Seeheim-Jugenheim

Brasiliens sanfte Stimmen begeisterten das Publikum in der voll bestzten Buchhandlung Zabel in Jugenheim. Foto: S. Oelsner
24. November 2013 

Stimmkunst sanft wie Samba

In Lesung und Gesang mit der Künstlerin Susanne Bohn bot die Jugenheimer Buchhandlung Zabel einen Nachklang auf das Buchmessen Gastland Brasilien

SEEHEIM-JUGENHEIM, November 2013 (pem), Fremde Gebiete mit der Seele zu suchen, empfahl schon der große Reisende Goethe. Im Nachgang der Buchmesse hat es in der Buchhandlung Zabel Tradition, die Kulturinteressierten zu einem Nachmittag der „atmosphärischen Länderkunde“ zu laden. Die Portraits des jeweiligen Gastlandes gestaltete Susanne Bohn als Kaleidoskop musikalischer und literarischer Versatzstücke. Sigrid Zabel freute sich auch in diesem Jahr über die bis in den letzten Winkel gefüllte Buchhandlung und begrüßte herzlich zum Programm „Vozes do Brasil“ (Stimmen Brasiliens).

Die Idee der Buchhändlerin und die geniale Ausführung durch die Künstler haben einen erfolgreichen Publikumsmagneten kreiert.

Die charismatische Ausstrahlung von Susanne Bohn unterstreicht den Zauber ihrer Stimme, dezenter Charme verleiht den literarischen und Lieder-Texten eine besonders poetische Ausdrucksstärke. Empfindungen kreieren zwischen Zeilen und Notenlinien ist das Wichtige und Charakteristische ihrer Vortragskunst. Das Flair Brasiliens prägt die „Saudade“ die Befindlichkeit, aus Sehnsucht, bittersüßem Schmerz und das Lächeln mit einer Träne. Flirrende Zwischentöne spiegeln sich ebenso in den Samba- und Tangorhythmen. Susanne Bohns eigene Akkordeonbegleitung wurde umspielt mit kraftvollen, zart perlenden Gitarrenakkorden von Hanko Uphoff.

Mit den vier Themenschwerpunkten „Bücher und Menschen“, „Gegensätze“, „Collagen“ und „Melancholie“ steckte Susanne Bohn den Rahmen ihrer Landesseelen–Skizze ab. Joao Ubaldo Ribeiro, Carmen Freitas, Paolo Coelho und Luiz Rufatto sprachen aus ihren Werken als stellvertretende Stimmen Brasiliens. Spitzfedrige Zeitungskolumnen Ubaldo Ribeiros, schlichte Worte von großer poetischer Wirkung in Freitas Gedichten, stimmungsvolle Alltagsportraits in Romanpassagen von Rufatto und Coelhos eindringlich philosophierende Betrachtungen entwarfen der Hörerschaft ein nuancenreiches Bild.
Ein intensiveres Literaturerlebnis konnte man sich nicht wünschen – Brasiliens sanfte Stimmen begeisterten das Publikum und viele Besucher sprachen Susanne Bohn über den enormen Applaus hinaus noch ihren persönlichen Dank aus.