Berechnete Bildeleganz
Unter dem Titel „Schöne Formeln“ zeigt die Treppenhausgalerie in Seeheim noch bis zum 29. Mai Werke aus der digitalen Kunstproduktion von Hiltrud Heinrich
SEEHEIM-JUGENHEIM, Mai 2013 (pem), Mathematik ist nicht alles, aber alles ist Mathematik. Was sich in der Raum-Zeit-Dimension abspielt, lässt sich formelhaft ausdrücken. Künstlerische Arbeitsweise ist dem nicht unähnlich.
Im Gestaltungswillen und Streben danach Harmonie zu schaffen, geht es im weitesten Sinne immer darum, sich mit Beziehungen auseinander zu setzen, die innere Spannung von Farben und Formen in Balance zu halten.
Wieso sollten also Künstlerhand und PC-Tastatur nicht gute Freunde werden? Hiltrud Heinrich hat ihr ideales Ausdrucksmittel gefunden. Mit ihren digitalen Bildbearbeitungen machte sie sich durch Prämierungen und Siege bei diversen Wissenschaft- und Kunst-Wettbewerben einen Namen. Als naturwissenschaftlich beschlagene Lehrerin für Biologie, Chemie und Geografie blieb sie nach einem zusätzlichen Kunststudium in Amerika der Fachwelt auf ästhetischem Weg verbunden.
Die Treppenhausgalerie der Seeheimer Bücherei zeigt Werke mit den Schwerpunkten Bewegungen, Strukturen und Architektur. Sinnbilder, die einen in ihrer klar umrissenen Eleganz als Empfindungsdesign anrühren.
Der Blick auf Details in der großen oder mikroskopischen Welt erkennt die Schönheit, die Künstlerische Arbeit besteht darin, die „schönen Formeln“ zu entwickeln, diese zu vergrößern, fortzusetzen und zu intensivieren. „Tanztheater“, „Pirouette“, „Auf einem Bein“ bestechen mit dem im Moment eingefangenen Schwung in der Kontureneleganz und der geschmeidigen Farbgebung. Ordnungen und Strukturen werden in Bildern wie „Nachtvogel“ umspielt und ins nebulöse Geheimnisvolle getaucht. Berechenbar ist wohl die Bildidee und die Umsetzung.
Die geisteshandwerkliche Seite gibt der Kunst einen starken intellektuellen Akzent, doch die erhabene Wirkung der Anwendung einer „schöner Formel“ bleibt immer noch das unwägbare „Plus-X“, der Emotionsfaktor, der künstlerische Mehrwert der mathematischen Arbeit, den Hiltrud Heinrich sensibel und poetisch zu gestalten versteht.
