Seeheim-Jugenheim

Momente der perfekten Illusion zauberte der Magier Christoph Demian zwischen den Musikstücken. Foto: S. Oelsner
06. Januar 2014 

Taktstock trifft Zauberstab

Mit einer Melange aus Orchesterstücken, Soundtracks und Illusionistentricks war das Konzert des Musikforums Seeheim ein Abend voller magischer Momente

SEEHEIM-JUGENHEIM, Januar 2014 (pem), Die Faszination des Unheimlichen und Unerklärlichen lauert mit Chimären, Schatten und Schemen, Fluch, Verdammnis und Verführung, gespenstischen, geheimnisvollen Gestalten. Der dunkle Reiz des Zwielichtigen inspirierte schon immer die wildromantische Kreativität bildender Künstler, wie auch der Komponisten. Mit der Aura, Logik außer Kraft zu setzen und sogar die Spielregeln der Natur aufzuheben, schlägt die Zauberei in den Bann. Auch die bewegten Bilder des Films lernten das Laufen in der „Laterna Magica“. Musik, Magie und Film berühren einander in dem Element der Illusionskunst. Dem spürte das Musikforum Seeheim nach in einem originellen Abend, der Kleinkunst und großes Orchester vereinte.

Mit Christoph Demian hatte man sich keinen Zauberlehrling, sondern einen jungen Magiermeister auf die Bühne des Jugenheimer Bürgerhauses geladen. Als charmanter Conférencier begleitete er ebenso das Saal füllende Publikum durch das Programm „Verfilmt, Vertont, Verzaubert“. Demian arbeitet gerne als unterhaltsamer Vertreter der „Close-up-Zauberei“, die Zuschauer mit einbezieht. Weil er dem spielerischen Humor den Vorzug vor pompös-mysteriösen Auftritten gibt, verzichtet er darauf, Jungfrauen zu zersägen. Er wendet sich lieber anderen Dingen zu: die Teile eines zerrissenen Fadens werden knotenlos zu einem Stück, in der Hand eines Mädchens wachsen Bälle, imaginierte Spielkarten werden real und schließlich schwebt dann noch ein Tischchen über dem Boden.

Abwechslungsreiche Schmunzelintermezzi zwischen den musikalischen Partien. Die 90 Mitglieder der „Sinfoniette Mainz“ vertrauten sich der sicheren Führung von Michael Millard an. In seiner Hand wird der Taktstock selbst zum Zauberstab, so dass ihm das Orchester als „Klangkörper-Medium“ willig folgt. Das Konzertthema hätte einen düsteren, schwerfälligen Interpretationsstil anregen können. Doch erfreulicherweise entschied sich Michael Millard für spannungsreiche, fein differenzierte Dynamik. Statt wabernde Klangteppiche auszubreiten, begeistern die Instrumentalisten mit Verve durch die hörbare Präzision und Trennschärfe der Stimmen, um den vollen musikalischen Gehalt zu bewahren. Die Stückauswahl bewies einmal mehr den Genussgewinn, wenn „E“ und „U“-Musik Berührungsängste überwinden. In chronologischer Abfolge der Kompositionen konnte die Hörerschaft eine Entwicklung nachempfinden: vom lautmalerischen, emotionsbewegenden Geschichten erzählen in Tönen zur Konzentration auf dramatische Effekte zur Untermalung bewegter Bilder. Der Weg begann mit einem furiosen Glanzlicht: Paul Dukas „Zauberlehrling“, der zwischen Elfenhauch und Gnomengewalt changiert und in seiner Dynamik das Geschehen bildhaft vor das innere Augen zaubert. Die Ouvertüre zu „Hänsel und Gretel“ lässt Humperdinck unschuldig mit dem engelhaften Abendsegen beginnen, um dann Ausblicke auf das durchtriebene „Hexenwerk“ in der weiteren Oper zu geben.

Einen absoluten Höhepunkt stellte der „Hexensabbath“ aus der Symphonie Fantastique dar. Ein grandioses Stück Programmmusik, das in der Interpretation der Sinfonietta Mainz für das Publikum zu einem Ohrenschmaus wurde. Dennoch empfand man den Übergang zu modernerem Schaffen nicht als Bruch, sondern folgte weiter dem mystischen Pfad zur Fantasy in Howard Shores „Herr der Ringe“ und Harry Gregson-Williams „Chroniken von Narnia“. Bekanntes aus jüngster Kinozeit rundete das Erlebnis ab. Die Harry Nuancen reiche Potter-Suite und die intergalaktische Weite der „E.T.“ Untermalung ehrten den filmmusikalischen Vielschreiber John Towner Williams.

Der „Fluch der Karibik“ von Klaus Badelt sollte aber nicht auf dem Heimweg des Publikums lasten, das sich mit begeistertem Applaus auch eine redlich verdiente Zugabe herbei zauberte.