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Eine neue Infotafel am Ortsrand von Langwaden mit Informationen über die geplante Neubaustrecke der Deutschen Bahn entlang der A67 wurde kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Unser Foto zeigt (v.li.) Bensheims Bürgermeisterin Christine Klein, Ortsvorsteher Günter Bischof und Reinhard Strauch, Vorstand des Umweltverbandes „Mensch vor Verkehr“. Foto: soe
05. März 2021 

Langwaden befürchtet Schienenlärm

Infotafel zur ICE-Neubaustrecke

LANGWADEN, März 2021 (pes), Im November wurden die Weichen neu gestellt: Die Bahn teilte mit, wie die Streckenführung der ICE-Neubaustrecke durch den Kreis Bergstraße am Ende aussehen soll. Demnach ist geplant, dass die Gleise zwischen Darmstadt bis Lorsch gemäß der von den Bergsträßer Kommunen befürworteten „Konsenstrasse“ parallel zur A 67 verlaufen sollen. Auf einen bergmännischen Tunnel von Langwaden bis hinter Lorsch müssen die angrenzenden Kommunen allerdings nach aktueller Sachlage wohl verzichten.

Die Entscheidung für die Vorzugsvariante II.b gilt als wichtiger Meilenstein für die Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim. Dass es bei dem Megaprojekt zu keiner zusätzlichen Lärmbelastung der Anwohner der Bensheimer Kernstadt und in Auerbach kommen wird und dass eine Abtrennung der Ried-Stadtteile vom Tisch ist, wurde seitens der Stadt Bensheim ausdrücklich begrüßt. Jetzt liegt das Hauptaugenmerk auf dem kleinen Stadtteil Langwaden. Denn dort wären die Anwohner von der Trasse besonders stark betroffen, wie Robert Loreth aus dem Ortsbeirat betont. Von allen Siedlungen im betreffenden Streckenbereich habe Langwaden die mit Abstand höchste Geräuschbelastung zu erwarten. Insbesondere der nächtliche Güterverkehr werde für Ärger sorgen. Außerdem würden der Planung rund 90 Hektar Waldfläche zum Opfer fallen.

Gemeinsam mit Ortsvorsteher Günter Bischof der Bensheimer Bürgermeisterin Christine Klein hat Loreth eine Infotafel an einem Wirtschaftsweg östlich der Autobahn aufgestellt. Kooperationspartner ist der Umweltverband „Mensch vor Verkehr“ (MvV), in dem Loreth ebenfalls aktiv ist. Auf der Tafel werden die Belastungen durch Lärm und Flächenverbrauch aufgeführt, wenn künftig ICE und Güterzüge unmittelbar an Ortschaft vorbeifahren könnten. Auch über die finalen Abstände zwischen Autobahn und Gleisen sei bislang noch nichts bekannt, heißt es von den Kritikern. Die Schneise könne am Ende sehr nah an den Ort heranrücken.

Für eine Umsetzung der sogenannten Schutzfälle (SF) müsse man bei einer ebenerdigen Führung der Trasse mit einem enormen Aufwand rechnen. Für Langwaden geht Loreth von mindestens 24 Schutzfällen aus, die durch Lärmschutzmaßnahmen gelöst werden müssten. Ein Schutzfall ergibt sich, wenn ein Gebäude von bestimmten Lärmgrenzwerten betroffen ist und daher besondere Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Offenbar gehe es der Bahn weniger um die Menschen als um die Wirtschaft, kritisiert Reimund Strauch. Der Sprecher von „Mensch vor Verkehr“ hat weiterhin den rechtlichen Weg im Visier. Allerdings ruhen die Hoffnungen jetzt zunächst auf dem mittlerweile von der Bahn zugesagten Projektbeirat, der bei der Ausarbeitung der ausgewählten Vorzugsvariante eine wichtige Rolle spielen wird.

Das Gremium soll auf Augenhöhe eine bestmögliche Führung und Ausgestaltung diskutieren und die Entscheidungen der Bahn nach eigenen Vorstellungen beeinflussen. Im Projektbeirat „Bensheim-Mannheim/Waldhof“ sollen Vertreter von Umwelt- und Naturschutzverbänden, Kommunen und Bürgerinitiativen dabei sein. Unter anderem sind die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der Nabu und der BUND im Gremium. Hinzu kommen der Landrat und Vertreter von Fahrgast- und Wirtschaftsverbänden sowie die zuständigen Bundestagsabgeordneten.

Der Dialog im Projektbeirat ist der parlamentarischen Debatte im Bundestag vorgeschaltet. Hier soll nun festgelegt werden, welche Ziele und Forderungen im Bundestagsbeschluss aufgenommen werden sollen. Auf kommunaler Ebene hat auch die neue Bensheimer Rathauschefin Christine Klein dem Ortsbeirat ihre Unterstützung zugesagt. Es komme jetzt darauf an, eine für Langwaden verträgliche Lösung durchzusetzen.