Kaiserjäger, Polizist, Winzer und junge 70 Jahre alt
Der Hähnleiner Horst May wurde im April 70 Jahre alt – Große Verdienste im Leichtathletiksport in der Region und sein Bekanntheitsgrad als Polizist zeichnen ihn aus
ZWINGENBERG, Juni 2012 (sawe), Pure Freude spricht aus den strahlend blauen Augen, wenn Horst May von seinem Leben erzählt – der Ehrenvorsitzende des VfL Zwingenberg, ehemalige Polizist, erfolgreiche Speerwerfer, Hobbywinzer, geborene Hähnleiner und passionierte Jäger wurde im April 70 Jahre jung. Im urigen Gewölbekeller seines Hauses plaudert er von seiner Familie, dem Job, dem Sport und der Jagd: „Heute Nacht gehe ich auf Sauen“, sagt er, im Revier Einhausen Nord. In der Vollmondnacht ist die Sicht sehr gut und bei der derzeit hohen Schwarzwildpopulation die Chance auf einen Abschuss gegeben. „Hier unten war einmal der Rübenkeller, obendrüber der Kuhstall“, ist May gleich mitten in der nächsten Geschichte, davon, wie er eigenhändig den bunten Naturstein freigelegt und frisch verfugt hat. Heute ist eine echte, zünftige Jägerklause mit zahllosen Jagdtrophäen geschmückt aus dem Rübenkeller geworden.
„Nach der Jagd, wenn das erlegte Tier im Hof platziert ist, sitzen wir hier und reden, trinken einen Klaren auf den Erfolg“, das ist gepflegte Jagdtradition. Die brachte den gebürtigen Hähnleiner sogar bis nach Groß-Rohrheim, wo er mit seinen Jagdkollegen Jürgen Kehl und Rolf Burckhardt zusammen auf die Pirsch ging oder den Hochsitz nächtelang bevölkerte. „Da gibt es noch den ein oder anderen, den ich mit gebaut habe“, erinnert sich der Waidmann, der auf einem Umweg zur Leidenschaft für Natur und Wild kam. „Mein Sohn Michael wollte mit 15 Jahren (1988) unbedingt Förster werden“, sagt er. Also gingen Vater und Sohn gemeinsam die Schulbank drücken für den Jagdschein. Förster wurde Michael May nicht, aber auf die Jagd geht er noch immer. Den ersten Keiler erlegte May 2003 – ein Prachtstück mit 80 Kilogramm Gewicht. Der präparierte Kopf hängt in der Jagdklause. „Die Gewehre arrangiere ich in einer besonderen Weise“, zeigt Horst May auf einen großen Holzbogen mit sehr vielen Zahnarrangements – das Beiß- und Reißwerkzeug der Keiler nennt man fachmännisch „Gewehr“. Mit dem Erlegen der 200. Wildsau wurde er 2006 vom ehemaligen Landrat Franz Hartnagel, der den Beinamen „Kaiser“ führte, zum „Kaiserjäger mit dem feinen Gespür fürs Wild“ ernannt.
Als Polizist war der heute in Zwingenberg lebende Horst May Oberkommissar in Bensheim, wo er neben dem Streifendienst (bis 1978) als Ermittler tätig war. Und wie es so passiert nahm er einmal eine Anzeige eines Ungarn auf, der an der Bergstraße Urlaub machte. „Als Dank dafür lud er mich nach Ungarn zur Jagd ein“, deutet May auf ein immenses Geweih im Wohnzimmer des Hauses. Auch seine sportlichen Erfolge sollen hier nicht unerwähnt bleiben: immerhin erreichte May 1962 mit einer Speerwurfweite von 50,99 Meter den Titel „Hessischer Polizei-Vizemeister“; Bezirksmeister wurde er 1963 mit 54,40 Metern; seine persönliche Bestleistung lag bei 54,85 Meter. „Leichtathletik war in den sechziger Jahren mein absolutes Hobby und eine Herausforderung“, erzählt May. Das führte dazu, dass er zusammen mit den Leichtathleten in Eigenleistung, die Stadt Zwingenberg finanzierte lediglich das Material, eine Weitsprunganlage, Diskusanlage, Speerwurf- und Kugelstoßanlage zum vorhandenen Leichtathletikareal baute. Er organisierte Sportfeste mit überregionaler Bedeutung und erfand den „Germanischen Fünfkampf“ für Zwingenberg. Das alles geschah unter dem Dach des SV Eintracht Zwingenberg. 1979 gründete May mit Gleichgesinnten den reinen Leichtathletikverein VfL-Zwingenberg. Zwanzig Jahre war er Erster Vorsitzender (bis 2000) und verantwortlich für nahezu 50 große Leichtathletiksportfeste. Der Landesehrenbrief für ehrenamtliches Engagement für die Allgemeinheit und den Sport sowie der Ehrenpokal des Leichtathletikbezirks Darmstadt krönten 1986 sein Wirken.
Als Hobbywinzer produziert Horst May seinen eigenen trockenen Silvaner, dessen Traube am Zwingenberger Steilhang gedeiht. Mit Gattin Renate ist er seit 1967 verheiratet, Sohn Michael kam 1973 zur Welt.
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Dieser Artikel erschien in der Juni-Ausgabe des Melibokus Rundblick (Nr.156).

