Kreis Bergstrasse

Jacinta
24. September 2013 

„Pure Freude – und jede Menge Gefühl!“

Die portugiesische Sängerin Jacinta zu ihrem Konzert am 29. September im Lorscher Rathaus

LORSCH, September 2013 (meli), Für das 4.Rathauskonzert 2013 „Drei von hier für uns“ am Sonntag, den 29.09. um 18 Uhr, hat der Pianist, Komponist und Arrangeur Christoph Schöpsdau die außerordentlich erfolgreiche portugiesische Jazz-Sängerin Jacinta nach Lorsch eingeladen. Wir fragten sie zu ihrem Konzert „Brazilian Songs“ und zu ihrer Person.

Ihre musikalische Ausbildung begann als kleines Kind. Doch zum Jazz sind Sie erst recht spät gekommen.

Ja, ich erinnere mich, dass ich, als ich dreizehn war, zu meiner Mutter sagte, ich wolle eine Jazz- und Blues-Sängerin werden – obwohl ich noch nie in meinem Leben diese Musik gehört hatte. Meine musikalische Ausbildung begann mit vier und meine Mutter überzeugte mich schnell davon, dass Jazz- und Blues-Sängerinnen einfach nur ihre Stimme ruinieren und dann nicht mehr singen können und dass das überhaupt keine gute Idee wäre. Also setzte ich meine begonnene Ausbildung fort, bekam am Konservatorium Klavierunterricht, ging aufs Gymnasium und so fort. Erst als ich achtzehn war, hörte ich eine allererste Jazz-CD – mit all den großen Jazz-Diven und Instrumentalisten drauf. Das war Liebe auf den allerersten Blick und zwar für immer und ewig! Trotzdem brauchte ich noch lange Jahre, bevor ich mich traute, eine professionelle Sängerin zu werden. Erst nachdem ich meinen Master in Jazz-Gesang abgeschlossen hatte, erst nach meiner ersten CD, die eine Hommage an Bessie Smith ist, erst danach entdeckte ich die wirkliche, tiefe Stimme in meinem Inneren.

Wenn man weiß, dass Sie Portugiesin sind, Jazz-Sängerin sind, in Portugal große Erfolge feiern, dann denkt man ja viel eher in Richtung des Fado, als daran, dass Sie sich brasilianischen Liedern widmen.
Ja, aber in Brasilien spricht man Portugiesisch, wenn auch mit einem anderen Akzent als bei uns in Portugal. Ich würde sagen, der größte Unterschied zwischen dem Fado und dem brasilianischen Rhythmus ist das afrikanische Element, das Teil Brasiliens ist. Denn die Portugiesen verschleppten ja Schwarze als Sklaven nach Brasilien. Die wiederum vermischten sich mit den dort lebenden Indianern und den portugiesischen Nachfahren, und so haben wir jetzt hier eine der reichsten musikalischen Kulturen der Welt – den brasilianischen Rhythmus. Das Ganze ähnelt ein kleinwenig der Geschichte des Jazz in Nordamerika.

Viele Leute “fürchten” sich ja regelrecht vor dem Begriff „Jazz“. Zu anspruchsvoll, zu intellektuell, zu kompliziert, so lauten da schnell die Urteile. Der Begriff des „Song“ oder des Liedes klingt hingegen eher … harmlos. Was können Konzertbesucher am Sonntag im Alten Rathaus erwarten?
Oh – die Leute werden diese Lieder lieben und Spaß haben an einem unbeschwerten, fröhlichen Konzert mit uns. Niemand muss sich „anstrengen“, um unsere Musik zu verstehen. Alles, was wir dem Publikum vermitteln, ist pure Freude – und jede Menge Gefühl! Lieder, Gesang, erleichtern einem sowieso eher den Zugang zur Musik. Und die brasilianische Musik – das ist einfach eine Lust, das fährt einem sozusagen in die Beine. Wenn die Leute aus dem Konzert kommen, dann werden sie sich einfach wunderbar fühlen – und voller Liebe! Am Sonntag werde ich hauptsächlich Lieder von Antonio Carlos Jobim und Djavan singen. Und – verjazzt – die Musik anderer bekannter brasilianischer Komponisten. So gehören beispielsweise “Girl from Ipanema” und “Corcovado” zu den Stücken, die den Bossa Nova in den 1960er Jahre weltweit und für immer unsterblich machten.

Christoph Schöpsdau haben Sie während des gemeinsamen Studiums in New York kennengelernt. Das ist schon ein paar Jahre her, aber Ihre künstlerische Verbindung scheint sehr lebendig. Was schätzen Sie an ihm?
Christoph ist einfach unglaublich engagiert und super organisiert. Er liebt die brasilianischen Rhythmen, deshalb weiß er auch genau, wie sie zum Ausdruck kommen. Als Komponist verfügt er – in all seiner Zurückhaltung – über enormes Stilgefühl und große Sensibilität.

Letzte Frage: Wohin reisen Sie von Lorsch aus?
Ich werde im Anschluss zwei Meisterkurse für Sängerinnen und Sänger unterrichten und zwar in Böblingen. Dann noch einen Workshop geben für einen Jazz-Chor in Sindelfingen. Beides übrigens von der VHS organisiert.