Seeheim-Jugenheim

Polnischer AbendStimmungsvolle Tänze präsentierte die aus Zwickau angereiste Tanzgruppe beim Polnischen Abend im Haus Hufnagel.
29. Dezember 2012 

Hallo sasiedz – Witam, Nachbar!

Im Rahmen der Ländererfahrung mit allen Sinnen luden der Seeheimer Partnerschaftsverein und Ausländerbeirat zum „Polnischen Abend“ ins Haus Hufnagel ein

SEEHEIM-JUGENHEIM, November 2012 (pem), „Wir werden älter, weniger und bunter!“ Diese Zukunftsperspektive des demographischen Wandels entwirft Bürgermeister Olaf Kühn auch für Seeheim-Jugenheim. Mit „bunter“ meint der Rathauschef, dass zunehmend Neubürger mit Migrationshintergrund die kommunalen Strukturen erweitern werden. Sie gehören einfach dazu – Stimmt das? Bedeutet nicht als „fremd“ wahrgenommen zu werden, automatisch integriert zu sein? Bereits jetzt leben schon viele Menschen unter uns, deren Wurzeln nicht in der Gemeinde liegen und die Seeheim-Jugenheim trotzdem als Heimat betrachten.

Im Vorübergehen sieht man sich häufig, weiß vielleicht sogar einen Namen – doch wen kennt man wirklich? Der Nachbar – das unbekannte Wesen. Aktives Integrieren gelingt nur auf der Basis von Vertrautheit: Es geht nicht darum sich anzupassen oder unauffällig zu sein. Ganz im Gegenteil Integration setzt voraus das Gesicht zu zeigen, sein Profil zu zeichnen, mit allem was an Geschichte, Kultur, Lebensgefühl und -erfahrung dahinter steht. Das Andere anders sein lassen mit Respekt und Anerkennung – das ist die Haltung, die wir einnehmen, um unsere Gesellschaft zu bereichern und das Zusammenleben tatsächlich farbiger zu gestalten. Darin besteht ein erklärtes Ziel des Partnerschaftsvereins Seeheim-Jugenheim.

Den Mitgliedern ist es wichtig, einerseits in den bestehenden Gemeindepartnerschaften die zwischenmenschliche „nicht offizielle“ Ebene der Rathauskontakte zu pflegen. Andererseits liegt es ihnen am Herzen, die Nachbarschaftskultur vor Ort zu intensivieren. Großen Erfolg in Sachen neu gestaltete Bürgernähe erzielt der Verein in Kooperation mit dem Ausländerbeirat mit den „Länderabenden“. Menschen präsentieren Mitmenschen ihr Ursprungsland für alle Sinne – das Prinzip hat sich bewährt und die Veranstaltungen erweisen sich als Publikumsmagnet. So war die Kapazität des Haus Hufnagels mit rund 200 Besuchern mehr als ausgelastet beim „Polnischen Abend“.

Am Anfang war auch hier das Wort, das Dichterwort, vorgetragen von Gretel Binder auf Polnisch und Martin Koldau auf Deutsch. In Prosa, aber dafür umso bildreicher, vermittelten Lidia und Oliver Lorenz polnische Impressionen. Durch ihren Diavortrag ließen sich die gespannt lauschenden Gäste auf eine Informationsreise mitnehmen. Die Bilder ersetzen oft das Geschichtsbuch: anhand der ausgebreiteten Gobelins erklärte Adelheid Koldau historische Ereignisse aus der wechselvollen Vergangenheit des Landes.

Die reiche musische Seele entfaltete ihre Schönheit in drei Beiträgen: Maciej Lukaszczyk würdigte einen größten Pianisten und Komponisten des 19. Jahrhunderts und einen der bedeutendsten Künstler Polens.
Der Präsident der Chopin Gesellschaft brachte eine Mazurka zu Gehör, schwungvoll und feinperlig, wie es für das musikalische Genie Frederic Chopin charakteristisch ist. Premiere hatte die eigens für den Abend gegründete Band. Um Nina Krawczewska sammelten sich Musiker aus Darmstadt und Seeheim-Jugenheim, denen die Spielfreude und der Erfolg des Abends schon einen Weg in die Zukunft weiterer Auftritte gebahnt hat. Der wirbelnde Rausch farbenprächtiger Kostüme und munterer Bewegungen faszinierte die Zuschauer an der Tanzgruppe. 400 Kilometer Anreise aus Zwickau hatten die Tänzerinnen unter der Leitung von Editha Strake nicht gescheut, um die Seeheimer mit Darbietungen aus vier Landesteilen zu erfreuen.

Am meisten verbindet jedoch Menschen das gemeinsame Essen. Deshalb folgte man der Tradition der Länderabende mit einem vor landestypischen Köstlichkeiten überbordenden Büffet. Spezialitäten wie die Rote-Beete-Suppe; „Borcz“, gefüllte Kroketten, Käse- und Mohnkuchen und natürlich das legendäre Bier luden zum Schlemmen ein. Vielleicht versuchte sich mit polnisch eingestimmtem Gaumen, der ein und andere auch an ersten polnischen Worten: gemischtes Vokabular, doch eindeutig das Gefühl: Einfach „cudowny“ dieser Abend, ein wunderbarer „wieczór“!

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Dieser Artikel erschien in der Dezemberausgabe des Melibokus Rundblick (Nr. 160).