Zwingenberg und Rodau

Leiterin der Zwingenberger Stadtbücherei Angelika Graf (li.) und die stellvetretende Leiterin Beate Lamprecht. Foto: soe
01. Juni 2015 

Schmökerfreuden für Bücherwürmer

Mit einer originellen Buchtauschaktion im Gewölbekeller feierte Zwingenberg den 20. internationalen „Tag des Buches“

ZWINGENBERG, Juni 2015 (pem), Um Buch- und Lesekultur weltweit zu würdigen, hob man vor zwanzig Jahren den internationalen „Tag des Buches“ aus der Taufe. Mit der Datumsfestlegung auf den 23. April wählte man sich den geistigen Vater Don Quichotes zum Paten, denn es ist der Geburtstag von Miguel de Cervantes. Bekannt für seine überbordende Fantasie, die Lust an Kuriosem und seinen schalkhaften Humor, wäre er mit Sicherheit sehr angetan davon, wie man in Zwingenberg den literarischen Ehrentag gestaltete.

Die Idee dazu kam aus der Stadtbücherei, wie so viele Vorstöße breiten Bevölkerungsschichten das Buch ans Herz zu legen und dem Gedruckten immer neue Publikumskreise zu erschließen. „Bislang hatten wir uns darauf beschränkt, die Exemplare aus den Buchpaketen zu verteilen, die uns der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zu diesem Zweck zu Verfügung gestellt hat“, berichtet Beate Lamprecht. „Aber für das Jubiläumsjahr wollten wir etwas Besonderes bieten. Sie heckte das Konzept zu einer Büchertauschbörse aus. Wer ein Buch spendet, erhält einen Coupon. Der Wert von ein oder zwei Punkten richtet sich nach Zustand und Umfang des Werks. Vorab konnten Bücher bereits in der Bücherei abgegeben werden, aber die Literaturfreunde waren ebenso eingeladen, zum Tauschaktionsabend im Gewölbekeller des Bunten Löwen mit dem Beitrag aus ihrem Bücherregal zu erscheinen und den Coupon in Empfang zu nehmen, der als interne Währung zum Erwerb anderer Schmökerfreuden diente. Tatsächlich herrschte knisternde Spannung, solange der Zugriff aufs „Sortiment“ noch nicht freigegeben war. Neugierig und kritisch schweiften die Blicke über Taschenbücher und Bildbände: ein krimilastiges Angebot, das allerdings die generellen Lesepräferenzen widerspiegelt. Ein wenig Stöbern, Blättern und viele Wiedersehenserlebnisse: „Das kenn ich… hab ich gerne gelesen… ein tolles Buch“.

Zwanglos entspannen sich schon bei der Schnupperrunde unter den Besuchern zahlreiche Gespräche über Bücher, Autoren, Lesetipps. Dennoch wählten viele wohl schon ihre Favoritenlektüre aus, in der Hoffnung, niemand möge flinker sein, wenn es denn endlich „An die Bücher – fertig- los!“ heißen würde. Dem Run auf die Bücher ging noch der unterhaltsame Teil des Abends mit kleinen Lesungen voraus. Humorvolle Appetithäppchen verschiedener literarischer Genres von Brief über Erzählung bis Lyrik servierten Bürgermeister Dr. Holger Habich, Ronald Schild vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Mitarbeiterin der Stadtbücherei Cornelia Demmer und deren Leiterin Angelika Graf. Das Publikum genoss die kleinen Darbietungen.

Da Bücherfreunde grundsätzlich eher ruhige und gesittete Menschen sind, entbrannte nach Börsenöffnung keine heiße Schlacht um die Büchertische. Manchen mochte auch der Zweifel packen, hatte er nicht doch das noch bessere Buch übersehen, lag nicht irgendwo doch noch ein Wunschtitel? Die meisten Besucher waren aber einfach nur begeistert: „Ein Eldorado für Bücherwürmer“, jubelte eine ältere Dame, die sich mit neuen Mordfällen ausgestattet hatte. „Ich kam mit Busch und geh mit Grass – ziemlich unfair zu meinen Gunsten, aber mir macht’s Spaß“, dichtete spontan eine junge Frau, die ihre „Sämtlichen Bildgeschichten von Wilhelm Busch“ in Billigausgabe nun mit einem Prachtband der „Jahrestage“ vertauscht hatte.

Jeder fühlte sich am Ende des Abends gut bedient und bereichert. Zur Gemütlichkeit der angeregten Konversation trug die Snackbewirtung bei. Wer sich dafür mit einer Spende bedankte, tat der Stadtbücherei Gutes, die nicht müde werden wird, mit vielen schönen Einfällen und Initiativen wieder und wieder der Lesefreude eine Lanze zu brechen.