Charakterkopf-Akzent für Seeheim-Jugenheim
Verbunden mit der Brunnentaufe übergab der Verkehrs- und Verschönerungsverein den „Seeheimer Halbkreis“ an die Gemeinde
SEEHEIM-JUGENHEIM, September 2012 (pem), “Do hocke se, die Seejmer, ja, so sinn se!“ Bodenständig, unbeweglich wie ein Fels in der Brandung und immer den Kopf hoch in souveräner Zuversicht, selbst mit geschlossenen Augen. Vom Punker bis zu Trägen von Blumenhütchen und Lodenjanker bevölkert das steinerne Generationen-Oktett die Bank, die das plätschernde kleine Gewässer umringt.
Viel Zeit floss ins Land von der Idee über die Planung zur endgültigen Fertigstellung des originellen Brunnens hinter dem neuen Seeheimer Rathaus. Dass auf dieser Fläche vor rund zwanzig Jahren keine Parkplätze entstanden, ist der Initiative des Verkehrs- und Verschönerungsvereins zu verdanken. Einige statistische Daten beeindrucken: allein der Bau der umfriedenden Mauer nahm 1035 Arbeitsstunden in Anspruch. Für die gesamte Realisierung des Kunstwerkes mussten über den Zeitraum hinweg 140.000 Euro liquide gemacht und aufgewendet werden.
Den „Tag des offenen Denkmals“ nahm der Verkehrs- und Verschönerungsverein Seeheim zum Anlass, sich seiner Pflichten zu Wartung, Pflege und Erhalt der Anlage zu entledigen. Gemäß einer vertraglichen Vereinbarung stand die Übergabe in die Obhut der Gemeinde an.
Der Vereinsvorsitzende, Frank Cornelius, freute sich, neben den kommunalen Honoratioren auch den ehemaligen Minister Karl Schneider zu dem Festakt begrüßen zu können. Seinen Dank richtete er besonders an die Sponsoren, die mit ihrem Engagement dafür sorgten, dass Seeheim um ein architektonisches Kleinod reicher wurde. Als Privatmann leistete Walther Kipper einen Beitrag zum neuen Kunstwerk. Für die Lufthansa drückte Klaus Schölzel, Leiter der Training-und-Conference-Centers die Verbundenheit seines Unternehmens mit dem Brunnen aus: Die Figuren symbolisieren die „Heterogenität, die Vielfalt der Menschen, Typen und Charaktere in unterschiedlichster Ausprägung.“ So sei es auch im Lufthansacenter zu erfahren, wo man sich täglich darin übe, das gute Zusammenleben zu lernen.
In seinem Grußwort im Namen der Sparkasse scherzte Gerhard Adams: “Nun sehen die Bürger, wofür wir die Kontoführungsgebühren verwenden!“ Er erkannte den Aktivitätswert in der Kunst, er gab das Urteil seiner Kinder weiter, hier lässt es sich spielen: „ein Brunnen zum Mitmachen!“
Mit Stolz auf das gelungene Werk wünschte Reinhold Wild allen Bürgern in Zukunft viel Spaß mit Kunst und Kultur. Der ehemalige erste Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Herwart Imhoff, betätigte sich als Chronist und ließ die Entstehungsgeschichte Revue passieren. Mit höchster Anerkennung erinnerte er an die herausragende fachliche und oft kostenfreie Leistung des Architekten Fritz Bayer.
Viel Unterstützung sei der Unternehmung auch über drei Bürgermeistergenerationen stets durch die Gemeinde zuteil geworden durch die Bereitschaft, den Bauhof mit Mannes- und Maschinenkraft einzusetzen. Symbolisch wurde mit einem Hefegebäck-Schlüssel die Verantwortung für den Brunnen in die Hände von Bürgermeister Olaf Kühn gelegt. Zugleich erhielt die Anlage endlich einen offiziellen Namen und wurde auf „Seeheimer Halbkreis“ getauft.
In seiner Dankesrede ging Kühn vor allem auf die Bedeutung des Künstlers ein: “Peter Lenk polarisiert mit seiner satirischen Kunst“, konstatierte der Bürgermeister. Er schätze sich glücklich, dass man einen so viel beachteten Künstler für die Gestaltung habe gewinnen können. An prominenten Orten wie Konstanz, Bonn und Berlin setzen seine Skulpturen bereits markante Zeichen. Seeheim-Jugenheim weiß es zu schätzen sich unter diesen Standorten einzureihen.
Aber die Meinungen sind nicht ungeteilt: Der Plan, mit einem Bild des „Seeheimer Halbkreises die Website der Gemeinde zu zieren scheiterte am Widerstand derer, die sich nicht gerne mit dem „symbolträchtigen Bild der Kommunalpolitik“ in Verbindung bringen lassen möchten: Mögen die einen die Figuren als „Schnarchnasen“ empfinden, für den Bürgermeister drücken sie die entspannte Besonnenheit in der Amtsführung aus.
Dem größten Teil der Bevölkerung sind die steinernen Persönlichkeiten ans Herz gewachsen, das Schmunzeln der Passanten ist ihnen sicher, mancher hat Spitz-und Kosenamen für sie und richtet seine Schritte beim Spaziergang zum Brunnen, um „emol wedder es Liesettsche zu besuche!“
Fotogalerie:
Alle Fotos von Stefan Oelsner.
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Dieser Artikel erschien in der Oktoberausgabe des Melibokus Rundblick (Nr.158).
