt nicht mehr in der Werkstatt arbeiten kann. Von seinen Erinnerungen an das gesellschaftliche Leben in Mörlenbach und dem nach wie vor sehr guten Kontakt zu seinen Brüdern zehrt er bis heute.

Doch Manfred Bartmann ist nicht der einzige Mensch mit Trisomie 21 in der Rentnertages-struktur der Wohnstätte der Behindertenhilfe Bergstrasse in Auerbach. Insgesamt verbringen sechs der 20 Rentner mit eben dieser Behinderung ihren Alltag bei der Behindertenhilfe Bergstrasse. Gerade erst konnten alle gemeinsam das 10-jährige Jubiläum der Rentnerta-gesstruktur feiern, denn das Angebot für Mitarbeiter und/oder Bewohner, die in die Jahre gekommen sind, bildet nun schon seit einem Jahrzehnt einen festen Bestandteil der Wohn-stätte. Hier schaffen alltägliche Rituale, wie z. B. feste Essenszeiten und die Übernahme kleinerer Haushaltsdienste, diverse Freizeitangebote oder Handwerkstätigkeiten ein außer-gewöhnliches Unterstützungsangebot. Trotz fester Tagesstruktur kann Jeder selbst bestim-men, was er gerne mit seiner Zeit anfangen möchte. So widmet sich Herr Bartmann bei-spielsweise mit besonderer Vorliebe dem Malen und Spazierengehen mit anderen Rentnern. Darüber hinaus steht es ihm frei, seinen ganz eigenen Ritualen und Hobbies nachzugehen. So lässt er es sich z.B. nicht nehmen, jeden Mittwochmorgen seine Einkaufstour durch Auerbach zu machen. Auch seinem kleinen Laster, dem Rauchen, frönt er am liebsten auf seinem Balkon, während er den Ausblick über das Gelände der Wohnstätte genießt.

Personen wie Manfred Bartmann sind hervorragende Beispiele für Menschen mit Trisomie 21, die ihren Alltag trotz Handicap wunderbar meistern und sich nicht von Vorurteilen ihnen gegenüber abschrecken lassen und von ihrem Recht auf ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben innerhalb der Gesellschaft Gebrauch machen. Gerade im Sinne der Inklusion ist es wichtig, dass Menschen mit Behinderung ohne Hindernisse am täglichen Leben teilhaben können.