Freiwilliges Soziales Jahr – ein munteres Kommen und Gehen bei der Behindertenhilfe Bergstrasse
BERGSTRASSE, August 2013 (meli), Pünklich zum Sommerende stehen bei der Behindertenhilfe Bergstrasse wieder 38 neue Freiwillige für ein Soziales Jahr (FSJler) parat, die sich innerhalb der nächsten Wochen und Monate einen Einblick in die Wohn- und Arbeitswelt von Menschen mit Behinderung in der Behindertenhilfe Bergstrasse verschaffen möchten. Gerade junge Leute, die noch nicht sicher sind, wohin sie sich beruflich orientieren wollen, nutzen immer wieder die Chance im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres verschiedene Arbeitsbereiche eines erfahrenen Sozialunternehmens kennenzulernen. „Ich habe vor, eine Ausbildung als Erzieherin anzufangen und wollte gerne herausfinden, ob das auch was für mich ist“, sagt Fabienne Massoth, FSJlerin der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) in Lorsch. Welche Bereiche zu den individuellen Interessen und Qualifikationen passen, gilt es während des Jahres herauszufinden.
13 der 38 Neuankömmlinge werden zukünftig die Fürther WfbM unterstützen, vier die benachbarte Wohnstätte, sechs werden die WfbM in Lorsch komplettieren, drei FSJler werden zukünftig dem Wohnbereich in Bensheim-Auerbach zur Verfügung stehen und 12 möchten Bensheimer Werkstattluft schnuppern.
Die verschiedenen Einrichtungen freuen sich bereits auf den Nachwuchs. „Die FSJler sind uns immer herzlich willkommen, da sie zum Einen die Atmosphäre in der Einrichtung bereichern und zum Anderen eine wichtige Unterstützung für unseren Arbeitsauftrag sind“ erklärt Martin Kersjes, Werkstattleiter aus Lorsch. Herr Dörsam, Werkstattleiter in Fürth, ergänzt, dass „im Gegenzug Einblicke in unterschiedlichste Arbeitsbereiche geboten werden, die bei zukünftigen, beruflichen Entscheidungen eine wichtige Orientierungshilfe sein können“. Gerade nach dem Wegfall des Zivildienstes soll so auch vermehrt jungen Männern die Möglichkeit gegeben werden, in einen sozialen Beruf reinzuschnuppern, für den sie sich vielleicht ohne ein FSJ nicht entscheiden würden. Der soziale Freiwilligendienst ist stets ein wichtiges Instrument, um Aufklärungsarbeit zu leisten, Barrieren abzubauen und Hemmungen gegenüber Menschen mit Handicap entgegenzuwirken. Kersjes bemerkt, wie wichtig es ist, dass sich gerade im Sinne der Inklusion die Gesellschaft für unsere Menschen mit Behinderung öffnet. „Auf der anderen Seite öffnen wir unsere Werkstatt aber auch gerne, um etwaige Berührungsängste abzubauen“.
