Garten-Natur-Tiere, Seeheim-Jugenheim

Mit viel Begeisterung haben die Kinder mit Eckhard Woite die Blumensamen verteilt. Foto: soe
08. Mai 2015 

„Tischlein-deck-Dich“ für Bienen und Insekten

Kinder der Kita Windrad und des Seeheimer NABU Ortsverbands legten am Malchener Streuobstwiesenhang eine „Bienenweide“ an

MALCHEN, Mai 2015 (pem), Kleine Hände, kleines Eimerchen, starke Arme, großer Eimer. Gefüllt mit Sämerei, die ein wenig wie Weizenkleie aussieht. Arbeitseinsätze beim NABU sind oft zugleich Familienunternehmungen, gesprächsreiches Naturfreundetreffen und Projektaktivität. Effektiv und mit Freude tut jeder was er kann.

Und am Malchener Blütenhang gibt es eine Menge zu tun. In jährlich zu verlängernder Pacht hat sich der NABU ein weiteres Grundstück am Malchener Blütenhang zugelegt, das unter Verbuschung und Überwucherung kaum noch als ehemalige Streuobstwiese erkennbar war. Das verwilderte Areal bot die Möglichkeit, neue Facetten in einem Gesamtkonzept umzusetzen. NABU-Mitglied Ulrike Steinmetz erläuterte: „Es ist unser Ziel, den Blütenhang als Landschaft zu erhalten. Darüber hinaus möchten wir aber verschiedene Modellterritorien schaffen, um zu zeigen wie unterschiedliche Lebensräume funktionieren.“

Mit dem Zusammenspiel von Flora und Fauna zu experimentieren, war schon der Leitgedanke beim Anlegen des „Wühlmausgartens“. Feucht- und Trockenbiotope, Wildkräuter und Nutzsträucher, Nistkästen und Insektenhotels. Eine paradiesische Artenvielfalt, die der NABU Nachwuchs schuf, betreut und immer noch ergänzt. Ein weiteres Stück Naturkultur von ganz anderem Charakter entstand durch die Einrichtung der Weidefläche für die Schützlinge der Schafsgruppe. Mit dem jüngsten Projekt werden die Insekten begünstigt. „Veitshöchsheimer Bienenweide“ heißt die Saatgutmischung, die die vielen emsigen Hände in das Saatbeet ausbrachten Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung von mehrjährigen Wildkräutern, die von Honig- und Wildbienen bevorzugt werden.

Eine sehr seltene Population von Wildbienen konnte in Malchen schon nachgewiesen werden. Nun hofft man auf Zuwanderung auch neuer Völker. Sowie andere Insekten zur Aufwertung der Artenvielfalt. Auf dem Gelände entsteht zusätzlich ein Unterschlupf für Eidechsen und den sehr rar gewordenen Wiedehopf. Um den jetzt so frisch und aufnahmefreudig daliegenden Boden hatte man wahrlich kämpfen müssen. Es galt ihn der Wildnis zu entringen mit Eisen- und PS-Kraft, nicht nachlassender Hartnäckigkeit und Ausdauer. Nachdem mit Fräsen und anderem schweren Gerät die ärgste Überwucherung beseitigt war, mussten immer noch tiefe Wurzelstöcke entfernt werden.

Die Kosten für die Freilegung beliefen sich schon auf rund dreitausend Euro. Der Imkerverein Bergstraße und die Sparkasse Darmstadt unterstützten das Projekt. Der noch erhaltene Baumbestand sollte in die neue Insekten freundliche Landschaft integriert werden. Von Hand beschnitten Mitglieder die Obstbaumveteranen, so dass hier künftig Biotope die bestehenden Schutzflächen ergänzen.
Die Bienen, denen hier so liebevoll und fachkundig der Tisch gedeckt wurde, zeigen sich auf ihre Weise erkenntlich. Nutznießer werden sicher die „Wühlmaus“-Imker. Aber die fleißigen Insekten werden sich als Landschaftspfleger ebenso beliebt machen, denn ihre Bestäubungstätigkeit wirkt allgemein Ertrag steigernd, auch in den privaten Gärten.