Alle Wasserwege führen nach Rodau..?
Wo kommt das Wasser her und wo fließt es hin?
RODAU, Juli 2013 (meli), Diese Frage beschäftigt die Rodauer und Zwingenberger besonders im Hinblick auf die akut anhaltenden Grundwasserhöchststände in Rodau.
Um die Komplexität der Wasserzuläufe nach Rodau und der Wasserabflüsse aus Rodau zu verstehen, machte sich eine Gruppe Rodauer mit dem Ortsbeirat und dem Zwingenberger Stadtverordnetenvorsteher Ullrich Kühnhold auf, um die Lage zu erkunden.
Erster Halt war der Landgraben, der aus Auerbach kommend in die Aspenlache (HRB) fließt. In extrem Fällen führt dieser Entwässerungsgraben auch noch die Wassermassen des HRB der Hähnerwiesen (Hochwasserrückhaltebecken, Einzugsgebiet 28 km², Fassungsvermögen 100.000m³) aus der Auerbacher Gemarkung mit sich und führt auch diese der Aspenlache zu.
Ein weiterer Zulauf in die Aspenlache kommt aus Alsbach Sandwiese Süd hinzu und aus den Zwingenbergern Entwässerungsgräben.
Alle diese Entwässerungsgräben münden in das HRB Aspenlache mit einem Einzugsgebiet von 40 km² und einem Fassungsvermögen von nur 36.000 m³.
Herr Horst Hölzel Ortsbeiratsmitglied und Bauausschußmitglied im Zwingenberger Stadtparlament referierte über die geplanten Erweiterungen des Trennsystems. Allein in Zwingenberg sind hier weitere Maßnahmen geplant, um das Abwasser vom Niederschlagswasser zu trennen. Während die Abwässer in die Kläranlage fließen, fließt das Niederschlagswasser in die Entwässerungsgräben und sammelt sich in der Aspenlache.
Das Fortführen und Erweitern der Trennsysteme, was auch in Auerbach und Alsbach in den nächsten Jahren vermehrt umgesetzt werden sollen, wird die Kapazitäten der Entwässerungsgräben und der Hochwasserrückhaltebecken immer stärker belasten. Hier stellt sich die Frage: Ist die Aspenlache ausreichend dimensioniert für die Zukunft ? ..oder muss in Technik für Steuerung bzw. Regelung investiert werden, um ein intelligentes Wassermanagement der Zu- und Abflüsse zu gewährleisten?
Ganz besonders ist die Aufgabe und die Funktion des HRB Aspenlache entscheidend für die Grundwasserstände in Rodau und genauso relevant auch für die Niederreiner in Zwingenberg.
Ein zweiter Stopp wurde am HRB Aspenlache eingelegt. Die Funktion der Rückhaltung ist hier eingeschränkt, da die Holzbalken, die für das Aufstauen des Beckens eingelegt sein müssten, entfernt wurden. Der Lindenbruchgraben, der als Überlauf für die Aspenlache dient, ist mittlerweise durch unterlassene Pflege völlig zugewachsen. Dieser Zustand wurde am 3. Stopp Ortseingang Rodau und am 4. Stopp auf der Brücke zwischen Rodau und Hähnlein sichtbar.
Der Lindenbruchgraben führt alle Wässer der Aspenlache, die sich dort aus Zwingenberg, Auerbach und Alsbach gesammelt haben, westlich an Rodau vorbei in den Mühl- und Mittelgraben bei Langwaden.
Der 6. Stopp wurde kurz vor der Mündung des Lindenbruchgrabens in den Mühl- und Mittelgraben eingelegt. Hier wurde ein Wehr mit Durchlassklappe im Lindenbruchgraben errichtet. Dieses Wehr soll verhindern, dass der Mühl- und Mittelgraben bei Hochwasser in den Lindenbruchgraben Wasser zurückdrückt.
Allerdings verpufft bei entsprechenden Hochwasserständen diese Funktion, da das Wasser über das Wehr trotzdem in die Grabensysteme zurückdrückt.
Bei fallenden Wasserständen verhindert der geringe Durchmesser der Durchlassklappe allerdings ein zügiges Abfließen der Wässer aus den Gräben und sorgt nur zögerlich zur Absenkung der Wasserstände.
Letzter Stopp war der Horstgraben, beginnend am Feldweg Quetscheallee vorbei am Sportplatz fließt er in Richtung Fehlheim und führt die Niederschläge aus den umliegenden Feldern und Wiesen in östlicher Richtung in den Mühl- und Mittelgraben ab. Kurz bevor der Horstgraben in den aus Bensheim kommenden Mühl- und Mittelgraben einfließt, befindet sich hier ebenfalls ein Wehr mit der gleichen Funktion wie das Wehr am Lindenbruchgraben.
Fazit:
Nach der Erkundungstour war jedem Teilnehmer klar, dass die Situation nicht nur ein Rodauer sondern auch ein Zwingenberger Problem sein wird, das sich in den nächsten Jahren aufgrund der Intensivierung der Trennsysteme, als auch der Klimawandel und die immer kürzer werdende Intervalle der Hochwasserereignisse extrem verschärfen werden. Kurzzeitige Hochwassersituationen sind die Rodauer gewöhnt, allerdings ein dauerhafter hausgemachter Zustand wird nicht hingenommen.
Nach einer ganzheitlichen Betrachtung wird klar, dass die umliegenden Kommunen diese Grundwassersituation in Rodau und Zwingenberg mit verursachen. Hier muss ein solidarischer Konsenz gefunden werden. Es wird mit die Aufgabe des Gewässerverbandes sein hier konkrete Vorschläge zu machen.

