Seeheim-Jugenheim, Startnews

Eine Blume sagt mehr als tausend Worte. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März verteilte Gisela Dallhammer (2.v.re.) an alle anwesenden Damen eine wunderschöne Gerbera. Foto: soe
28. April 2021 

Frauenpower im Seeheimer Sterntaler-Lädchen

Soroptimist Club Seeheim-Jugenheim verleiht Menschenrechtstafel an Sterntaler-Lädchen

SEEHEIM-JUGENHEIM, April 2021 (pes), Pünktlich zum Weltfrauentag am 8. März hat der Soroptimist-Club International Seeheim-Jugenheim die Menschenrechtstafel an das Sterntaler-Lädchen in Seeheim verliehen. Seit seiner Eröffnung im April 2011 hat sich das ehrenamtliche Projekt als alternative Anlaufstelle für gebrauchte Kinderkleidung, Bücher und Spielsachen zu einer wichtigen sozialen Institution für Seeheim-Jugenheim und die Nachbargemeinden entwickelt. Träger ist der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt. Die eingenommenen Spenden werden für soziale Projekte verwendet. Motto: „Man gibt, was man kann.“

„Seit zehn Jahren setzen sich Frauen in Seeheim für das Sterntaler-Lädchen ein. Genauso lange ist unser Club aktiv“, so Gisela Dallhammer. Die amtierende Präsidentin lobte den karitativen Ansatz des Projekts, in dem sich Frauen für Frauen einsetzen. Das Lädchen war aus der Arbeitsgemeinschaft GuT (Gerechtigkeit und Teilhabe) im Präventionsrat der Gemeinde hervorgegangen und bietet bedürftigen Familien gegen eine kleine Spende unter anderem Haushaltswaren, Kinderbetten und Kinderwagen.

Das Angebot richtet sich vor allem an Eltern mit kleinem Budget und Migrantenfamilien. „Mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit und dem niederschwelligen Angebot setzen sich die Frauen tagtäglich für die Wahrung der Menschenrechte und den würdevollen Umgang miteinander ein“, so die Präsidentin weiter. Ein außergewöhnliches selbstloses Engagement, das eine Auszeichnung verdient habe. Die orangefarbene Plakette nimmt Bezug auf die ersten drei Artikel des deutschen Grundgesetzes, in denen klar verankert ist: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ In den Artikeln 2 und 3 werden unter anderem die freie persönliche Entfaltung und die körperliche Unversehrtheit jedes Menschen durch den Staat garantiert. Zudem garantiere die Bundesrepublik für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Alles zentrale Anliegen von Soroptimist International, betont Gisela Dallhammer. Als Teil eines globalen und parteipolitisch neutralen Netzwerks mit weltweit 74.000 Mitgliedern in 122 Nationen setzt sich der Service-Club für die Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen, für Gleichberechtigung sowie für einen ungehinderten Zugang zu Bildung ein. Auch ein klares Nein zu Gewalt an Frauen und Mädchen gehört zum Selbstverständnis der international größten Service-Organisation berufstätiger Frauen. Die Tafel wird seit rund zehn Jahren von den Soroptimist-Clubs der Metropolregion Rhein-Neckar verliehen, zu denen auch die Einheit in Seeheim-Jugenheim gehört. Empfänger sind neben Schulen vor allem Institutionen und Vereine, die sich für Menschen und einen würdevollen Umgang einsetzen. Am Tag der Menschenrechte 2020, dem 10. Dezember, hatte der Club Seeheim-Jugenheim eine Menschenrechtstafel an das Frauen- und Familienzentrum „SzenenWechsel“ verliehen.

Mit dem Sterntaler-Lädchen kommt eine weitere prominente Institution hinzu. „Wir konnten gemeinsam einiges bewegen und das soziale Miteinander im Ort verbessern“, zog Edith Bombelczyk im Namen des Teams eine positive Bilanz. An die Anfänge denke sie bis heute gern zurück, sagte sie in ihrer Rede anlässlich der Auszeichnung. „Unser Lädchen entstand in einer sehr aktiven Zeit unserer Gemeinde.“ Zentrale Fragen der lokalen Agenda waren damals unter anderem: Wie wollen wir in Zukunft leben? Was ist uns wichtig?

So entstanden unterschiedlichste Gruppen, die über den sozialen Zusammenhalt im Ort diskutiert haben. Edith Bombelczyk verweist auf die Workshops zur Weiterentwicklung der sozialpädagogischen Einrichtungen und zur besseren Teilhabe von Kindern bei der Ausgestaltung des Kita-Alltags. „Entsprechende Konzeptionen mussten her, wir haben an einem neuen, gemeinsamen Lernen gearbeitet“, so die Erzieherin im Ruhestand.

Die GuT bildete sich als eine von mehreren Arbeitsgruppen in diesem Prozess heraus. Gemeinsam mit Barbara Ruschke von der Kita Windrad entstand die Idee, etwas für jene Familien in Seeheim zu tun, denen es wirtschaftlich nicht so gut ging. „Leider ist von dieser aktiven gesellschaftspolitischen Zeit im Ort nicht mehr so viel übrig geblieben“, schlug die ehemalige Pädagogin auch kritische Töne an.

Am 10. Februar 2010 hatte eine kleine Arbeitsgruppe zu der auch Andrea Otto und Ingrid Teicke gehörten, über den Namen „Sterntaler, das alternative Kinderlädchen“ entschieden. Größtes Problem damals war die Suche nach einem geeigneten Standort – wie das auch heute wieder der Fall ist: denn für das Lädchen in einem gemeindeeigenen Haus an der Schulstraße wird weiterhin nach einem neuen Quartier gesucht. Aus ihrem „Hexenhaus“ müssen die Frauen ausziehen, da der Bau vor dem Seeheimer Rathaus im Rahmen der Sanierung der Sport und Kulturhalle abgerissen wird.

Am 11. Februar 2011 fand nach viel organisatorischer Vorplanung und politischer Überzeugungsarbeit die Eröffnungsfeier statt. Auch wenn sich das Angebot vor allem an Familien mit kleinem Einkommen richtet: „Jeder ist herzlich willkommen“, betont Edith Bombelczyk.