Fantasiefigurenwelt aus fahrigen Strichen
Im Jugenheimer alten Rathaus zeigte Petra Emmerich als jüngstes Mitglied des Seeheim-Jugenheimer Künstlerkreises mit „Kombinagen“ ihre ausgefallenen Exponate
SEEHEIM-JUGENHEIM, Dezember 2013 (pem), Traditionen erhalten sich nur durch Lebendigkeit. Deshalb strebt auch der Künstlerkreis der Gemeinde Seeheim-Jugenheim immer nach neuen Impulsen durch neue Mitglieder.
So freuen sich die unter Vorsitz von Herbert Rauh vereinigten Maler, Holz- und Textilwerker, Skulpteure und PC-Künstler, wenn von den sich vorstellenden Interessenten einige aufgenommen werden können. Zuletzt gelang es Petra Emmerich den Kreis durch außergewöhnliche Technik und eigenwilligen Stil zu überzeugen. „Mir war es wichtig, hier Fuß zu fassen. Nachdem ich im Frühjahr im Griesheimer Kulturverein mein absolutes Ausstellungsdebut geben durfte, war es mein Wunsch, mich auch in meinem Heimatort als „Kreativstin“ vorstellen zu dürfen, “ betont Petra Emmerich. Künstlerin mag sie sich gar nicht nennen, denn sie sieht den Schwerpunkt ihrer Produktionen auf dem Moment des Schaffens und des impulsiven Gestaltens von „Kombinagen“: was sich dahinter verbirgt, kann man noch nicht googeln, auch das Wort Kombinage ist Emmerichsche Eigenkreation.
Am Anfang steht Kugelschreibergekrickel, willkürliche Linien, als probierte man die Funktionstüchtigkeit eines Stiftes aus. Darin wird eine Figur entdeckt, konturiert und mit Schattierung plastischer herausgearbeitet, dann ausgeschnitten. Auf diese Weise entstanden unzählige Fantasiewesen, die meisten als kreative Nebenprodukte von Callcenterjobs. „So konnte ich die Zeit für mich sinnvoll nutzen“. Diese Figuren suchen sich einen nächsten Arbeitsgang – Hintergründe: Urlaubsfotos, Illustriertenbilder, Werbeprospekte. „Sie nur locker mit Tesa zu fixieren, drückt Vorläufigkeit und Zufälligkeit aus, erinnert zugleich auch an Pflaster für alle Wunden, die das Leben so schlägt“.
Auch für Petra Emmerich hat Kunst oft die existenzielle Bedeutung von Notfallmedizin. Die Kombinagen bilden eine vollständige Harmoniewelt, wenn die Figuren sich mit Kolorierung ihrem Hintergrund anverwandeln. Das Zueinanderfinden potenziert sich in dieser Ausstellung: zwei Bilder in einem Rahmen stehen in atmosphärischen Kontakt. „Die Ausstellungsbesucher gestanden, dass sie viel länger blieben als geplant, weil sie sich von Bild zu Bild mehr von den kleinen Fantasiewelten angezogen fühlten und die Lust am Detail entdecken wuchs. Das Gästebuch füllten erstaunte, überraschte und erfreute Einträge, so dass ich mit meinem Jugenheimer Ausstellungs-Erstling mehr als zufrieden bin.“ Gerne bietet die Kreativistin auch Workshops an oder lädt nach Vereinbarung zum Stöbern in der großen Fantasiewelt ihres Ateliers ein.
