Bergstraßenromantik für Bollywood
Ein 52-köpfiges Produktionsteam drehte einige Filmminuten für einen indischen Schmachtstreifen auf Heppenheims historischer Marktplatzkulisse
HEPPENHEIM, September 2013 (pem), Heppenheim ist eine Perle der Bergstraße – ihr Glanz wird nun sogar auf indischen Leinwänden erstrahlen – kurz wenigstens. Der schmucke historische Marktplatz gibt die Kulisse ab. „Spark“ lautet der Titel der Liebesromanze, die Regisseur Vikhram Singh und Naresh Gupta in Szene setzen. Ein zweieinhalbstündiges Werk in Hindi und Englisch mit allen Zutaten, für die man „Bollywood“-Filme liebt.
Für zwölf Tage reiste ein 52-köpfiges Produktions-Team an, um ca. 40 Minuten in den Kasten zu kriegen, der Rest wurde schon in der Heimat gedreht. Weitere Orte werden Mannheim und Heidelberg sein. Auf einem Neckar-Ausflugschiff kommen dann auch die 26 Tänzer in einer Partyszene zum Einsatz – kein Bollywoodfilm ohne ausschweifende Gesangs- und Tanzszenen!
Die Attraktivität steigern nun noch die schönen Bilder von der in Indien überaus beliebten Heimeligkeit der leicht gebirgigen Landschaft und des aus östlicher Sicht als faszinierend exotisch empfundenen Fachwerkhausambientes. Trotzdem ein buchstäblich schwieriges Pflaster für die Crew: Der Kopfsteinbasalt stellt eine Herausforderung für einen stolperfreien und grazilen Gang auf 12 cm-Highheels dar, die jungen Schönheiten leiden mit Fassung! Der Kameramann hat es ebenfalls nicht leicht.
Da dem „Heranzoomen“ von Objekten richtige Kamerafahrten vorgezogen werden, gilt es, Abstände zu prüfen, das Licht zu kontrollieren, da man ohne zusätzliche Ausleuchtung auskommen will, um schließlich mit Wasserwaage und Bohlen die Schienen zu verlegen auf denen der „Dolly“, der fahrbare Untersatz des kiloschweren Gerätes, rüttelfrei gleiten kann. Das dauert. Alles braucht hier seine Zeit. Den Darstellerinnen nähern sich immer wieder zwei junge Männer mit enormen Umhängetaschen: Schmink- und Coiffeure-Ambulanz! Vom Wind gefächelte Locken legen, ein Quästchen Puder für das Näschen, ein Tupfer Lipgloss bei Bedarf…und dann: „Clap…and action!“ – „Annouk, come, we`re late“, fordert Schauspielerin Amrita Cheema nach Drehbuchdialog.
Ihre Kollegin kreuzt das Bild: Subhashree Ganguly, die Hauptdarstellerin, hat es in heimischen Filmproduktionen zu einer gewissen Bekanntheit in Kalkutta und ihrem Bundesland gebracht. „Spark“ ist allerdings ihr erster Hindi-Streifen. „Is that the right Phonenumber?“ möchte der Hauptdarsteller wissen. Rajniesh Duggal ist schon eine umjubelte Bollywoodgröße, ja ein angehender Star.
„Definitly“ gibt die Schönheit zurück und das war`s – oder auch nicht, ein Durchlauf macht noch keinen Take, aber jetzt heißt es erst einmal wieder warten bis undurchsichtige technische Veränderungen vollzogen sind. „Man weiß nie so genau, was passiert oder was als nächstes kommt“, erklärt Amrita, am Set regiert die Spontaneität. Es gibt keinen Ablaufplan, aber auch ohne feste Disposition klappt es. „Ungefähr zwanzig Minuten vorher wird uns mitgeteilt, was wir in den Dialogen zu sagen haben.“
Bei aller Geschäftigkeit herrscht Gelassenheit. Amrita betont, wie bedeutsam es sei, dass jeder den Wert der Arbeit der anderen anerkenne. „Keiner ist am Set wichtiger als ein anderer, alles ist Teamarbeit und jeder hängt von jedem ab!“
Amrita hatte die Verbindung zwischen Indien und Heppenheim angebahnt. In München geboren lebte sie ein Jahr hier bevor sie nach Frankfurt zog. „Ich habe selber schon einen Kurzfilm produziert und bei der Gelegenheit unglaublich viel Unterstützung von dieser Stadt erfahren. Ich bin immer noch dankbar dafür. Deshalb habe ich vorschlagen, hier her zu kommen!“
Möge der Erfolg ihr Recht geben, der dann auch den berechtigten Heppenheimer Lokalstolz mehren kann!
