Seeheim-Jugenheim

Geschichten aus der Schulzeit von einst in hessischer Mundart trugen Erika Witt, Karin Rahn und Rosemarie Crößmann (v.re.) vor. Musikalisch unterstützt wurden sie dabei von Michael Freund. Foto: soe
04. Juni 2016 

Mundartliche Kabinettstückchen rund um das Schulwesen

Beim Vortrag von Anekdoten und der Vorstellung des ehemaligen Malchner Schul-Harmoniums im Seeheimer Schulmuseum erinnerte man sich wieder gerne an vergangene Schultage

SEEHEIM-JUGENHEIM, Juni 2016 (pem), Der Traum war vor einem Jahr für Erika und Konrad Witt Wirklichkeit geworden: Sie konnten die Türen des Schulmuseums öffnen, was Seeheim nun um eine kulturelle Attraktion bereichert. Nichts hatte sich das Lehrerehepaar sehnlicher gewünscht, als wenigstens einen Teil der in Jahrzehnte währender Sammelleidenschaft zusammengetragenen Objekte einen würdigen Rahmen zu geben und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der historische Verein unterstützt die Betreuung, so dass sich zu regelmäßigen Öffnungszeiten und in einzelnen vereinbarten Führungen schon eine enorme Zahl von Besuchern faszinieren ließen. Die Kuriositäten, Raritäten und Exponate spiegeln den einfachen pädagogischen Alltag früherer Tage in der Region wider. Auch als Veranstaltungsort bietet sich der Raum an, denn den durchaus zur Benutzung freigegebenen Original-Schulbänken kann mühelos noch normale Bestuhlung beigefügt werden. Zu einem „Unterhaltsamen Nachmittag mit Lesungen und Musik“ luden die Museumsmacher ein. Erika und Konrad Witt hatten aus dem „großen Buch des Darmstädter Humors“ sowie aus Friedrich Stolzes „Frankfurter Geschichten“ von 1961 einen bunten Strauß von mundartlichen Kabinettstückchen rund um das Schulwesen der guten alten Zeit zusammengestellt. Wechselweise, auch mal in Rollenverteilung bei einem Sketch trugen sie, unterstützt von Karin Rahn, diese literarischen Kleinodien zum Amüsement der Hörerschaft vor.

Das Flair von Lehrer-Lämpel-Idylle und dem „Oald-Seejm vun frieher“ aus den Vitrinen schien sich auszubreiten. Schmunzelndes Wiedererkennen, erwachendes Erinnern, ein schwacher Hauch von Melancholie umgab das Publikum.

Besonderes Glanzlicht war das von Rosemarie Crössmann gelesene Gedicht des „Lokal-Originals“ Theo Speckhardt mit Anspielungen auf Seeheimer Bürger. Vieles was die Anekdoten und Gedichte mit knappen Worten streiften, war ja aus eigener Anschauung bekannt und zog gewiss in großen Gedankenkreise viel eigene innere Bilder und Gefühle beim Publikum herauf. Der Musik der Kindertage entsann man sich noch bestens; per Dekret durfte keine Volksschule existieren, ohne Geige spielenden Lehrer oder ohne ein Harmonium. Das Blasebalg betriebene Klavierähnliche Instrument ist heute gänzlich aus der Mode und der Klanggewöhnung gekommen. Umso gespannter waren die Besucher auf den ersten öffentlich Auftritt des Harmoniums, das einst der Malchner Schule gehörte. Johannes Sturm war die Rettung beim Abriss des Gebäudes aus den Trümmern zu danken, seiner Schwiegertochter Dorothea die Überlassung des Instrumentes an das Schulmuseum. „Es war keine kleine Investition aber eine, die sich gelohnt hat“, kommentiert Konrad Witt die Restauration des Harmoniums. „Der renommierte Orgelbauer aus Bensheim, der die Arbeit ausgeführt hat, versicherte uns, dass wir ein sehr rares und wertvolles Stück besitzen!“ Zu den wenigen Musikern, die der näselnd kurzatmig sonoren Stimme der „Armeleuteorgel“ noch zum kunstvollen Ausdruck zu verhelfen vermögen, zählt Michael Freund. Er brachte ein paar Präludien von Bach, das „A la Turca“, den „türkischen Marsch“ Mozarts und als Erika Witts persönliche Wunsch-Zugabe einen Tango zu Gehör.
Die Grüße aus den besten Seiten der alten Zeiten begleiteten die sehr beschwingt gerührten Besucher noch über den Nachmittag hinaus.