IPA-Austauschprogramm: Polnische Polizeibeamtin lernt Polizeiarbeit an der Bergstraße kennen
BENSHEIM, Oktober 2013 (js), Bensheim pflegt mit seinen sechs europäischen Partnerstädten schon seit vielen Jahrzehnten den Europa-Gedanken. Besonders während des Winzerfestes zeigt sich das durch den Besuch der jeweiligen Delegationen. Auch die in Bensheim ansässige Bergsträßer IPA-Verbindungsstelle (International Police Association) nutzt das Winzerfest gerne, das Austauschprogramm mit ungarischen und polnischen Polizeikollegen in diese Woche zu legen.
In diesem Jahr hat es terminlich leider nicht ganz geklappt. Die polnische Polizeibeamtin Marta Gwizdalska aus Wloclawek, die Bürgermeister Thorsten Herrmann im Rathaus zusammen mit Polizeikommissarin Laura Hartmann und dem Leiter der IPA-Verbindungsstelle, Josef Simon, begrüßte, konnte erst nach dem Winzerfest an die Bergstraße kommen.
Doch dafür war ihre Ankunft um so spektakulärer, wie Josef Simon berichtete. Anders als Laura Hartmann, die im Juni für zwei Wochen zum Austausch nach Polen geflogen war, hatte Marta Gwizdalska eine 16-stündige Fahrt mit dem Euroliner auf sich genommen. Während sie selbst nicht wusste, wann sie ankommt, war den Kollegen Josef Simon und Laura Hartmann, die beide bei der Fahndung- und Kontrolleinheit Lorsch im Einsatz sind, bekannt, wann der Euroliner in ihrem Autobahnabschnitt unterwegs ist.
Im Rahmen der Überwachung des internationalen, grenzüberschreitenden Verkehrs auf den Bundesautobahnen erfolgt eine Kontrolle der Bus-Insassen mit der Folge, dass Marta Gwizdalska wegen angeblicher Unstimmigkeiten ihre Fahrt im Streifenwagen fortsetzen musste. Erst auf der Polizeistation klärte Josef Simon seine deutsch sprechende polnische Kollegin schließlich über das kleine Abholmanöver auf. Ein Erlebnis, dass die polnische Beamtin sicher ebenso in lebhafter Erinnerung behalten wird, wie ihren mit vielen neuen Eindrücken angefüllten Aufenthalt an der Bergstraße.
Das Polizeipräsidium in Darmstadt hatte sie kennengelernt, die Arbeit der Bundespolizei auf dem Frankfurter Flughafen, die Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt, das Einsatztrainingszentrum in Darmstadt und natürlich auch Bensheim, „eine wunderschöne Stadt“, wie sie bemerkte.
Im Rahmen der gemeinsamen Polizeiarbeit lernte sie die Probleme mit Trickbetrügern oder den sogenannten „Dachhaien“ kennen, die von Haus zu Haus gehen und Arbeiten am Dach mit minderwertigen Materialien anbieten.
Erkennbar wurden für Marta Gwizdalska auch die Unterschiede zwischen deutscher und polnischer Polizeiarbeit. „In Deutschland wird viel intensiver ermittelt“, stellt die polnische Beamtin fest und weist auch auf gänzlich andere Schwerpunkte hin. Dass in Wloclawek mit seinen knapp 120 000 Einwohnern durch Drogen und eine sehr hohe Arbeitslosigkeit viel massivere Probleme zu bewältigen sind, hatte auch Polizeikommissarin Laura Hartmann während ihres Aufenthaltes in Polen feststellen müssen. „Da erkennt man ganz schnell, dass wir in Deutschland auf einem hohen Niveau klagen“, meint auch Josef Simon und wird darin von seiner polnischen Kollegin bestärkt: „Hier ist es viel sicherer und sauberer“.
Das hörte Bürgermeister Herrmann gerne, der den Erfahrungsaustausch über Ländergrenzen hinweg generell für eine gute Sache hält. Schon vor einigen Jahren hatte er deswegen bei den Empfängen für die ungarischen Polizeibeamten die Einbindung der Bensheimer Partnerstädte in das IPA-Hospitationsprogramm angeregt. Beim aktuellen Empfang im Rathaus wurde auch der Hessentag im kommenden Jahr in Bensheim und eine mögliche grenzübergreifende polizeiliche Unterstützung angesprochen, insbesondere, wenn deutsche Sprachkenntnisse vorhanden sind. Die polnische Kollegin war noch bis 28. September Gast der IPA Bergstraße und im Oktober wird wieder eine Polizeibeamtin aus Ungarn erwartet.
Die International Police Association (IPA) wurde im Jahre 1950 gegründet und ist heute mit annähernd 300.000 Mitgliedern die größte Berufsvereinigung der Welt. Ziel dieses unabhängigen Zusammenschlusses von Angehörigen des Polizeidienstes ist die Förderung kultureller Beziehungen, des Allgemeinwissens und des beruflichen Erfahrungsaustausches. Außerdem geht es um gegenseitige Hilfeleistungen der Mitglieder im sozialen Bereich. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten will die IPA zum friedlichen Miteinander der Völker und damit zur Erhaltung des Weltfriedens beitragen. Die Verbindungsstelle Bergstraße der IPA wurde im Mai 1962 im „Dalberger Hof“ in Bensheim gegründet
