Garten-Natur-Tiere, Seeheim-Jugenheim, Sport

Jugendwartin Lisa Haller vermittelte den jungen Teilnehmerinnen, die Grundbegriffe des Reitens. Foto: soe
06. Januar 2016 

Herbstvergnügen hoch zu Ross

Vom Ferien-Ponyreitkurs bis zum PM Schulpferde-CUP beweist sich der Reit- und Fahrverein Seeheim einmal mehr als beste Adresse für junge Pferdefreunde

SEEHEIM-JUGENHEIM, Januar 2016 (pem), „Knuddelig, schnuffig, einfach süß“- so sind Ponys, zumindest in den verzückten Augen der jüngsten Generation von Pferdenärrinnen. Tatsächlich zeichnen sich die Pferde mit Stockmaß unter 148 cm durch einen kräftigen rundlichen Körperbau und robuste Widerstandsfähigkeit und Belastbarkeit aus – auch nervliche. Nach schweren Zeiten in harten Arbeitseinsätzen z.B. als Zugtiere unter Tage, haben die pummelig putzigen Vierhufer mit den Kinderherzen auch den Freizeitsportbreich erobert.

Um auf Augenhöhe mit dem sportlichen Nachwuchspotenzial gelangen zu können, hatte der Seeheimer Reit- und Fahrverein vor einiger Zeit seine Stalltüren einigen kleinen vierbeinigen Mitarbeitern geöffnet. Nicht nur die Begeisterung der Kids für das jeden zweiten Sonntag angebotene geführte Schnupper-Pony-reiten, gab der Entscheidung Recht. Die regulären Kinderreitstunden sind auch gut ausgelastet. Größter Beliebtheit erfreuen sich aber die einwöchigen Ferienkurse für Kinder ab fünf Jahre. Im Mittelpunkt steht das Kennenlernen, der erste Kontakt als Reiter mit Körperkoordination und Motorikförderung. Trotz ihrer freundlichen und friedfertigen Natur, die es kleinen Reitern leicht macht, sich die ersten Sporen zu verdienen, sind Ponys aber auch erwachsene, charaktervolle Individuen.

Und irgendwie sind sie auch plötzlich viel größer, wenn man so davor steht und hinauf soll und wenn man dann erst oben sitzt und nicht runterfallen will. Es gibt schon verschiedene Herzklopfmomente beim frühen Start in die Reiterkarriere. Deshalb ist die Betreuung im Ponyreitkurs intensiv. Auf die sechs Schüler des Herbstferienreitkurses kamen drei Lehrer. Neben Reiten gab es noch viel zu tun mit Stallarbeiten oder beim Steckenpferdbasteln. Das abschließende Highlight war ein Ritt ins Gelände und dabei saßen alle schon viel fester, aber auch entspannter und selbstbewusster im Sattel als zu Wochenanfang.

Dank entsprechend lizensierter Reitlehrer kann der Verein die Ausbildung qualifiziert über alle Leistungsstufen bis zum Reiterabzeichen betreuen. Dass man auch ins Interesse anderer Vereine rückt, liegt daran, dass sich Seeheim als Austragungsort des „Schulpferde Cups“ etabliert hat. Hier finden – wie an bundesweit 14 anderen Standorten – die Qualifikationen für die Entscheidungen auf Landesebene statt, bis das Finale im Rahmen der „Equitana“ den Bundessieger ermittelt. In diesem Team-Wettbewerb wird jungen Reitern die Möglichkeit gegeben, ohne eigene Pferde Turniererfahrung in Dressur und beim Springen zu sammeln. Wie beim Reiterabzeichen macht ein Theorieblock einen Punkte relevanten Teil der Prüfung aus. Ein weiterer besteht im „Vormustern“, dem Führen des Pferdes an der Hand in verschiedenen Gangarten. Damit sind noch nicht alle Möglichkeiten der Vergleichskriterien ausgeschöpft. Die strengen Blicke der professionellen Turnierrichter befassen sich mit Optik und Ästhetik von Ross und Reiter.

Kunstvolles Mähnen- und Schweifstyling, „Corporate Identity“ durch Farbgestaltung von Reiter T-Shirt über Satteldecke bis zum Pferdeohrenschutz können deshalb wirkungsvolle Maßnahmen sein. Je harmonischer und homogener das Erscheinungsbild der Mannschaft, desto aussichtsreicher. Nicht jeder Punkt wird durch sportliche Leistung erworben. Reiten ist eine Paarsportart, wobei mitunter eben auch der vierbeinige Partner Nerven zeigt. „Man merkt, dass einige Teams mit sehr turniererfahrenen Pferden unterwegs sind, die jeden Parcours fast von alleine bewältigen können. Ein solcher Ritt unterscheidet sich natürlich klar von einem Durchgang mit einem Pferd, dem diese Routine fehlt, “ gibt Christine Pagnia zu bedenken. Das erleichtert die Bewertung nicht gerade. Natürlich tritt jede Mannschaft mit Siegeseifer an, doch überwiegt bei den CUP´s immer die Atmosphäre eines Großfamilientreffens der Pferde- und Reitbegeisterten frei von neidvoll erbittertem Konkurrenzkampf. Im Vordergrund steht die eigene Leistungspegelbestimmung. Auch die regelmäßige Durchführung der Veranstaltung im Frühjahr und Herbst gibt den engagierten Initiatoren Recht: „Anfangs war uns immer bange, ob wir die zur Durchführung geforderten fünf Mannschaften an den Start kriegen würden“, erinnert sich Christine Pagnia.

„In diesem Herbst meldeten sich gleich ein Dutzend Mannschaften an, die zum Teil sehr weite Anreisen auf sich nahmen. Weil also mehr als zweimal fünf Teams antraten, konnten wir auch zwei Qualifikationsplätze vergeben.“ Erfolgreich war in dieser Auflage das Reitsportzentrum Mohr aus Bensheim. Für den Verein bedeutet jede Ausrichtung zugleich einen hohen Aufwand an Logistikplanung und Gesamtorganisation, wie auch eine willkommene Einnahmequelle durch die Startgelder, aber auch eine Einnahmequelle, z.B. durch den Vorbereitungskurs, der für ein halbes Jahr eine zusätzliche Einheit auf den Reitstundenplan setzt. „Für den ganzen Verein ist es jedes Mal einfach ein tolles Event! Durch das intensive Training kommt nicht nur ein ganz starker Teamgeist auf, hier wachsen auch echte Freundschaften, weil man sich als Gastgeber von der besten Seite zeigen möchte, kommt auch in den ganzen Stall der Impuls zum gründlichsten Ordnung machen, der ganze Vereinsgeist erneuert sich.“ Dieser Gemeinschaftssinn der Pferdefreunde fängt alle ein, die alten Hasen im Sattel und die jüngsten Ponyreiter-Kids.