Startnews, Zwingenberg und Rodau

Desert Crow ist das Ergebnis eines Jugendtraumes, welcher vor mehr als 30 Jahren begann und 2008 realisiert wurde. Das Hauptaugenmerk der Vier liegt auf der Veröffentlichung von eigenen Songs. Foto: meli
18. Dezember 2020 

Neues Album mit langer Vorlaufzeit

Zwingenberger Band Desert Crow veröffentlicht zweite CD

ZWINGENBERG, Dezember 2020 (pes), Vier Jahre Arbeit für ein Album: das klingt eher nach Pink Floyd oder anderen Rock-Dinosauriern. Doch auch die neue CD der Zwingenberger Band Desert Crow hat lange auf sich warten lassen. Jetzt ist „Perception of Pain“ endlich erschienen. Mitten in einer Phase, in der es für die Musik alles andere als rosig ausschaut.


Die „Wahrnehmung des Schmerzes“ ist ein passender Titel. Das Release-Konzert in Pfungstadt Mitte Oktober ging wegen der Corona-Bedingungen vor nur 30 geladenen Gästen über die Bühne. Weitere geplante Termine im laufenden Jahr sind abgesagt. „Seltsame Zeiten“, kommentiert Gründungsmitglied und Bassist Volker Marschner. Gemeinsam mit Gitarrist Thomas Haarmann, Schlagzeuger Michael Heil und dem Tontechniker Karsten Dilly an der zweiten Gitarre serviert er schnörkellosen, melodischen Classic Rock in verschiedenen Facetten. Einflüsse von AC/DC, Metallica oder Golden Earring sind kaum zu überhören, doch die eigenen Songs sind für das Quartett mit Abstand die Königsdisziplin.
13 Stücke vereint das neue Album. Darunter zupackende Uptempo-Nummern wie „Blood & Pain“ und „Thunder“, aber auch softere Songs wie „Bolt Out Of The Blue“, „Perception“ oder das melancholische „Moments“. Mit „Was kann ich tun“ ist auch ein deutscher Titel mit dabei. Eine musikalische Auseinandersetzung mit dem Thema Depressionen. „Foreign Town“ hat Volker Marschner in einer Kneipe auf einem Bierdeckel getextet. Das Video ist auf YouTube zu sehen.
Ein Zusammenschnitt aus abendlichen urbanen Impressionen und rauer Probenkeller-Atmos-phäre. Ehrliche Songs, die authentisch von den Härten und Untiefen des Lebens berichten. Die Ursprünge der Band reichen bis ins Jahr 2006 zurück. Irgendwann nach einem Konzertbesuch keimte ein alter Jugendtraum wieder auf. In den folgenden Jahren machte die Formation mehrere Besetzungswechsel durch. Marschner und Heil blieben dabei. Ab 2008 unter dem Namen Desert Crow. Im Jahr darauf folgte der erste Live-Gig auf der Hof-Party eines Kumpels. Im April 2011 erschienen elf eigene Songs auf dem Debut „Bolt Out Of The Blue“. Danach machte die Band beim Keipenfestival in Pfungstadt, der Zwingenberger Kerb oder beim Gurkenfest in Biblis von sich reden. Als Höhepunkt bezeichnet Volker Marschner die Teilnahme beim Bandcontest im Steinbruch-Theater 2013. Im gleichen Jahr stieß Sängerin Doro dazu, doch es blieb bei einer kurzen Liaison. Auch Versuche mit einer anderen weiblichen Stimme führten nicht ans gewünschte Ziel.
Mal war man zu dritt, dann wieder zu viert, wechselte Instrumente und kombinierte verschiedene Optionen. Gerade, als man sich als schlankes Trio neu formiert hatte, wurde der Tontechniker Karsten nach vier Jahren an den Reglern zusätzlich als Rhythmusgitarrist verpflichtet. Nach den ersten Ideen zur zweiten CD wurde für 2017 ein Studio reserviert. „Ein Großteil der Tracks war damals schon aufgenommen“, so Marschner.
Die besagten Besetzungswechsel im Verlauf des Jahres 2018 hatten eine Fertigstellung immer wieder ausgebremst. „Wir wollten den Sound auf der CD noch weiter verbessern“, so der Bassist über eine „never ending Story“. Und dann, nach einem konstruktiven 2019 mit erfolgreichen Gigs, letzten Studio-Einspielungen und großen Hoffnungen auf das folgende Jahr, da schneite plötzlich ein neues Virus ins Land, das die ganze Welt verändern sollte. Ab März wurden die Musiker quasi in Quarantäne geschickt. Live-Konzerte: Fehlanzeige! Termine wurden abgesagt. Dafür schickte die Band einige klangvolle Wohnzimmer-Videos durch die einschlägigen Kanäle.
Und Volker Marschner hatte wieder mehr Zeit für sein zweites Hobby: Kochen. Seine Menüsammlung „Rock´n´Roll am Herd“ vereint Gerichte, „die ich gerne vor einem Konzert essen möchte, die mir aber niemand kocht“. Ausgarniert sind die 60 Rezepte mit Tipps und kleinen Stories aus der Musikszene. Queens „Bohemian Rhapsody“ beispielsweise harmoniere gut zu einem pikanten Chicken Marsala, so der brutzelnde Bassmann. Denn auch die Vorfahren von Freddy Mercury stammten aus Indien. Das zweite Kochbuch ist gerade in Arbeit. Hoffentlich dauert dessen Fertigstellung nicht auch vier Jahre. Marschner ist zuversichtlich. Und Desert Crow bleiben hungrig. Auf kommende Gigs und das Spielen vor Menschen aus Fleisch und Blut. Denn irgendwann ist auch mal gut mit „Leiden“.