Natürlich stehen den jungen Helfern zu Beginn ihres Jahres erst mal viele Fragezeichen in den Augen und man ist sich unsicher, wie man mit dem ein oder anderen Mitarbeiter mit Behinderung umgehen soll, aber bereits nach kurzer Zeit sind meist schon alle Hemmungen und Vorurteile über Bord geworfen. Frau Massoth erklärt: „Ich bin ein offener Mensch und habe mich auch dank der Kollegen recht schnell eingefunden. Mittlerweile sind mir die Menschen hier sehr ans Herz gewachsen – ganz egal wie sie sind“. Dies ist nicht selten eine der ersten Erkenntnisse, die man gewinnt, wenn man beginnt sich mit den einzelnen Menschen zu beschäftigen. FSJlerin Alexandra Hönninger erklärt es so: „Die Menschen hier sind gar nicht so anders und außerhalb dieser Einrichtung gibt es oft viel anstrengendere Menschen als hier. Außerdem sind die Leute hier freundlicher als wo anders.“
In ihrer Zeit bei der Behindertenhilfe Bergstrasse erleben die FSJler eine ganze Menge. Ausflüge und die Teilnahme an Festen gehören immer dazu. „Besonders schön war der Fasching für mich“, berichtet eine der FSJlerinnen. Die Teilnahme am Faschingsumzug in Lorsch sowie die eigene Karnevalssitzung in Mörlenbach mit allen Mitarbeitern und Bewohnern der Einrichtung wird ihr stets in sehr guter Erinnerung bleiben. Die FSJler planen hier bereits Wochen im Voraus einen lustigen Beitrag und sorgten damit auch dieses Jahr für viel Stimmung im Saal. Gerade das ist es oft, was es den jungen Menschen so einfach macht – die Freude, gemeinsam mit Menschen mit Handicap zu lachen, sowie die Warmherzigkeit, die man stets entgegengebracht bekommt. Darüber hinaus stellt das Freiwillige Soziale Jahr eine gute Gelegenheit dar, seine beruflichen Vorstellungen noch mal zu überdenken. So plante Frau Hönninger beispielsweise ursprünglich nach ihrer Zeit bei der Behindertenhilfe Bergstrasse zu studieren. Dies hat sie nun aufgrund ihrer gesammelten Erfahrungen revidiert und möchte lieber eine Ausbildung machen, damit sie praxisnaher arbeiten kann.
Diejenigen, die die Behindertenhilfe Bergstrasse nach Ablauf ihrer vereinbarten Zeit wieder verlassen, bemerken oft, dass die Monate so schnell vorbei gezogen sind. So kommt es nicht selten vor, dass der Einsatz nochmal verlängert wird. Einige kehren auch wieder zurück, indem sie z. B. eine Ausbildung innerhalb der Einrichtung beginnen bzw. sich für ein Studium entscheiden, welches sie auf die Arbeit bei der Eingliederungshilfe vorbereitet und entsprechend qualifiziert. Herr Dörsam, Werkstattleiter in Fürth bemerkt: „Ich freue mich immer, wenn ich alte Gesichter wieder sehe. Es macht mich stolz, wenn sich die Leute aufgrund ihrer Erfahrungen bei uns für einen bestimmten beruflichen Zweig entschieden haben.“
Mit dem Wegbruch des Zivildienstes war die Behindertenhilfe Bergstrasse auf stark motivierte Leute angewiesen, um die entstandenen Lücken hier und da zu schließen. Entgegen aller Befürchtungen kann man bisher von einem reibungslosen Übergang sprechen – zumindest in den Jahren der sogenannten Doppeljahrgänge – und sich über die rege Nachfrage freuen. „Die letzten Jahre zeigen, dass wir ein attraktives Unternehmen für Schulabgänger darstellen und uns nicht hinter Unternehmen aus der freien Wirtschaft verstecken müssen“, sagt Udo Dörsam. In diesem Zusammenhang ergänzt Kersjes: „Die Gesellschaft sollte generell ein großes Interesse daran haben, dass das soziale Know-how nicht verloren geht und die zukünftigen Generationen möglichst viele Berührungspunkte zu unseren Menschen haben“.
Die Behindertenhilfe Bergstrasse und speziell die Menschen mit Behinderung freuen sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen FSJlern in den verschiedenen Arbeitsbereichen der Werkstatt und der Wohnstätte. Auch der Werkstattrat und der Heimbeirat sind bereits gespannt, welche neuen Gesichter bald schon Teil des Teams sein werden und welche neuen Freundschaften dadurch entstehen.
All denjenigen, deren Freiwilliges Soziales Jahr nun bereits zum Ende kommt, wünscht die gesamte Behindertenhilfe Bergstrasse eine schöne Restzeit und viel Erfolg auf dem weiteren beruflichen Weg.
