Doppelbödiger Diva-Showdown
„Der süßeste Wahnsinn“: Ein Feuerwerk der Komödienkunst bei den Heppenheimer Festspielen
HEPPENHEIM, September 2013 (pem), Dem 40-jährigen Jubiläum der Heppenheimer Festspiele zollt der Ministerpräsident als „Bereicherung des kulturellen Leben Hessens“ höchste Anerkennung. Den Einsatz aller künstlerischen und organisatorischen Kompetenz sieht Mitinitiatorin Sabine Richter als gelungen an, wenn das Publikum sich alltagsvergessen herzhaft amüsiert.
Das ist mehr als geglückt, denn „Der süßeste Wahnsinn“ trifft als unvergesslicher Abend ins Schwarze! Der enorme Erfolg dieser Komödie mit Esprit hat seine Wurzeln schon in der Person des Autors Michael Mc Keever.
Als Maler und Designer hat er einen Sinn für bildhaftes Gestalten. So zeichnet er in seinen Figuren geschliffene gesellschaftskarikarierende Typenporträts. Die Präzision begünstigt, dass seine Stücke ablaufen wie „Uhrwerke oder eine geölte Maschinerie“. Dafür benutzt Pia Hänggi in ihrer Inszenierung perfekt alle Stellschrauben der Komödienkunst. Ihrer Führung gelingt es den Rahmen zu schaffen, in dem jede Rolle mit individueller Schauspielergenialität ausgefüllt wird.
Ein einfacher Inhalt genügt: Amerika 1942, Mrs. Osgood engagiert sich patriotisch mit der Ausrichtung von Benefizveranstaltungen. Zur Gala haben sich die Divas Claudia Mc Fadden und Athena Sinclair angesagt.
Bis aufs Blut miteinander verfeindet, gilt es, das Aufeinandertreffen der Kontrahentinnen im Hotel zu verhindern. Natürlich nimmt besonders für den Generaldirektor Dunlap und die Bediensteten die Katastrophe ihren Lauf, da die Damen in derselben Hotelsuite einchecken. Alle Register der klassischen Komödieneffekte werden gezogen: Missverständnisse, Doppeldeutigkeiten, Running Gags, Redewendungsstereotypien, Bewegungsticks, Slapstickelemente. Was das Publikum aber wirklich ergreift und mitreißt, ist die Atmosphäre der immer größer werdenden Bedrängnis, der Sog der Angst vor dem Eklat in den die Akteure mit immer atemberaubenderem Tempo hinein strudeln.
„Schlimm ist schon der Krieg, aber das hier ist die Apokalypse“, kommentiert Dunlap den unvermeidlichen Divashowdown. Mit Verve schaukeln sich die Ereignisse auf bis kurz vor dem Punkt des Durchdrehens. Plötzlich erreicht man im Wahnsinnswirbelsturm das Auge der Ruhe in seiner Mitte. Überraschung! Nur das Publikum wird eingeweiht in das Geheimnis: Die beiden kampf- und prügellustigen Megären Claudia und Athena umarmen einander mit Herzlichkeit als weltbeste Freundinnen.
Sie bilden die Gegenpole im Spektrum der Weiblichkeit: der kühle, androgyne Marlene-Dietrich-Charme von Ulla Wagener (Claudia), der exotisch-erotischen Luxuskatzeneleganz von Beatrice Masala (Athena). Gegensätze, die sich anziehen. Ihr Kampf der Gigantinnen ist eine Inszenierung, die mit der Skandalerwartung der kleinen Leute spekuliert, um die Galaticketpreise in die Höhe zu treiben. Auch eine Form des Patriotismus, den sie fortsetzen werden. In der Rolle des Generaldirektors als Nervenbündel in Genetlemanform brilliert Christopher Krieg.
Alle übrigen Akteure stehen in ihrer jeweiligen Künstlerpersönlichkeit dem höchsten Niveau schauspielerischer Leistung in nichts nach! Die Süße des Wahnsinns hinterlässt einen nachhaltigen Geschmack von bester Unterhaltung mit Emotion und Esprit bei den begeisterten Zuschauern.
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