Gaudi mit dem alterndem Galan
Theatergruppe der Feuerwehr Zwingenberg landet einen Riesenerfolg mit ihrem „Opa auf Abwegen“
ZWINGENBERG (pem), Der Traum aller Intendanten: Jede Vorstellung restlos ausverkauft! Was große Häuser sich mit horrenden Star-Gagen erkaufen müssen, gelingt in Zwingenberg leichter. Es brauchen nur die Richtigen, die Lokalmatadoren die Bretter, die die Welt bedeuten, zu betreten: die Theatergruppe der Freiwilligen Feuerwehr.
Traditionell ist der Premierenabend in den Feuerball integriert. Vom Einlass an spürt man die ganz spezielle Stimmung dieser Veranstaltung: Bis auf den letzten Platz füllen Wehrleute mit ihren Angehörigen und vielen Freunden den Adlersaal – hier trifft sich die „Blaulichtfamilie“ und auch viele Gäste zum gemütlichen Beisammensein.
Natürlich nimmt man die Stadthonoratioren, allen voran den Bürgermeister, gerne in der launigen Runde auf. In seinem kurzen Grußwort hob Habich das Phänomen „Feier-wehr“ nochmals hervor: “Dass Menschen vor Geschäften übernachten, wenn Apple ein neues Produkt auf den Markt bringen, kennt man ja, aber dass Menschen bereits um 6 Uhr früh am Vorverkaufstag vor dem Gerätehaus stehen, um sich Eintrittskarten zu sichern, das hat Seltenheitswert!“ Und es spricht für sich. Durchgesickerte „Insidermeinung“ hatte angespornt: Letztes Jahr war´s super, dieses Jahr wird’s noch besser – lautete die Botschaft. Vorab zweifelte schon niemand daran, doch die Aufführung von „Opa auf Abwegen“ übertraf die Erwartungen vermutlich noch.
Die von Erkrankungen und Unfällen überschatteten Proben gestalteten sich enorm schwierig. Das eigentlich robuste Nervenkostüm der bewährten Regisseurin Cornelia Trautmann wurde ziemlich strapaziert und zwischenzeitlich schlich sich manch schwarzer Gedanke ein, das Handtuch zu werfen und sich vom Inszenieren zu verabschieden. Aber so sind die echten Theatermenschen: der Applaus ist lauter als alle Missklänge, Herausforderungen wollen überwunden werden und der Erfolg lässt alles vergessen. Show will go on! Zur Freude aller ist für Cornelia Trautmann nach der Premiere wieder vor der Premiere!
Aus gutem Grund bezeichnen sich die Wehr-Akteure nicht als „Laien“-Spielgruppe. Sie sind zwar Amateure, ihre Bühnenfiguren stellen aber immer Ergebnisse lustvoller Bastelarbeit dar. Jeder bringt seine eigene Spielfreude und Gestaltungsfähigkeit ein, um die Rolle mit Leben auszustaffieren. Im Verlauf der Proben erobert jeder seine eigene neue Person und wächst zugleich mit den anderen in das dramaturgische Handlungsgefüge. So entsteht die große Harmonie des Ensembles.
Die Wahl des Lustspiels von Manfred Moll erwies sich als Glücksgriff, der alle Qualitäten ins Rampenlicht trug. Komödien leben vom Verheimlichen, Verwechseln, dem Ver- und Entwirren von Beziehungs-und Handlungssträngen, doch die besten halten zugleich immer der Gesellschaft den Narrenspiegel vor. Opa auf Abwegen ist ein humoristisches Plädoyer für die sich demographisch verwandelnde Spaßgeneration. Wir Bravbürger wissen ja ganz genau, was für unsere Senioren gut ist und neigen dazu, ihnen zu ihrem Wohl die Selbstständigkeit zu rauben.
Auf ähnlicher Schiene wird die Erziehungsberechtigung gegenüber der jungen Generation missdeutet. Jung und Alt sitzen letztlich im gleichen Boot. Zur Notgemeinschaft werden deshalb auch die verliebte Enkelin und Opa Seidenbuckel, der knackige über-80-Jährige, den das nächtliche Discoparkett lockt. Mit schalkhaften Gegenattacken weiß er sich gegen jeden Anflug von Bevormundung, Freiheits- und Vergnügungseinschränkung zur Wehr zu setzen bis schließlich der Charme des alten Galans eine neue Frühlingsblüte treibt.
Das Publikum genießt, wie Karl-Heinz Zecher alle Register der Komödiantenkunst zieht, um Opa Alois mit kauzigem Humor zu verkörpern. Weitere Bilderbuchtypen kommen auf die Bühne mit dem despotisch grantelnden Schwiegersohn (Willi Dörner), den Pflegerinnen Chistiane Parakenings und Uli Reimann, sowie der Discoqueen (Margit Kettemann).
Weiter ergänzten Gerhart Heger, Markus Becker, Horst Trautmann, Sabrina Neeb und Birgit Fleischmann als exzellente Spieler das Ensemble, welches eine gute Komödie ohne überdrehte Schrillheit auf den Brettern des Zwingenberger Adlersaals brachte. Gleichmäßig richtete sich der begeisterte lange Applaus an alle Schauspieler, die dem Publikum einen so lacherfüllten Abend geschenkt hatten. Den Schwung durften die Premierengäste noch ausnutzen, um zur Live Musik das Parkett unsicher zu machen: „Oli & Friends“ aus Hähnlein verführten mit unterschiedlichsten Rhythmen zum Tanzen. Ob sich da vielleicht auch unbemerkt ein Zwingenberger Opa Alois auf Abwegen eingeschlichen hat zu später Stunde, blieb unbeachtet, aber man hätte ihn willkommen geheißen!
Fotos: Stefan Oelsner
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