Wege sind sein Ziel
Volker Frenzel eröffnete seine Fotokunstausstellung „Quo vadis“
ZWINGENBERG, Juni 2016 (pem), „Kultur ist eine Klammer der Gesellschaft, weshalb jede Investition auf diesem Gebiet selbst in Zeiten knapper Haushaltskassen gerechtfertigt ist“, betonte Bürgermeister Dr. Holger Habich. Die aktuelle Ausstellung in der Remise mit zu eröffnen sei ihm aber nicht nur von Amtswegen, sondern ein ganz persönliches Vergnügen. Damit gab er sich als Freund der Fotokunst zu erkennen.
Großformatige Arbeiten von Volker Frenzel sind zu sehen. Kaum jemandem, der sich im Kreis der Bergsträßer Hobbyfotografen bewegt, ist er unbekannt. Man verbindet seinen Namen mit langjähriger Leitung des Bickenbacher Fotoclubs. Ebenso durch die Ausrichtung von Wettbewerben, viele im Bereich der Jugend- und Nachwuchsförderung. Nicht nur außerhalb der Vereins-Mannschaftsaktivitäten gelang es ihm eine eigene erfolgreiche künstlerische Karriere zu gestalten.
Die große Anzahl preisgekrönter Veröffentlichungen trugen ihm nicht nur internationales Renommee ein, sondern auch Auszeichnungen und Titel, die ihn in Kreise der Weltbesten einreihen. So ist auch seine Jurorentätigkeit international gefragt und anerkannt.
Udo Krämer ging als Freund und Fotoclub-Vorstandsmitstreiter durchaus humorvoll noch näher auf das Schaffen des Künstlers ein. Da er der Naturfotografie recht abhold ist, hätte er nie die Chance auf Prämierung, weshalb man diese Gelegenheit wahrnehme ihm, wie es Krämer zeichnete, ersatzweise seinen „Nature Award“ zukommen zu lassen: die Statuette eines mit Stativkamera fotografierenden Frosches erhielt der gänzlich Überraschte zum Scherz. Das Bild vom besessenen Motivjäger auf stundenlanger Pirsch, wie es Krämer entwarf, bestätigte Frenzel selber gerne. „Was ihn von anderen Fotografen sehr unterscheidet ist seine Zugänglichkeit und Offenheit. Er macht kein Geheimnis aus dem Entstehen seiner Bilder und reicht seinen Erfahrungsschatz gerne weiter“, hob Krämer hervor.
Über das Wesen des Fotografierens kann man sich in philosophischen Betrachtungen verlieren. Fängt ein Bild das Leben in einem bestimmtem Moment ein und ist damit immer Bruchteil eines Werdens, einer Entwicklung, eines Verlaufs, den man – obwohl nicht abgebildet – als Betrachter erspürt? Oder besteht das Wesensmerkmal gerade darin, den Augenblick ganz von seinem Zusammenhang zu lösen? Durch die Isolation wird das Abgebildete dann zu einem neu interpretierbaren Zeichen. Bei allen technischen Möglichkeiten der Bildbearbeitung leitet doch die Essenz des künstlerischen Handwerks das Malen mit Licht. Der Umgang mit Beleuchtung setzt Akzente, schafft Atmosphäre und beeinflusst die Aussage.
Volker Frenzel hat hier seinen konsequenten Stil gefunden, so dass eine erkennbare Handschrift seine Werke prägt. Kunst entsteht durch Entfernen des Natürlichen: normale Lichtverhältnisse werden eliminiert, so dass dreidimensionale Perspektiven die Tiefe der Räumlichkeit verlieren. Schattenlose Figuren wirken als seien sie mit ihrer Umgebung nicht verbunden sondern hinein collagiert. Persönliches Ideal und zugleich Erfolgsrezept ist für Frenzel die „plakative und sparsame Gestaltung“.
Kühler Perfektion von Architektur gilt seine Leidenschaft, die deshalb oft Werke dominiert. Schon in früheren Arbeiten wie „Underground“ und „Cool City“ war das erkennbar. Umso stärker ist die Spannung zwischen Machart der Bilder und den Motiven: wir sehen zumeist laufende Personen. „Quo vadis – Jeder geht seinen Weg“ ist die Ausstellung betitelt. Udo Krämer merkte zur Einführung an: „Täglich begegnen uns Menschen, die alle ein Ziel haben. Volker Frenzel zeigt sie uns zunächst auf diesen Wegen. Einige Bilder assoziieren aber auch den Weg als Lebensweg, der hoffnungsvoll beginnt, aber auch unglücklich enden kann. So wird die Phantasie der Betrachter gefordert, die Protagonisten ein Stück des Weges zu begleiten.“

