Zwingenberger Altstadt im Ausnahmezustand
Gemeinsame Alarmübung für die Rettungskräfte der Bergstraße
ZWINGENBERG, Oktober 2012 (nico), Punkt 13.00 Uhr gingen am Samstag, den 20.10.2012, in Zwingenberg die Alarmsirenen an. Binnen weniger Minuten verwandelte sich das sonst so beschauliche Städtchen rund um die evangelische Kirche und den Historischen Marktplatz in einen Katastrophenschauplatz. „Emporeneinsturz in der evangelischen Kirche mit Folgebrand“ lautete die Alarmmeldung, welche bei den Rettungskräften einging und ein Aufgebot an Rettungskräften in die Zwingenberger Altstadt beorderte, wie man es in dieser Dimension hier noch nicht erlebt hatte.
Denn zur gemeinsamen Alarmübung waren die Feuerwehren aus Zwingenberg, Rodau und Auerbach, sowie das Technische Hilfswerk aus Bensheim, die Rettungskräfte des Roten Kreuzes aus Zwingenberg, Bensheim und Heppenheim, die Johanniter Unfall-Hilfe und der Malteser Hilfsdienst und sogar die Schnelleinsatzgruppen des Katastrophenschutzes gekommen.
Auf Initiative des Zwingenberger Pfarrers Stefan Hund und der Vorsitzenden des Kirchenvorstandes Claudia Willbrand hatte man mit dem Arbeitstitel „Zwingenberg 2012“ zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Zwingenberg unter der Leitung von Helmut Trautmann, Wehrführer der Zwingenberg Feuerwehr, eine Alarmübung ausgearbeitet, der es vor allem in punkto Komplexität an nichts fehlte. Um eine möglichst realistische Atmosphäre zu kreieren, wurde ein Bretterverschlag hinter dem Haupteingang der evangelischen Kirche aufgebaut, welcher die herunter gebrochene Empore darstellte.
Dies erschwerte die Rettungsmaßnahmen von vorne enorm, da der Haupteingang vorerst versperrt war, so dass die meisten Einsatzkräfte sich ihren Weg durch den kleineren Seiteneingang der Kirche bahnen mussten. Unter der Leitung von Matthias Frank und seinem Team von Pyrotechnik Bergstraße wurde ein Katastrophenszenario aufgebaut, das nicht nur einfache Rauchentwickler beinhaltete, sondern auch durch sämtliche Brand- und Explosionsgeräusche sowie einige Halloween-Requisiten für eine wirklich überzeugende Kulisse sorgte. Desweiteren wurden zusätzlich alle teilnehmenden Statisten mit Ruß und Kunstblut so auf verletzte Opfer geschminkt, dass man schon durchaus den Eindruck bekommen konnte, es handele sich hierbei um einen realen Katastropheneinsatz.
Innerhalb kürzester Zeit war die Kirche jedenfalls in dichten Nebel gehüllt, so dass die Rettungsmaßnahmen durch die starke Sichtbehinderung stark erschwert wurden und die ersten Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes nur mit Atemschutzmasken die Kirche betreten konnten. Insgesamt 18 Verletzte waren auf das Innere der Kirche verteilt, welche nun von acht verschiedenen Rettungsgruppen geborgen werden mussten. Dies gestaltete sich für die Bergungstrupps umso schwieriger, da es nicht möglich ist mit großen Fahrzeugen in die Zwingenberger Altstadt hinaufzufahren. Daher wurden die Verletzten mit Tragen durch die engen Gassen der Altstadt zum Historischen Marktplatz getragen, wo sich der Rettungswagensammelplatz gebildet hatte.
Die mehrfachen Tragetransporte nach unten erwiesen sich als äußerst strapaziös für die Rettungskräfte, die bei noch recht warmen Herbsttemperaturen in ihren Rettungsanzügen ganz schön ins Schwitzen kamen. Die letzten Opfer bei dieser Übung wurden anschließend noch an Tragen angeschnallt und über Leitern von der Empore der Kirche geborgen und ins Freie gebracht. Auch dies gestaltete sich nicht weniger kräftezehrend für die Einsatzgruppen.
Bei der Koordination der Übung stellte es für den organisatorischen Leiter des Rettungsdienstes Patrick Schönbeck eine besondere Herausforderung dar, die Arbeit der acht Rettungstrupps geordnet zu kontrollieren, wobei bei einem echten Einsatz noch die Schwierigkeit dazugekommen wäre, die Verletzen mit Rettungshubschraubern auf die umliegenden Krankenhäuser zu verteilen. Dies stellt bei Katastrophen immer wieder eine große logistische Herausforderung dar, weil weder alle Krankenhäuser des Umkreises jederzeit unbegrenzt freie Kapazitäten haben, noch über gleiche Ausstattung oder vollkommen identisches Know-how verfügen.
Als Stadtbrandinspektor der Stadt Zwingenberg Reiner Schellhaas um 14.15 Uhr die Übung für erfolgreich beendet erklärte, waren doch alle teilnehmenden Rettungskräfte erleichtert und froh, dass es sich hierbei lediglich um eine Übung handelte, denn der Ernstfall in der engen Zwingenberger Altstadt stellt eine noch größere Herausforderung für alle beteiligten Rettungsteams dar.
Im Anschluss an die Übung wurde seitens der Organisatoren in die Zentrale der Feuerwehr in Zwingenberg zur Manöverkritik geladen und alles besprochen, was optimal funktioniert hat und was in Zukunft noch für den hoffentlich niemals eintretenden realen Einsatz verbessert werden muss.
Fotogalerie:
Fotos von Stefan Oelsner.
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