Ein Dichter als Shooting-Star?
Jan Wagner liest am UNESCO Welttag der Poesie in Lorsch
LORSCH, Februar 2016 (meli), „Mit mehr Preisen, aber auch mit mehr Lesern kann kaum ein Lyriker aufwarten“, urteilt die F.A.Z und spricht dabei über den 45jährigen Lyriker Jan Wagner. Und dann hat er auch noch gerade einen Lyrikband veröffentlicht, der gar nicht besser zu Lorsch passen könnte. „Selbstportrait mit Bienenschwarm“ heißt seine brandaktuelle Gedichtesammlung. Der 45jährige Lyriker konnte jetzt als prominenter Gast anlässlich des UNESCO Welttags der Poesie gewonnen werden: Jan Wagner liest am 21. März um 19.30 Uhr im Paul Schnitzer-Saal in Lorsch. Im Rahmen des Bienen- und Dichterprojektes lädt die Stadt einmal im Jahr zum Welttag der Poesie eine bekannte Lyrikerin oder einen berühmten Dichter.
Endlos lang ist die Liste seiner Stipendien und Preise. Doch als Wagner letztes Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse für seine „Regentonnenvariationen“ erhielt, wurde das besonders gefeiert. Denn erstmals in der Geschichte dieses Buchmesse-Preises wurde er nicht für Prosa, sondern für Poesie verliehen. Ein (weiteres) Indiz für die auch in Lorsch immer wieder diskutierte These, die Gedichte seien auf dem Vormarsch?
Die Titel seiner insgesamt sechs Gedichtbände weisen auf die vielgerühmte Besonderheit des Autors hin: Seine Gedichte behandeln scheinbar alltägliche, eher unbeachtete Objekte und Phänomene. „Flora und Fauna und menschliche Debakel nimmt er freundlich in den Blick, ohne allzu viel Aufhebens um seine Wahrnehmungsfähigkeit zu machen“, bescheinigte die Leipziger Jury dem Poeten. Dem Dichter wie seiner Lyrik schreibt man „eine zurückhaltende, gewitzte Art“ zu.
Das passt zu Wagners Überzeugung, der mit seinen poetischen Studien die Absurdität und Untauglichkeit einer anthropozentrischen Weltsicht vor Augen führt. Sein unlängst im Rahmen des Lorscher Leseschwarms etwa vorgetragenes Gedicht „Giersch“ zeigt, dass diese Botschaft gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger, nicht aber ohne gelegentliche Selbstironie auskommt. In dem „Giersch“-Gedicht, wächst sich das unbesiegbare Wildkraut zu einem auch sprachlich schier überschäumenden Wildwuchs aus, dessen der Lyriker kaum mehr Herr zu werden scheint.
„Selbstportrait mit Bienenschwarm“, woraus Jan Wagner am 21. März lesen wird, ist ein Auswahlband seiner besten Gedichte aus anderthalb Jahrzehnten poetischen Schaffens. Als er hörte, dass man ihn im Rahmen des Lorscher Bienen- und Dichterprojektes zu der Lesung am UNESCO Welttag der Poesie einladen wolle, war Jan Wagner ob der zufälligen Parallele der beiden Titel sofort überzeugt und sagte ohne Umschweife zu. Beste Voraussetzungen also für einen so anregenden wie angeregten Abend mit dem berühmten Dichter in Lorsch.
