Gesamtkunstwerk in erzählenden Bildern
Der ehemalige Alsbacher Richard Heath zeigt den historischen Jeanne D´Arc-Stoff in eigener Bearbeitung als Papiertheater im Zwingenberger Theater Mobile am 14. und 15. April
ZWINGENBERG, April 2016 (meli), Bühnenblut hat man in sich, aber vielleicht brachte die Lehrer-Arndt´sche Theater-AG der 8. Klasse an der Melibokusschule seiner Zeit den Herzschlag für die Dramenkunst schon richtig in Takt? Richard Heath wurde in Alsbach groß, engagierte sich im evangelischen Jugendtreff und gehörte eine Weile der Jugendfeuerwehr an. Später führten ihn einige Auftritte dorthin zurück. Zuvor baute er an seinem Weg zur Bühne: Das Studium von Kunst, Musik und Germanistik haben Richard Heath, neben praktischer Ausbildung, einen beachtlichen Wissensfundus verschafft. In spielerischem Umgang schöpft er daraus.
„Theater Weltfremd“ nennt er sein Projekt. Das soll nicht auf eine verklärt elitäre Abgehobenheit hinweisen, sondern die Einzigartigkeit dessen unterstreichen, was er als Gesamtkunstwerk auf die Bühne bringt. Die Bretter mögen die Welt bedeuten, sind aber zunächst eine eigene. „Weltfremd“ heißt auch verfremdete Welt, denn er fühlt sich der Dramentheorie Bert Brechts sehr nahe. Wenn Bekanntes in veränderter Form erlebt wird, kann es auch neu wahrgenommen und kritisch betrachtet werden. Darauf gründete das epische Theater, das dem Zuschauer vorführen und erzählen will. Richard Heath kostet diese Brüche und Verfremdungen in der Bandbreite seiner Talente aus, um sein Publikum mit einem faszinierenden Gesamtkunstwerk zu konfrontieren. Er selbst schlüpft als Erzähler in sämtliche Rollen: männlich, weiblich oder göttlich. Eine weitere Stimme fügt er instrumental bei: Seinem Cello entlockt er keine Begleitmusik, sondern erhebt es zum Ausdrucksmedium der Gefühlswelt der Akteure. Die stellen die größte Verfremdung dar. „Das Figurentheater ermöglicht es mir, den Ausdrucksgehalt einer Geschichte durch nonverbale Elemente zu bereichern und zu vertiefen“.
Darin sieht er einen Beitrag zur Veranschaulichung und möchte ausdrücklich den „Rätselcharakter der Kunst“ betonen. Den Text des Theaterstücks sowie das künstler-ische Konzept hat Heath auf der Basis der überlieferten Prozessakten über das Gerichtsverfahren der Jeanne d`Arc erarbeitet. Die von ihm gefertigten und auf der Bühne bewegten Figuren gestalten auch den scheinbar bekannten Stoff der „Jungfrau von Orleans“ in Heath` Dramaturgie so, dass er uns modernen Menschen etwas zu sagen hat. Die Aktualität seiner Inszenierung betont Richard Heath: „Um ihre Mission zu erfüllen, geht Jeanne den Weg ihrer Überzeugung, auch wenn es ihr Leben kosten kann. Somit ist sie auch heute noch in Zeiten von Vertreibung und Flüchtlingen ein Vorbild für Selbstlosigkeit und Integrität.“
Das Stück „Jeanne“ wird an zwei Terminen im Zwingenberger Theater mobile zu sehen sein: am 15. und 16. April jeweils um
20 Uhr. Mehr unter www.theater-weltfremd.de/Jeanne

