Unter Strom – Warum anhaltender Stress uns krank macht
Positiver Stress, Angst und sogar Burnout. Stress hat viele Erscheinungsformen.
Das Wort Stress kommt aus dem Lateinischen stringere: anspannen und bezeichnet psychische und physische Reaktionen unseres Organismus als Folge auf äußere Reize (Stressoren). Die sog. Stressoren sind nicht nur negative sondern auch positive Ereignisse wie z.B. Heirat, Schwangerschaft, Umzug, Veränderung der Lebensbedingungen und gehören neben Tod, Scheidung, Erkrankungen, Entlassung, Ärger, traumatischen Ereignissen, Arbeit uvm. dazu.
Obgleich Stress und gelegentliche Überforderung als akuter Stress zum Alltag gehören und nicht unbedingt als behandlungsbedürftig gelten führt chronischer Stress, nicht nur bei Leistungsträgern, zu Erschöpfung, Depression und Burnout. Chronischer Stress bezeichnet einen kontinuierlichen und anhaltenden Erregungszustand eines Individuums, wobei die Anforderungen von Außen als größer empfunden werden als die Ressourcen die zur Bewältigung dieser Anforderungen zur Verfügung stehen. Stress kann in diesem Sinne auch eine andauernde Frustration über die Unmöglichkeit sein, Zeit für alles zu finden, was man gerne tun möchte oder muss. Walter Cannon fand in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts heraus, dass Stress Aktivitäten in den Nerven und Drüsen in Gang setzt und so den Körper in die Lage versetzt zu kämpfen oder die Flucht zu ergreifen und sich in Sicherheit zu bringen. Als Stresszentrum sehen Experten den Hypothalamus, der das autonome Nervensystem steuert und die Hirnanhangsdrüse aktiviert.
Das wiederum hat weitreichende Folgen für den ganzen Organismus. Auf körperlicher Ebene kommt es zur Erhöhung von Blutdruck und Puls, die Verdauung ist gestört, im Erleben kommt es zu Frust, Anspannung, Müdigkeit, Verärgerung und die Leistung leidet darunter, die Fehler werden mehr, die Konzentration lässt nach und nicht selten sind sinkendes Selbstwertgefühl, Unzufriedenheit, Substanzmissbrauch, Ohrgeräusche, Kopf- und Magenschmerzen, Zerschlagenheit und Konflikte die Folgen, so dass einer beginnenden Depression nichts mehr im Wege steht. Leider ist die evolutionär erlernte wichtige Kampf-Flucht Reaktion auf Stress in der Moderne gänzlich unnütz und mitunter sogar schädlich, denn die mit dem Stress einhergehenden körperlichen Veränderungen und psychologischen Empfindungen sind keineswegs gut für uns. Wo Kämpfertypen vor Wut beben und aggressiv und zum Angriff vorbereitet sind zieht sich der Fluchttyp zurück und ergibt sich dem Arbeitspensum um weiter zu funktionieren.
Die damit einhergehende Erhöhung von Puls, Blutdruck bleibt bestehen, auch ohne dass der Säbelzahntiger vor uns steht. Beim Umgang mit Stress geht es im Wesentlichen um die Wiedergewinnung der Langsamkeit, Stressquellen zu erkennen, Fallen- und Zeitfressern den Gar auszumachen und die eigenen stresserzeugenden Einstellungen wie z.B. „Ich bin minderwertig!“ oder „Starke Menschen brauchen keine Hilfe!” oder „Ich bin für alles verantwortlich und muss alles selber machen!“ zu bearbeiten. Auch ein Prioritätencheck und Zeitmanagement kann zu Verringerung von Stress führen. Helfen können Coachs, Psychotherapeuten aber auch viele andere Ratgeber im Netz, Bücher aber auch der Partner, der mal wieder darauf hinweist, dass man zu viel arbeitet. Wichtig ist, sich selbst zu bremsen, mit Unvollkommenheit zu leben, sich vom Perfektionismus zu verabschieden und geduldig mit sich selbst zu sein, denn 70% aller Krankheiten sind stressbedingt.
Autorin:
Diplom Psychologin
Dr. des. Mercedes Hölting
Seeheim-Jugenheim
http://www.psychotherapie-hoelting.de
