Seeheim-Jugenheim

Da staunten nicht nur die kleinen Gäste: Riesige Seifenblasen schwebten am Stand des Frauen- und Familienzentrums SzenenWechsel in die Luft. Foto: soe
07. September 2017 

Jugenheimer Friedensbrunnen wurde zur Quelle der Feierlaune

Rund dreitausend Gäste kamen – Tanzenergie bis zum Morgen – Der Jugenheimer Verkehrs- und Verschönerungsverein freut sich über den immensen Erfolg

SEEHEIM-JUGENHEIM, September 2017 (pem), Der Brunnen als einziger Frischwasserlieferant hat in der heutigen Zeit ausgedient. Er gewinnt jedoch in der Rolle des ortsprägenden Elementes immer mehr an Bedeutung. Der Wunsch der Menschen nach lebendigen Zentren, die als kommunikative Treffpunkte dienen, ist in der modernen Welt präsenter denn je. Die natürlich gewachsene Dorfplatzromatik aus früheren Zeiten gibt es zwar nicht mehr, doch wie wäre es, die Volksliedromantik mit aktuellen Rhythmen in Schwung zu bringen?

Der Gedanke entstand in den Reihen der Mitglieder des Jugenheimer Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Das eigentlich schon vorhandene Herz des Ortes zum munteren Puls verhelfen mit einem Fest als Initialzündung! Durch die Feier ließe sich der Friedensbrunnen selber aus der Taufe heben als Wahrzeichen und Symbol der gelebten Gemeinschaftskultur.

Der Enthusiasmus und das Engagement der Vereinsmitglieder war erwacht, um das Fest in etlichen Monaten vorzubereiten. Für die unermüdliche Einsatzbereitschaft belohnte sie ein unvergesslich schönes Fest, das Besucher zur Höchstform ihrer Feierenergie auflaufen ließ. „Wir wissen nicht einmal, ob dieses Fest tatsächlich das erste ist,“ räumt Vorstandsmitglied Claudia Schäfer ein. Bei Archivsichtungen war man auf Fotografien gestoßen, die eine Versammlung feierlich gekleideter Honoratioren zeigte ohne dass der Anlass zu dieser Aufnahme sich klärte. Der lokale, überregional bekannte und häufig beauftragte Künstler Daniel Greiner schuf das Monument zum Gedenken an den Krieg von 1870/71 in einem bereits wieder unheilschwangeren Moment der Geschichte am Vorabend des ersten Weltkriegs.

Die Generationen überdauernde Friedenssehnsucht mag ebenfalls den Wunsch nach aktivem Gemeinschaftsleben weiterhin beflügeln und erneuern. Der Einstand war jedenfalls furios. Ein kurzweiliges Programm bescherte Jung und Alt einen vergnügten Samstagnachmittag. Den ökumenischen Gottesdienst von Pfarrer Hans-Peter Rabenau und Bruder Martin Kleespies gehalten, bereicherte die Musikgruppe der Kirchenmusikerin Monika Hözle-Wiesen. Obwohl der Platz sehr begrenzt ist, der dem Brunnen nach seiner Straßenbau bedingten Versetzung in den 70er Jahren blieb, war die Fläche ausreichend für die Umsetzung origineller Festaktivitäten.

Der Verein Szenenwechsel unterhielt das jüngste Publikum bestens mit Herstellen von Seifenblasen, auf dem Flohmarkt kamen Stöberer und Schnäppchenjäger auf ihre Kosten, ein Spieleparcours amüsierte ganze Familien, und die vielfältigen Beköstigungsangebote ließen kaum einen Wunsch offen. Für die akustische Würze und Brunnenfrische sorgte mit dem Besten der Gute-Laune-Musik die Liveband „Pina Colada“. Mit den Abendstunden erhöhte sich der Besucherzustrom abermals: „Wir sind restlos fasziniert von der überwältigenden Frequenz!“, gestand der nur als „Moppel“ bekannte eifrige Mit-Organisator. „Die Leut‘ waren nicht zu bremsen und haben getanzt wie der Lump am Stecken bis zum Morgengrauen!“ Er selbst verzichtete dann auf jegliche Nachtruhe und wurde bis Frühschoppenbeginn noch zum guten Wassergeist, der die grobe Ordnung wieder herstellte. Ja, er schuftete buchstäblich wie die „Brunneputzer“. Moppel tauchte also in den Friedensbrunnen zur Unratentfernung. „Man sagt, wer mal da drin war, ist echter Juremer!“, scherzte der Übernächtigte über die Aktion.

Schon war aber wieder eine neue Idee geboren für das geplante nächstjährige Brunnenfest: Eine „Neubürgertaufe“. Wer von den Zugezogenen Juremer werden möchte, wird zumindest mit einem Guss Brunnennass willkommen geheißen und in die Gemeinschaft aufgenommen! Schon bis zum sonntäglichen Frühschoppen dessen Festausklang „Petzi“ musikalisch untermalte, waren im Verein 76 Dankes- und Anerkennungsmails eingegangen: Daumen hoch, man „liked“ das Fest! Das Ziel, das der erste Vereinsvorsitzende Jochen Daum formuliert hatte, war grandios erreicht: „Wir möchten Jugenheim ein neues, schönes Fest zusätzlich zur Kerb schenken!“