Benzinduft statt Landluft
Zahlreiche Zuschauer bestaunten das 30. Hochstädter Fräserennen
HOCHSTÄDTEN, 14. August 2012 (bumi), Was für einen Feier: Der Bensheimer Stadtteil Hochstädten feierte seinen 700. Geburtstag und passend zur Kerwe fand dann auch noch das 30. Fräserennen statt. Diesmal gingen 32 Teams an den Start – ein neuer Teilnehmerrekord. Mit fast einer dreiviertel Stunde Verspätung ging schließlich die erste Mannschaft auf den weitläufigen Rennparcours – und natürlich gab es auch beim Jubiläumsrennen am Ende einen Sieger. Doch bei diesem sicherlich außergewöhnlichen Rennen – alles hatte im Jahr 1983 eher als Gag aus einer Bierlaune heraus begonnen – hat auch der olympische Gedanke „Dabeisein ist alles“ noch einen Wert.
Das Fräserennen hat beinahe alles, was es bei einem normalen Auto- oder Motorradrennen auch gibt: Ein Fahrerlager, eine Boxengasse, eine Rennstrecke mit Start und Ziel und viele Zuschauer auf den Rängen beziehungsweise Hängen. Die Startaufstellung bestimmt hier nicht der Trainingsschnellste, sondern das Los – und im Gegensatz zu Autorennen gehen die Teams hier jeweils einzeln auf die Strecke. Am Ende gewinnt aber nicht nur das schnellste Duo, sondern diejenigen mit den wenigsten Strafpunkten. Jede Abweichung von der Strecke oder den Regeln wird mit Punktabzügen der Streckenrichter bestraft. Um dies zu minimieren, begaben sich die über 60 Teilnehmer zunächst gemeinsam auf die Piste. Hier gab es Hinweise zu den einzelnen Geschicklichkeitsprüfungen, denn das Fräserennen ist nicht nur einfach ein Rennen, sondern an mehreren Stationen gilt es anzuhalten und eine Aufgabe zu lösen.
So musste zwischen zwei Strohballen eine Acht gefahren werden, ein Apfelbaum sollte umrundet und an andere Stelle ein Nagel in ein Brett möglichst schnell und tief eingeschlagen werden. Das Mohrenkopfessen fiel der hochsommerlichen Witterung zum Opfer. Dafür musste Wasser geschöpft werden. Der Mitfahrer stand auf der anderen Seite eines Paravents und fing das Wasser mit einer Schüssel auf und goss dieses in einen Eimer, der wiederum irgendwann eine Schranke öffnete. Dann ging es weiter zur finalen Prüfung – dem von den Zuschauern frenetisch bejubelten Schlammgraben. Sauber war danach keiner mehr. Die jeweiligen Geschicklichkeitsübungen waren eine Erinnerung an das Jubiläum – zusammengestellt aus Ideen früherer Rennen, wie ein Mitglied der Rennleitung gegenüber dem Melibokus Rundblick erklärte.
Interessant sind auch immer wieder die Gefährte selbst. Normalerweise dient eine Fräse ja eher dazu die Erde eines Gartens oder Ackers umzugraben oder im Winter den Schnee zu räumen. Hier sind dies natürlich keine Fräsen im üblichen Sinn, sondern es sind allesamt umgebaute Rennmaschinen mit einem daran angekoppelten (über eine Welle ebenfalls angetriebenen) Anhänger, auf dem der Mitfahrer sitzt. Der versucht – wie beim Motorradrennen mit Seitenwagen – in engen Kurven auszubalancieren. Die Zweitakter verursachen nicht nur Gestank, sondern auch einen Höllenlärm. Vor allem beim Probelauf, als vor Rennbeginn gleiche mehrere Fahrzeuge auf die Strecke gingen, hielt sich der eine oder andere Zuschauer schon mal die Ohren zu. Eine Gaudi war es allemal.
Fotogalerie:
Fotos von Mic Burmeister.
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Dieser Artikel erschien in der August/September-Ausgabe des Melibokus Rundblick (Nr.157).
