Dünenrodung für Pyramidenorchidee und Sandsilberscharte
Im gemeinsamen Arbeitseinsatz von BUND, NABU und Better World Club befreiten die Aktiven ein wertvolles Biotop von Überwucherung
SEEHEIM-JUGENHEIM (pem), Die Eiszeit ist unter uns! Das hat weniger mit aktuell frostigen Temperaturen zu tun. Ihre erdgeschichtliche Hinterlassenschaft befindet sich unter unseren Füßen in nächster Nähe unserer Wohngebiete: Seeheim-Jugenheim säumt an seinem westlichen Rand ein sandiger Gürtel – so empfindet es der unkundige Spaziergänger.
Ein geologisch und biologisch geschultes Auge streift fasziniert darüber und erkennt eine eiszeitliche Düne, die jetzt einiger einzigartiger Vegetation Heimat bietet. Die Urzeitrelikte machen nur einen Teil der sich durchs ganze Rhein-Main-Gebiet ziehenden Formation aus. Das besondere vor Ort ist das Ausmaß des zusammenhängenden Areals, das in dieser Form sonst nirgends anzutreffen ist. „Prädikat höchst schützenswert“, urteilen einstimmig alle Umwelt engagierten Gruppen.
Dies kommunalen Verantwortlichen deutlich zu machen hatte, vor etlichen Jahren schwierige Überzeugungsarbeit in harten Auseinandersetzungen gekostet (die geplante Umwandlung zu einem wirtschaftsfördernden Gewerbegebiet „Schenkenäcker“ stand dem damals entgegen). Inzwischen freuen sich die Gruppen, dass das Umweltbewusstsein im Rathaus fest etabliert ist und die Gemeinde Aktivitäten unterstützt, z.B. indem schweres Gerät für Erd- oder Rodungsarbeiten gelegentlich entliehen wurde.
Das Interesse richtete sich zunächst auf die Düne in Tennisplatznähe, die mittlerweile als Biotop erkennbar ist. Das lässt sich von dem zweiten Teilstück am ADAC-Übungsplatz noch nicht behaupten. Man muss mit der Überwucherung den Kampf aufnehmen.
Der erste Vorsitzende des NABU, Tino Westphal, erklärt die Ursache: „Auf Grund geänderter Umweltbedingungen und Wirtschaftsformen ist dieses Biotop stark gefährdet. Überdüngung fördert den massiven Aufwuchs von Brombeeren, Flieder und Weißdorn auf der Bickenbacher Düne.“
Dadurch kommen die lichtliebenden Trockenlandpflanzen zu kurz, die die Besonderheit der Flora dieses seltenen Magerbodens ausmachen.
Auf der eiszeitlichen Binnendüne kommen die Pyramidenorchidee, Sandsilberscharte und Blauer Lein vor, wenn das meterhohe Gestrüpp beseitigt sein wird. Einen beachtlichen Beitrag leistete der gemeinsame Arbeitseinsatz der Mitglieder von NABU, BUND unterstützt von Aktiven des Better World Clubs unter der Leitung der Biologin Dr. Uta Hillesheim. Die 15 freiwilligen Helfer schonten sich nicht bei der Knochenarbeit. Arbeitsmaterial und Catering durch den BUND waren in gleichem Maß höchst willkommen.
Ohne Handarbeit geht es nicht aber Tino Wesphal stellt in Aussicht, dass man des Buschbewuchs erst im Herbst mit entsprechend schwerem Gerät endgültig Herr werden kann.
Das Erfolgsrezept der Schuldorf-Düne wendet man auch in der Bickenbacher Gemarkung an: „Durch Beweidungsprojekte, vor Ort mit Schafen, werden unerwünschte Pflanzen dauerhaft zurückgedrängt. Der manuelle Arbeitsaufwand sollte dann deutlich kleiner werden.“
