Sängerstandards, Schlagerseligkeit und Swingsound
Im Konzert zum 125-jährigen Jubiläum erwiesen der Sängervereinigung 1891 Seeheim prominente Gratulanten und befreundete Chöre mit einem reichen Programm die Ehre
SEEHEIM-JUGENHEIM, Juni 2016 (pem), „Tausend Künste kann der Teufel, aber singen kann er nicht! Denn die Klänge einer Stimme ist der Seele Weg zum Licht.“ Diese poetische Ehrung des Gesanges stellte Gabi Dengler ihrer Gratulation zum 125-jährigen Bestehen der Sängervereinigung Seeheim voran. Die Vorsitzende des Sängerbundes Darmstadt-Land überbrachte zugleich Grußbotschaften von Chorverbänden auf Landes- und Bundesebene. Lokale Glückwünsche trug Luise Bröning als Vorsitzende des Arbeitskreises örtlicher Vereine heran. Schirmherr Bürgermeister Olaf Kühn wurde vertreten durch Torsten Leveringhaus, der besonders das gesellschaftliche Engagement des ältesten Seeheimer Vereins hervorhob. Er verwies auf die Aktivitäten, wie die Ausrichtung von Karnevalsveranstaltungen und Laientheater sowie die Betreuung der Anlage der Elsbachmühle, die über die Pflege von Liedgut und Sanges-tradition hinausreichten. Alle Redner waren sich einig in der Bedeutung des Musizierens für den Menschen: Musik schafft Gemeinschaft, überwindet alle Grenzen, berührt und ist Balsam für die Seele.
In diesem Sinn hieß auch der Sängervereinigungs-Vorsitzende Klaus Keimp das Publikum des Jubiläumskonzerts willkommen. Um den Abend möglichst abwechslungsreich zu gestalten, hatte man zahlreiche Mitwirkende gewinnen können. Die unter dem gleichen Vereinsdach assoziierten Sängerschaften MGV Gemischter Chor und „Stimmbar“ sowie des Akkordeonorchesters ergänzten die eigenen Darbietungen. Dass man auch den Gemischten Chor GV Sängerlust und den „Chor 2000“ aus Hähnlein zu Gast hatte, beruht auf einer Gemeinsamkeit: die Betreuung aller vier Vokalformationen liegt in den sicheren und geschickten Händen von Andreas Moschner. So wurde erkennbar, was einen guten Chorleiter auszeichnet. Er richtet seine Probenarbeit darauf, den individuellen Charakter eines Chores zu stärken, der von der Zusammensetzung der Mitglieder abhängt.
Mit Sensibilität und Geduld gilt es die Qualitäten technisch zu profilieren. Mit den erfolgreichen Resultaten wussten alle Chöre das Publikum auf ihre Weise zu begeistern. Den Charme gemütvoller Schlagerseligkeit verbreitete der Gemischte Chor der „Sängerlust“ mit „Rot sind die Rosen“. Zu den gefälligen Gesangsstandards zählt der „Zauber der Musik“, den die klangfüllige Sängerschaft den Seeheimern zum Geschenk machte. Die Damen und Herren des MGV gaben eine bunte Visitenkarte ab. Sie zeigten Flexibilität, ebenso stimmungsvoll interpretierten sie „Amazing Grace“ wie ein munteres Potpourri vom Amerika Liedern von „Oh Susanna“ bis „Swaney River“.
Bei aller Freude an der Traditionspflege, ließ sich die Hörerschaft besonders von den „jungen“ Chören begeistern. Es stimmt auch zuversichtlich zu erleben, dass die Sangesfreude nicht aufhören wird, weitere Generationen zu erobern. Ein wenig schelmisch, verschmitzt und keck präsentierte sich der Chor 2000. Der besondere Reiz besteht darin, bekannte Titel im Arrangement für Frauenstimmen zu hören. Das passte zu „Schuld war nur der Bossa nova“ und noch pfiffiger klang ebenfalls „Allways look on the bright Side“.
Anspruchsvolles hatte sich „Stimmbar“ vorgenommen. Mit diesem Chor gelingt es Andreas Moschner hervorragend Atmosphäre zu schaffen. Bei „Skyfall“ erstarrte man tatsächlich mit Herzklopfen und James-Bond-Spannung, „Weit weit weg“ zauberte bittersüße Wehmut herauf. Das Paradestück war die „Bohemian Rhapsodie“, mit deren komplexer Virtuosität „Stimmbar“ das Publikum faszinierte. Die instrumentalen Glanzpunkte des Abends setzte das Akkordeonorchester, das in Sabine Lauterbach eine ebenso entschlossene wie einfühlsame Dirigentin hat. In der „Russischen Fantasie“ entfalteten die Spieler die ganze Bandbreite ihres Könnens zwischen melancholischer Getragenheit und feurigem Temperament. Johann Leber und seinen Sängern als Gastgeber blieb es vorbehalten mit ihren Auftritten den Rahmen der Veranstaltung zu bilden. Man muss sich schon im Kreis bester Freunde wissen, um mit augenzwinkernder Ironie mit dem Stück „Wir sind die alten Säcke“ auf die Bühne zu treten, aber die Riege der Langgedienten ist dank ungebrochener Stimmkraft souverän: wenn sie ihren Favoriten „Donna Maria“ intonieren, schmilzt der Saal dahin. Man singt nur mit dem Herzen gut und das altert bei Choristen nicht so rasch!
