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Ein Traum aus Ton: Eine kleine Künstlerin der Sommerakademie präsentiert im Rahmen der Ausstellung stolz ihre bunte Villa. Foto: Thomas Tritsch
08. Juli 2019 

Villa Kunterbunt und andere Traumhäuser

Kunstfreunde Bergstraße: Sommerakademie ging mit Ausstellung im Fürstenlager ins Finale

AUERBACH, Juli 2019 (tri), Ob Teddyhaus und Chill-Haus, Baumhaus oder Meerjungfrauenhaus: Die Besucher der Ausstellung im Fürstenlager bewunderten fantasievolle Traumhäuser in allen Formen und Farben. In Wäldern und auf Inseln, in der virtuellen Welt oder mit realem Vorbild. Auch eine Villa Kunterbunt und ein geheimnisvolles „Haus der mächtigen Götter“ waren im Damenbau zu sehen, wo die Kunstfreunde Bergstraße jetzt das Finale der diesjährigen Sommerakademie gefeiert haben. Das Fest musste diesmal als abgespeckte Version über die Bühne gehen, da der Verein aufgrund organisatorischer Überschneidungen mit weniger Besuchern rechnen musste. Daher habe man das Finale auf zwei Stunden reduziert, so Schulleiterin Petra Thobe von der Seebergschule Bensheim. Weitere Teilnehmer kamen von der Kirchberg- und der Schillerschule. Das Motto: Kunst kennt keine Behinderung.

Dem Spaß der Kinder tat der kleinere Rahmen keinen Abbruch. Gleich nach der Eröffnung durch Vereinsvorsitzenden Dr. Benno Wölfel stürmten die Schülerinnen und Schüler durch die Räume des schmucken Damenbaus, wo ihre Werke aufgehängt waren. Auch die dreidimensionalen Objekte aus Ton waren in diesem feierlichen Rahmen zu sehen – und zu erwerben. Bald nach der Eröffnung klebten an vielen Exponaten rote Punkte. Ein klares Zeichen: verkauft! Vor zwölf Jahren haben die Kunstfreunde Bergstraße das integrative Malprojekt ins Leben gerufen. Und es läuft immer noch mit andauerndem Interesse. In diesem Jahr standen die jungen Kreativtage unter dem Motto Traumhaus. In der Seeberg- und Kirchbergschule malten und töpferten behinderte und nicht-behinderte Kinder zwei Tage lang gemeinsam. Spaß und Fantasie waren die wichtigsten Utensilien. Für Farbe, Ton, Pinsel und Leinwände sorgte der Verein.

Ein Thema, viele unterschiedliche Deutungen. Auch die Keramiken ernteten hohe Beachtung und etliche neugierige Blicke. Vor den Galerieräumen hatten die Veranstalter ein kleines Angebot an Speisen und Getränken bereitgehalten. Doch die meisten Kinder zogen ihre Eltern und Geschwister durch die Ausstellung, diskutierten über Motive und überlegten, ob und wie man die Traumhäuser tatsächlich bauen könnte. Ob ein Bild oder eine Plastik von einem Kind mit oder ohne Handicap stammt, war am Ende nicht ersichtlich. Und genau darauf kommt es dem Verein an: es zählen der unverbaute Blick auf die Welt, die Freiheit der Kunst und die uneingeschränkte Wertschätzung des individuellen Ausdrucks.

Das Sommerfest beendet die alljährliche Akademie der Kunstfreunde. Bereits Mitte Februar trafen sich die Teilnehmer in der Seeberg- und Kirchbergschule, wo aus gewöhnlichen Klassenzimmern Ateliers und Werkstätten wurden. Die künstlerische Freiheit der Mädchen und Jungen konnte dort ungehindert aufblühen, weil das Thema auch in diesem Jahr nur grob vorgegeben war. Auch bei den Töpferarbeiten gab es viele Kontraste: Während sich die einen gleich ans dreidimensionale Entwerfen machten, verfeinerte manches Kind zunächst die Außenfassade seines Traumhauses, bevor es diese dann einem Würfel gleich an den Kanten zusammenfaltete. Jeder hatte seine eigene Art, sich dem Ziel anzunähern.

Erfahrene Mitglieder der Kunstfreunde, darunter Heide Wagner, Heidi Riebel und Marina Uhl, hatten hilfreiche Anleitungen und Tipps parat. Auch die Lehrer der beteilig-ten Schulen unterstützten die Kinder bei Fragen und Problemen. Geleitet wird die Akademie seit Jahren von Organisator August Hofmann, der von der freien Kreativität und motivischen Vielfalt der Kinder immer aufs Neue begeistert ist. Leider konnte Hoffmann beim Abschlussfest nicht mit dabei sein.

Der Workshop der Kunstfreunde findet auch über den Kreis hinaus Beachtung: 2013 wurde er von der HSE-Stiftung im Rahmen der Verleihung des „Darmstädter Impuls“ mit dem Ludwig-Bergsträsser-Preis ausgezeichnet. Bei der Sommerakademie zeigt sich einmal mehr, wie Experimente mit Farben und Spiele mit Struktur die Kreativität der Kinder steigern und die Lust am Gestalten fördern können. Der Umgang mit unterschiedlichsten Materialien ist für die Schüler auch ein intensives sinnliches Erlebnis.
Der Erlös der Verkäufe geht auch in diesen Jahr an die teilnehmenden Schulen.