Hier stimmt´s in allen Tonlagen
Mit einem Herbstkonzert feierte der MGV 1859 Seeheim zusammen mit Gastchören sein 155-jähriges Bestehen als ältester Verein der Bergstraße
SEEHEIM-JUGENHEIM, Januar 2015 (pem), „Ich lade gern mir Gäste ein“, intonierte der gemischte Chor MGV 1859 Seeheim gleichermaßen als Hausherren und Jubilare. Mit einem Herbstkonzert feierte die Sängerschaft das 155-jährige Bestehen, das sie zum ältesten Verein der Bergstraße macht. Um ein Programm zu gestalten so vielfarbig wie ein Herbstblätterstrauß, bat man benachbarte und befreundete Chöre zur Mitwirkung.
Der zweite Seeheimer Chor, die Sängervereinigung, zählt fast schon zu den Ausnahmephänomenen. In Zeiten des viel beklagten Tenor- und Bassstimmenmangels steht hier eine solide Herrenmannschaft auf der Bühne, die in allen Lagen bestens aufgestellt ist. So hat Chorleiter Johann Leber leichtes Spiel beim Modellieren seiner Interpretationen des traditionellen Repertoires. Das Publikum war angetan von den „guten alten“ Klängen, die man nicht mehr oft in solcher stimmlichen Harmonie dargeboten bekommt. Einen weiblichen Gegenakzent setzte die Germania Eberstadt.
Ihren Geburtstagsgruß entboten die Damen mit frischen hell perlenden Tönen geführt von zarter und präziser Hand der Leiterin Angelika Henß. Sie verbreiteten internationales Flair mit dem afrikanischen „Siyehamba“, dem italienischen Charme der „Bella Bimba“ und dem Hannes-Wader-Wander-Lied: „Heute hier, morgen dort“. Mit einem musikalischen „Fräuleinwunder“ reihte sich in die Gratulanten der Hähnleiner Chor 2000 ein. Klaus Jehlicka hatte seine Stückauswahl für die Sängerinnen aus Titeln der Fünfzigerjahre getroffen. Mit zwei Auftritten breiteten die Gastgeber das Spektrum ihrer Sangeskunst aus.
Unter der Leitung von Andreas Moschner hatte der gemischte Chor einen deutlichen Impuls bekommen, die vorhandenen Potenziale noch besser freizusetzen. Manche Geburtstagkinder kommen nur in die Jahre, andere können Zeugnis von ihrer Reifung ablegen. Selbst wenn unverändert die Pflege des klassischen Liedgutes im Mittelpunkt steht, bewies man dem Publikum, dass auch dabei ein Hauch Moderne keinen Schaden tut.
Der zweite Block galt Schlagern der Siebzigerjahre. Weil Andreas Moschner mit Sensibilität das ihm zur Verfügung stehende Chorstimmenmaterial ausschöpft, gelingt ihm intensive Ausdrucksstärke. Das schafft nicht nur Zustimmung, sondern kreiert echte Gefühlsbewegung. „Sierra Madre del Sul“ animierte den Saal zu andächtigem Mitsummen und angedeutete Wunderkerzen schwenken. Das hellste Glanzlicht des Abends setzte ohne Zweifel der junge Chor des MGV.
Bei „Stimmbar“ stimmt´s einfach. Andreas Moschner hat auch hier ganze Arbeit beim Feilen an der Sangesqualität geleistet. Resultat ist ein Chor als volltönender Klangkörper, der flexibel und exakt einzusetzen ist. Der Reiz liegt in den Kontrasten. Beim von allen Chören gesungenen Abschlusslied trafen einander die Herzen des Publikums und Sänger aufeinander „Thank you for the music“ doch es darf offen bleiben, ob Zuhören oder selber Singen glücklicher macht.
